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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fernan Nuñez; Ferndorf; Fernemesser; Ferner; Ferney; Fernglas; Fernkorn; Fernow

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Fernan Nuñez - Fernow.

rohr, Baumwolle, Chinarinde, Reis, Indigo, Zimt, Vanille und Ananas gedeihen vortrefflich. Es gibt schöne Viehherden, und das Meer ist sehr fischreich. Der einzige Ausfuhrartikel ist Palmöl. Die Einwohner, deren Zahl auf 20,000 Köpfe angegeben wird, sind fast ausschließlich Eingeborne vom Stamm der Anija (von den Engländern Bubies genannt), der durch die gelbe Hautfarbe, das leicht gekräuselte Haar und den schönen Gesichtswinkel völlig von den negerartigen Bewohnern Guineas verschieden ist und sich durch einen muskulösen, dabei wohlgebildeten Körperbau auszeichnet. Auf dem Kopf tragen sie ein in Narben bestehendes Stammesabzeichen. Sie gehören zu den Bantuvölkern und leben, in völliger Unabhängigkeit von der spanischen Kolonie, unter eignen Königen in dem bergigen, schwer zugänglichen Binnenland. Ihre Sprache ist die nördlichste Sprache der westlichen Abteilung des großen Bantusprachstammes (Grammatik von Clarke, Berwick 1848). Christianisierungsversuche englischer Baptisten und Presbyterianer sowie spanischer Katholiken sind beinahe ganz resultatlos verlaufen. Alle Versuche von seiten der Spanier, die Insel zu kolonisieren, sind teils an der Gefährlichkeit des Klimas (an der Küste), teils an dem Widerstand der Bewohner gescheitert, so daß heute nur noch eine unbedeutende Flottenstation die spanische Flagge repräsentiert. Der einzige nennenswerte Ort ist das von den Briten am Clarence Cove gegründete Clarencetown, jetzt Santa Isabel genannt, in welcher die spanischen Kolonisten (1013 Neger und Mulatten und 93 Weiße), der Gouverneur und die übrigen Beamten wohnen. Die Verwaltungskosten betragen 280,000 Mk. jährlich. - Die Insel wurde 1469, nach andern 1471 oder 1486, von dem Portugiesen Fernão do Po entdeckt, der sie Formosa (die Schöne) nannte; Portugal gründete auf der Ostküste eine Ansiedelung, trat die Insel aber 1778 an Spanien ab. Doch schon nach drei Jahren verließen die letzten spanischen Kolonisten die Insel, die ganz in Vergessenheit geriet, bis England 1827 mit der Zustimmung Spaniens die Niederlassung Clarencetown errichtete, aber 1845, als Spanien die Insel reklamierte, sich wieder zurückzog. Die Spanier suchten nunmehr die Insel zu kolonisieren, doch scheiterte dieser Versuch an der Ungesundheit des Klimas. England und die Vereinigten Staaten haben Kohlenstationen in Santa Isabel; 1882 erwarb auch Deutschland das Recht zur Anlage einer solchen an der von den Spaniern Carboneras, von den Engländern Gravinas genannten Bucht, die nur durch ein schmales Vorgebirge von der Hauptstadt getrennt wird. Vgl. San Javier, Tres años en Fernando Póo (Madr. 1875). S. Karte "Guinea".

Fernan Nuñez (spr. nunnjeds), Stadt in der span. Provinz Cordova, 25 km südlich von Cordova, in fruchtbarer Gegend, mit Schloß der Herzöge von F. und (1878) 5138 Einw.

Ferndorf, ein rechter Nebenfluß der Sieg im westfälischen Kreise Siegen, durchströmt ein ziemlich breites, sehr industriereiches Thal, durch welches die Ruhr-Siegbahn führt, nimmt den Müsener Bach auf und mündet 3 km nördlich von Siegen bei Weidenau. In dem Thal reiht sich von Haardt bei Siegen aufwärts ein Eisenwerk an das andre bis Dahlbruch, wo der Müsener Bach mündet, indem die F. gerade in diesem Teil ihres Laufs die reichen, durch große Stollen aufgeschlossenen Eisenerzlager des Schiefergebirges durchschneidet (s. Deutschland, S. 826).

Fernemesser (Telemeter), s. Distanzmesser.

Ferner, s. Firn und Gletscher.

Ferney (spr. -nä, auch Ferney-Voltaire), Flecken im franz. Departement Ain, Arrondissement Gex, an der Schweizer Grenze, 4 km vom Genfer See, mit (1876) 1005 Einw., ist besonders durch Voltaire, den "Philosophen von F.", berühmt, der 1761 die Herrschaft (la seigneurie de F.) käuflich an sich brachte und das Schloß, das noch einige Andenken an ihn bewahrt, bis zu seinem Tod 1778 bewohnte. Er suchte in F. namentlich die Uhrenfabrikation durch geschickte Arbeiter, die er aus Genf dahin zog, in Aufnahme zu bringen und ließ eine Kapelle erbauen mit der Inschrift: "Deo erexit Voltaire, 1761".

Fernglas, s. v. w. Fernrohr.

Fernkorn, Anton Dominikus, Bildhauer und Erzgießer, geb. 17. März 1813 zu Erfurt, bildete sich in München unter Stiglmayer sowie im Atelier Schwanthalers, siedelte 1840 nach Wien über und bekundete hier durch die überlebensgroße Statue St. Georgs (für den Grafen Montenuovo, s. Tafel "Bildhauerkunst VIII", Fig. 6) sein bedeutendes Talent für die Plastik. Infolgedessen erhielt er den Auftrag zu einem kolossalen Reiterdenkmal des Erzherzogs Karl, welches seit 1860 den Burgplatz zu Wien ziert. Das Seitenstück dazu, das Reiterbild des Prinzen Eugen, vollendete F. 1864. Er fertigte auch die Modelle zu sechs von den acht Sandsteinbildern der im Dom zu Speier begrabenen deutschen Kaiser, den Löwen von Aspern, das Jellachich-Monument für Agram, die zierlichen Figuren für den Brunnen am Börsengebäude zu Wien und das Denkmal Joseph Ressels, des Erfinders der Schiffsschraube, daselbst (1863). Die zum Guß des Karl-Monuments in Wien eingerichtete kaiserliche Erzgießerei leitete F. längere Jahre, bis er dem Irrsinn verfiel. Er starb 16. Nov. 1878 in Wien. Fernkorns Schöpfungen sind genial erfunden, überschreiten indes oft die Grenze plastischer Formenbildung.

Fernow, Karl Ludwig, Kunstschriftsteller, geb. 19. Nov. 1763 zu Blumenhagen in der Ukermark, war erst Schreiber in Pasewalk, dann Lehrling in einer Apotheke zu Anklam und begab sich von da nach Lübeck, wo er sich neben seinen pharmazeutischen Geschäften der Malerei und Dichtkunst widmete und die Bekanntschaft von Carstens machte, mit welchem er später in Rom innige Freundschaft schloß. Seine damaligen Gedichte, von denen mehrere in Matthissons "Lyrischer Anthologie" und in Haugs und Weißes "Epigrammatischer Anthologie" Aufnahme fanden, zeichnen sich durch eine klare und anmutige Diktion aus. Im Frühjahr 1788 begab er sich nach Ratzeburg, wo er sich durch Porträtzeichnen und Unterricht im Zeichnen seinen Unterhalt erwarb, sodann nach Weimar und Jena, von wo ihn Baggesen mit nach Italien nahm. In Rom begann er seit 1794 die Theorie und Geschichte der Kunst sowie die Sprache und die Dichter Italiens zu studieren. Er hielt auch Vorlesungen über Philosophie und Litteratur. Carstens vermachte ihm seinen künstlerischen Nachlaß, den F. später auf Antrieb Goethes an den Herzog Karl August von Sachsen-Weimar verkaufte. Im J. 1802 nach Deutschland zurückgekehrt, ward er außerordentlicher Professor der Philosophie zu Jena und 1804 Bibliothekar bei der verwitweten Herzogin zu Weimar, wo er 4. Dez. 1808 starb. Er schrieb unter anderm: "Römische Studien" (Zür. 1806-1808, 3 Bde.); "Leben des Künstlers Carstens" (Leipz. 1806; neu hrsg. und ergänzt von H. Riegel, Hannov. 1867); "Über den Bildhauer Canova und dessen Werke" (Zür. 1806); "Ariostos, des göttlichen, Lebenslauf" (das. 1809); "Francesco Petrarca" (hrsg. von Hain, Leipz.