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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fährte - Faidherbe.

Fährte, der Abdruck der Schalen des Elch-, Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwildes auf weichem Boden und im Schnee. Aus den verschiedenen Zeichen in der F. des Wildes, deren die alte Jägerei beim Rotwild 72 unterschied, kann man Wildgattung, Alter, Größe, selbst das Geschlecht des Stückes erkennen, von welchem die F. herrührt. Die wichtigsten dieser Zeichen sind: Die Stärke (Größe) der F.; schon der starke Spießer und der Gabelhirsch haben eine so starke F. wie das Alttier. Die Stumpfe der Schalen ist erheblicher beim Hirsch als beim Tier, da wegen des größern Körpergewichts die Spitzen der Schalen sich mehr abnutzen. Die Ballen sind beim geringen Hirsch schon stärker und tiefer eingedrückt als beim Tier. Die Weite des Schrittes ist beim Spießer der des Alttiers etwa gleich und beträgt ca. 52 cm, während der starke Hirsch etwa 67 cm weit schreitet; der Schränk, das Abweichen der Fährten von der geraden Linie, ist beim Hirsch stärker als beim Tier, nur hochtragende (hochbeschlagene) Tiere schränken ebenso. Die Jäger, welche das Wild nach der F. richtig anzusprechen (zu bestimmen) vermögen, heißen fährtegerecht. Das Elchwild hat eine viel stärkere (größere), das Damwild eine viel schwächere (kleinere) F. als das Rotwild; die Zeichen zur Bestimmung der F. des männlichen von der des weiblichen Wildes sind ähnlich wie bei diesem. Beim Rehwild ist es nicht möglich, die F. des Bockes von der der Ricke zu unterscheiden. Die F. des Schwarzwildes zeichnet sich durch den Abdruck der breitern Geäfter aus. Die Abdrücke von den Tritten des zur niedern Jagd gehörigen Wildes heißen Spuren. Abbildungen der Fährten und Spuren der jagdbaren Tiere s. bei den einzelnen Artikeln. Vgl. v. d. Bosch, Fährten- und Spurenkunde (Berl. 1879). - In der Geologie versteht man unter Fährten Abdrücke von Tritten vorweltlicher Tiere, welche sich in verschiedenen Formationen, im Buntsandstein, in der Tertiärformation, erhalten haben. Vgl. Fährtensandstein.

Fahrten, die Leitern, auf denen der Bergmann in den Grubenschächten ein- und aussteigt; vgl. Fahrkunst.

Fährtensandstein, die mit Fährtenabdrücken (Chirotherium etc.) bedeckten Schichten des Buntsandsteins in Mitteldeutschland (Hildburghausen, Kissingen, Würzburg, Jena), Connecticut etc.

Fahrtlos werden, von der Fahrt, beim Fahren abgleiten und in den Schacht stürzen.

Fahrtmesser, s. Log.

Fahrwasser, die Wasserstraße, welche die Schiffe zu wählen haben, um schnell u. sicher ans Ziel zu gelangen; beschränktes F. wird durch Seezeichen (s. d.) markiert.

Fahrzins (Fahrpfennige, Fahrgeld), eine auf gewissen Grundstücken lastende Abgabe, welche bei Vermeidung des Verlustes des Grundstücks jährlich an einem bestimmten Tag entrichtet werden mußte; heutzutage meistens abgelöst.

Faiblage (franz., spr. -ahsch), Minderwert von Münzen an Gewicht und Gehalt.

Faible (franz., spr. fäbl), schwach; als Substantiv s. v. w. Schwäche, kleine Leidenschaft für etwas; Faiblesse, Schwäche, Ohnmacht; faiblieren, schwächen; schwach, ohnmächtig werden.

Faidherbe (spr. fädérb'), Louis Léon César, franz. General, geb. 3. Juni 1818 zu Lille, besuchte seit 1838 die polytechnische Schule in Paris, seit 1840 die Artillerie- und Genieschule in Metz, diente als Unterleutnant im Geniekorps 1844-45 in Algerien, 1848 und 1849 auf Guadeloupe, 1849-52 wieder in Algerien, wo er, zum Kapitän befördert, an mehreren Expeditionen teilnahm. 1852 als Unterdirektor des Geniewesens nach dem Senegal gesandt, wurde er 1854 Bataillonschef und Gouverneur der Kolonie daselbst. Er unterdrückte den Aufstand mehrerer tributpflichtiger Stämme, erweiterte das Gebiet der Kolonie, unterwarf 1858 die mächtigen maurischen Stämme der Trarza sowie 1861 das Küstengebiet des Königs von Cayor und das rechte Ufer des Senegal bis jenseit Bathel de Medina. Im Juni 1861 wegen Kränklichkeit beurlaubt, kehrte er nach kurzem Aufenthalt in Algerien nach dem Senegal zurück, ward 1863 Brigadegeneral, aber im Juli 1865 auf wiederholtes Ansuchen abberufen und erhielt das Kommando der Subdivision Bone in Algerien. Hier blieb er unbeachtet und fast vergessen, bis er Ende November 1870 unter Gambettas Diktatur auf den Kriegsschauplatz nach Frankreich berufen ward. Er übernahm 3. Dez. 1870 als Divisionsgeneral das Oberkommando über die französische Nordarmee, welche soeben unter Leitung des Generals Farre bei Amiens trotz tapfern Widerstandes vom General Manteuffel besiegt worden war. Binnen kurzer Zeit gelang es F., die Armee wieder zu komplettieren. Er zog mit dem 22. und 23. Korps nach Süden, überfiel 9. Dez. die kleine Festung Ham und erwartete 23. Dez. in einer festen Stellung an der Hallue den Angriff der feindlichen Armee unter Manteuffel. Dieser konnte trotz aller Anstrengungen Faidherbes Position nicht erobern. Doch wich F. selbst nach den Festungen im Norden zurück, um seinen Truppen Erholung zu gönnen, und griff erst 2. und 3. Dez., um Peronne zu entsetzen, die Deutschen mit großer Energie bei Bapaume an. Dabei errang er einige Erfolge, hatte aber so große Verluste, daß er den Rückzug antrat. Als er Mitte Januar 1871 von neuem aufbrach, um über St.-Quentin und Reims in den Rücken der deutschen Nordarmee zu kommen und Paris zu entsetzen, ward er 19. Jan. bei St.-Quentin von Goeben angegriffen und gänzlich geschlagen. Nach Abschluß des Waffenstillstandes beteiligte er sich als Mitglied der Nationalversammlung eifrig an den politischen Angelegenheiten, indem er sich der Partei Gambettas anschloß. 1871 erhielt er von der Regierung den Auftrag, eine wissenschaftliche Reise nach Oberägypten zu machen und die dortigen Monumente und Inschriften zu studieren. Seine erschütterte Gesundheit hinderte ihn, nach dem Sieg der Republikaner das Kriegsministerium zu übernehmen. Er wurde 1879 zum Senator gewählt und 1880 zum Großkanzler der Ehrenlegion ernannt. F. hat sich auch um die Geographie und Ethnologie des nordwestlichen Afrika verdient gemacht. Seine hierauf bezüglichen Werke sind außer mannigfachen Beiträgen zum Bulletin der Pariser Geographischen Gesellschaft und dem von ihm zu St.-Louis am Senegal seit 1860 herausgegebenen "Annuaire du Sénégal": das "Chapître de géographie sur le Nord-Ouest de l'Afrique" (St.-Louis 1864); "Collection complète des inscriptions numidiques avec des aperçus ethnographiques sur les Numides" (Lille 1870); "Sur les tombeaux mégalithiques et sur les blonds de la Libye" (im Bülletin der Pariser Société d'anthropologie, Bd. 4, 1870); "Instructions sur l'anthropologie de l'Algérie" (mit Topinard, Par. 1874); "Les dolmens d'Afrique" (1873); "Épigraphie phénicienne" (1873); "Essai sur la langue Poul" (1874); "Le Soudan français" (1884) u. a. Über seine Kriegführung suchte er sich zu rechtfertigen in der Schrift "Campagne de l'armée du Nord" (Par. 1871; deutsch, Kassel 1872).