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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ferméntöle; Fermier; Fermo; Fermor; Fermoy; Fern; Fernambuco; Fernambukholz; Fernandez; Fernandez de los Rios

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Fermentöle - Fernandez de los Rios.

silberchlorid, Karbolsäure, töten alle F. Die organisierten F. ertragen nur die Gegenwart einer bestimmten Menge des von ihnen erzeugten Stoffes (z. B. von Alkohol) und sterben ab, wenn diese anderweitig vermehrt wird, während Ähnliches bei nicht organisierten Fermenten nicht vorkommt.

Ferméntöle, eigentümliche aromatisch oder widerlich riechende, flüchtige, sauerstoffhaltige Flüssigkeiten, die durch Maceration von Pflanzenteilen mit Wasser gebildet werden, in der lebenden Pflanze aber nicht enthalten sind. Sie bilden sich namentlich im Herbst, wenn das Laub von den Bäumen fällt und, am Boden befeuchtet, allmählich sich zersetzt. Der erfrischende Geruch im herbstlichen Eichwald wird von dem Fermentöl der Eichenblätter hervorgebracht. Hierher gehören auch die stark riechenden Substanzen, welche sich bei der Fäulnis der Äpfel und andrer Früchte, der Mandelkuchen, der Gerberlohe etc. bilden, ferner das ätherische Senföl und Bittermandelöl, auch wohl die Fuselöle. Die Natur dieser Körper und ihre Entstehungsweise sind noch wenig bekannt. Die Bildung des Bittermandelöls und Senföls gibt aber vielleicht einige Andeutungen über die betreffenden Prozesse.

Fermier (franz., spr. fermjeh), Pachter; F. général, Generalpachter, insbesondere der frühere französische Steuerpachter.

Fermo, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Ascoli-Piceno, liegt 7 km vom Adriatischen Meer entfernt, auf einer Anhöhe zwischen den Flüssen Tenna und Leta, hat alte Mauern, eine Kathedrale, ein Stadthaus mit römischen Inschriften und Antiquitäten, ein Lyceum, Gymnasium, Konvikt, Theater und (1881) 6692 Einw. F. ist seit 1589 Sitz eines Erzbischofs. Am Meer und an der Eisenbahn Ancona-Brindisi liegt der kleine Hafen von F., Porto San Giorgio, mit (1881) 3114 Einw., einem Seebad, Hauptzollamt und Ausfuhr von Getreide, Seide, Wolle. - F., der Geburtsort des Lactantius und Galeazzo Sforza, ist das alte Firmum, in der Landschaft Picenum, das als römische Kolonie zu Anfang des ersten Punischen Kriegs gegründet und 544 n. Chr. von Totilas erobert wurde. Im Mittelalter ward der Ort Sitz einer Mark (deren Geschichte s. Spoleto). Die alte Universität von F. war nie von Bedeutung und ist in neuester Zeit ganz aufgehoben worden.

Fermor, Wilhelm, Graf von, russ. General, geb. 28. Sept. 1704 zu Pleskow aus einer ursprünglich englischen Familie, trat 1720 in russische Kriegsdienste, zeichnete sich als Major bei der Belagerung von Danzig und 1736 gegen die Türken aus, ward im Januar 1740 Kommandant in Wiborg und nahm als solcher an allen Ereignissen des Kriegs in Finnland den lebhaftesten Anteil. Im J. 1746 zum Generalleutnannt ^[richtig: Generalleutnant] befördert, wurde er zugleich Vorsitzender der Baukanzlei und leitete den Bau des kaiserlichen Palastes zu Petersburg. Im J. 1751 wurde ihm das Generalkommando für Petersburg, Finnland und das nowgorodische Gouvernement übertragen; 1756 führte er als General en chef der Hauptarmee unter Apraxin ein Unterstützungskorps zu, erhielt 1758 den Oberbefehl über das russische Heer, nahm Thorn und Elbing und ward als Generalgouverneur von Preußen installiert. Bis an die Ufer der Oder vordringend, belagerte er Küstrin, als ihn Friedrich 25. Aug. bei Zorndorf überfiel, besiegte und zum Rückzug nach Polen und Preußen zwang. F. schrieb sich dessenungeachtet den Sieg zu und wurde von der Kaiserin in den Grafenstand erhoben. Bald aber zog er sich nach Polen zurück, legte den Oberbefehl nieder und focht als Korpsgeneral unter Soltykow in der Schlacht von Kunersdorf. Nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth (1762) entlassen, ward er von Katharina II. zum Generalgouverneur von Smolensk und Mitglied des Senats ernannt, zog sich aber 1768 auf sein Gut Nitau zurück, wo er 8. Febr. 1771 starb.

Fermoy, Stadt in der irischen Grafschaft Cork, am schiffbaren Blackwater gelegen, hat zwei große Kasernen (auf Anhöhen über der Stadt), ein katholisches Priesterseminar, eine Kutschenfabrik und (1881) 6454 Einw., welche lebhaften Produktenhandel treiben.

Fern (Fernpaß), schöner Gebirgspaß in Nordtirol, an der Wasserscheide des Inn und der Loisach (Isar), zwischen den Städten Imst und Reutte, mit fünf kleinen Seen geschmückt, in deren einem die Ruinen der Siegmundsburg. Unter der Paßhöhe (1239 m) die Burg Fernstein. Der Bezirk Reutte heißt im Volksmund "Außerfern" und wird im Gegensatz zu "Tirol" gebraucht.

Fern, Fanny, Pseudonym, s. Parton.

Fernambuco, Stadt, s. Pernambuco.

Fernambukholz, s. Rotholz.

Fernandez, 1) Lucas, span. Schauspieldichter des 16. Jahrh., aus Salamanca gebürtig, lebte kurz vor dem Portugiesen Gil Vicente und dem Spanier B. de Torres Naharro und war ein Schüler und Nachahmer des Juan del Encina. Seine Werke erschienen unter dem Titel: "Farsas y eglogas" (Salamanca 1514) und bestehen aus sechs dramatischen Schäferspielen im kastilischen Dialekt, wovon drei geistlichen Inhalts, die übrigen weltliche Hirtengespräche und dabei in einem so freien Ton geschrieben sind, daß das ganze Werk auf den Index der Inquisition kam und dadurch zu einer großen bibliographischen Seltenheit wurde. F. geriet in völlige Vergessenheit, bis B. J. ^[Bartolomé José] Gallardo, der ein Exemplar des seltenen Buches besaß, 1836 in dem Litteraturblatt "El Criticon" auf den Dichter wieder aufmerksam machte und Proben seiner Werke mitteilte. Eine Neuausgabe derselben besorgte D. Manoel Lañete (Madr. 1867).

2) Prospero, Präsident der Republik Costarica, geb. 18. Juli 1834 zu San José aus einer angesehenen Familie, welche der Republik zwei Präsidenten gegeben, Manuel F. und Francisco Maria de Oreamuno, erhielt seine Bildung auf der Universität Guatemala und kehrte 1852 in seine Vaterstadt zurück, um in das Militär einzutreten. Schon im folgenden Jahr marschierte er mit dem Heer nach Nicaragua, um den Flibustier William Walker zu bekämpfen, der, von den Vereinigten Staaten unterstützt, die zentralamerikanischen Staaten schwer bedrohte; diesen gelang es jedoch, ihn durch die Initiative Costaricas auf den Schlachtfeldern von Santa Rosa y Rivas und San Jacinto niederzuwerfen und durch die Wegnahme der Flibustierdampfer des Rio de San Juan und Lago de Nicaragua zur Kapitulation 1857 zu zwingen. In allen diesen Kämpfen zeichnete sich F. durch große Bravour aus und stieg vom Hauptmann während des Kriegs bis zum Divisionsgeneral. Eine Zeitlang war er Gouverneur der Provinz Alajuela und 1881 Höchstkommandierender der Truppen der Republik, bis er 10. Aug. 1882 durch die fast einstimmige Wahl der Nation zum Präsidenten ernannt wurde. Sofort erließ er eine allgemeine politische Amnestie, führte große Reformen namentlich in der Verwaltung ein und brach mit dem Nepotismus, der im ganzen Staatswesen geherrscht. 1885 trat er von sinem ^[richtig: seinem] Posten zurück.

Fernandez de los Rios, Angelo, span. Politiker und Schriftsteller, geb. 27. Juli 1821 zu Madrid, studierte daselbst die Rechte und wurde seit 1854 wie-^[folgende Seite]