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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Femina - Fendi.

ger werdenden Landesherren gegen die F. trugen ebenfalls das Ihrige dazu bei, und so sehen wir schon während des 16. Jahrh. die westfälischen Freigerichte auf Westfalen beschränkt, bald auch den Landesgerichten untergeordnet und auf bloße Polizeifälle verwiesen. In dieser Gestalt dauerten sie mit den alten, nun lächerlichen Formen hier und da fort, bis König Jérôme ihnen vollends eine Ende machte. Der letzte Freigraf (Engelhardt) starb 1835 in Wörl.

Vgl. Berck, Geschichte des westfälischen Femgerichts (Brem. 1814); Wigand, Das Femgericht Westfalens (Hamm 1825); Usener, Die Frei- und heimlichen Gerichte Westfalens (Frankf. 1832); Wächter, Beiträge zur Geschichte des deutschen Strafrechts (Tübing. 1845); Gaupp, Von Femgerichten mit besonderer Rücksicht auf Schlesien (Bresl. 1857); Geisberg, Die Fehme (Münster 1858); Kampschulte, Zur Geschichte des Mittelalters (Bonn 1864); Essellen, Die westfälischen Frei- oder Femgerichte (Schwerte 1877); O. Wächter, Vehmgerichte und Hexenprozesse (Stuttg. 1882).

Femina (lat.), Weib, Frau.

Feminalia (Femoralia, lat.), s. Fascia.

Femininum (lat.), Wort weiblichen Geschlechts (vgl. Genus); feminisieren, weiblich oder weibisch machen, für das weibliche Geschlecht zurecht machen.

Femme (franz., spr. famm), Frau, Weib; f. de chambre, Kammerfrau; f. de charge, Haushälterin, Beschließerin; f. de journée, Tagelöhnerin; f. de qualité, adlige Dame.

Femoral (lat.), den Oberschenkel (femur) betreffend.

Fen (Fun, spr. fön, Fan, Fahn), in China als Zahlwort 1/10; als Gewicht und Geld s. v. w. Candarin (s. d.); als Längenmaß = 0,1 Tsun = 0,01 Tschi; als Wegmaß = 1/60 Äquatorgrad.

Fenain (spr. f'näng), Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Douai, an der Nordbahn, mit bedeutender Flachsindustrie und (1876) 2456 Einw.

Fenchel (Foeniculum Adans.), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, ein- oder mehrjährige, kahle Kräuter mit mehrfach fiederteiligen Blättern mit faden- oder borstenförmigen Zipfeln, hüllenlosen Dolden und Döldchen, gelben Blüten und länglichen, im Querschnitt fast kreisrunden Früchten; drei bis vier Arten. Gemeiner F. (F. capillaceum Gilib., F. officinale All.), ein ausdauerndes Gewächs mit 1-2 m hohem, rundlichem, zart gerilltem, bereiftem, oberwärts ästigem Stengel, drei- und mehrfach sparrig geteilten Blättern, lineal-pfriemlichen, verlängerten Blattzipfeln und länglich-eiförmigen, 8 mm langen, bräunlichen, grünlichgelb längsstreifigen Früchten, findet sich an trocknen, steinigen Orten am Mittelmeer, in Frankreich, Südengland und Irland, am Kaukasus und den südkaspischen Gegenden, wird in gemäßigten Ländern, bei uns in Sachsen (zwischen Weißenfels und Lützen jährlich 12-20,000 kg Samen), Franken, Württemberg, auch in Böhmen, Mähren, Polen, kultiviert. Der F. gedeiht am besten auf leichtem Mittelboden, auch auf steinigen, sandigen Feldern und in sonniger Lage, liebt einen frischen Standort, erträgt frische Düngung und ist sehr empfindlich gegen Frost. Man zieht in Süddeutschland die jungen Pflanzen auf besondern Pflanzbeeten, versetzt sie im Juli, behandelt sie dann wie Kümmel und schneidet sie im Herbste. Die Wurzeln werden in kältern Gegenden mit strohigem Mist oder Laub gedeckt. In Mittel- und Norddeutschland zieht man im ersten Jahr die Fenchelwurzeln heran, überwintert diese in einer Grube zwischen Sand und verpflanzt sie im zweiten Jahr im Abstand von 30-35 cm. Die heranwachsenden Pflanzen werden behackt und behäufelt. Engerlinge und Frost im Herbst bringen den meisten Schaden. Der Same ist zwei- bis dreimal zu ernten, zuerst an den Hauptstengeln, dann an den Ästen, indem man die reifen Dolden sammelt und schließlich die Stengel mit der Sichel abschneidet. Die Dolden werden luftig getrocknet und dann gedroschen. Man erntet von einem Hektar 48 kg Samen und 96 kg Stengel. Letztere werden geschnitten, gebrüht und den Rindern und Schafen als Futter gegeben. Der Same ist wenig haltbar, doch behält er seine Keimfähigkeit zwei Jahre. Er ist offizinell, schmeckt süß gewürzig, anisartig, riecht angenehm aromatisch und enthält viel ätherisches Öl. Er regt den Appetit etwas an und wird als Carminativum und besonders als Hausmittel zur Beförderung der Milchabsonderung (mit sehr zweifelhaftem Erfolg) angewandt. In Tirol bäckt man F. in Brot. Man bereitet aus dem Samen ätherisches Öl und das Fenchelwasser. Aus Südfrankreich, Italien, Malta erhalten wir den römischen F. von dem einjährigen Foeniculum dulce Dec.; er ist 12 mm lang und oft stark gekrümmt, schmeckt etwas süßer und milder, wirkt aber wie unser F. Seine jungen, süßen Wurzeltriebe werden gegessen, ebenso die fleischige, fenchelartig riechende und schmeckende Wurzel von F. capense Thunb. (Fenchelwortel), am Kap. Die Früchte des beißenden Fenchels (F. piperitum Dec.), auf Sardinien, Sizilien und in Portugal, sind scharf gewürzhaft, fast beißend (Eselsfenchel). Der F. war den Alten wohl bekannt, Dioskorides gedenkt des als Zuspeise dienenden Krautes und der Früchte; bei uns fand er Verbreitung durch die Verordnungen Karls d. Gr. und wurde im Mittelalter mehr geschätzt als der Anis. Auch im alten chinesischen Kräuterbuch Pent'sa kommt der F. vor. Der sogen. Wasserfenchel gehört einer andern Gattung (s. Oenanthe) an.

Fenchelholz, s. Sassafras.

Fenchelöl, das durch Destillation mit Wasser aus Fenchelsamen gewonnene ätherische Öl (Ausbeute 3,7-4,5 Proz.), ist farblos oder gelblich, riecht aromatisch, schmeckt süßlich gewürzhaft, spez. Gew. 0,985-0,997, löst sich in 1-2 Teilen Weingeist von 90 Proz., wenig in Wasser, erstarrt bei 10°, altes Öl weniger leicht. Es besteht aus festem und flüssigem Anethol C10H12O^[C_{12}H_{12}O] und einem Kohlenwasserstoff. Es dient zu Likören, als blähungtreibendes Mittel und zur Beförderung der Milchabsonderung. Das bei der Destillation von Fenchelsamen mit Wasser erhaltene wässerige Destillat, Fenchelwasser (30 Teile von 1 Teil Samen), enthält wenig F. gelöst und wird als Augenwasser benutzt. Das Romershausensche Augenwasser enthält im wesentlichen einen an ätherischem Öl reichen, mit Wasser verdünnten Auszug von Fenchelsamen.

Fenchelwasser, s. Fenchelöl.

Fencibles (engl., spr. fénssibls), Küstenwehrmänner.

Fend und Fenderthal, s. Ötzthal.

Fendi, Peter, Maler, Zeichner und Kupferstecher, geb. 4. Sept. 1796 zu Wien, bildete sich auf der Akademie daselbst, wurde 1818 Zeichner und Kupferstecher bei dem kaiserlichen Münz- und Antikenkabinett, begleitete 1821 den Direktor v. Steinbüchel auf einer Kunstreise nach Venedig und erhielt hier für sein Gemälde der Berggrotte von Corgnole vom Kaiser die goldene Medaille. Im Sommer gingen beide nach Salzburg, um den dort ausgegrabenen römischen Mosaikboden zu zeichnen und nach Wien zu bringen. Viele Kunstgegenstände von Gold u. Silber im Münz- und Antikenkabinett zu Wien hat F. gezeichnet und