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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Feu lorrain; Feuillette; Feuquières; Feuriger Schwaden; Feurs; Féval

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Feuillette - Féval.

stellern, welche wesentlich für das F. einer Zeitung schreiben) seien Fr. Sarcey, P. de Saint-Victor, Alb. Wolff, Jul. Claretie, A. Scholl hervorgehoben. Das F. der meisten deutschen Zeitungen beschränkt sich auf die Veröffentlichung von Romanen und Novellen, auf populärwissenschaftliche Aufsätze, auf litterarische, Kunst- und Theaterkritiken und auf Kunstnotizen. Diese vorwiegend kritische Richtung, bisweilen mit humoristischer oder sarkastischer Färbung, wurde dem deutschen F. vornehmlich durch E. Kossak (1814-76) und A. Glaßbrenner (1810-80) gegeben. Unter den deutschen feuilletonistischen Kritikern der Gegenwart haben sich besonders K. Frenzel, P. Lindau, L. Pietsch, F. Groß, O. Banck sowie die Humoristen Eckstein, Stettenheim, Trojan, Dohm einen Namen gemacht. Bei der zum Teil wissenschaftlichen Färbung der kritischen Aufsätze streift das F. oft an den Essay (s. d.). Größere Pflege als in Deutschland wird dem F. im eigentlichen Sinn, d. h. der leichten, geistreichen Plauderei. Über Tagesereignisse auf allen Gebieten des geistigen Lebens, in Österreich (Wien) zu teil, wo eine Reihe hervorragender Talente, wie D. Spitzer, Speidel, Wittmann, Uhl, K. E. Franzos, W. Goldbaum, Schlögl, S. Schlesinger, J. ^[Johann] Nordmann, E. Hanslick, zum Teil in Anschluß an die Theater- und Musikkritik, auf diesem Gebiet thätig sind. Vgl. E. Eckstein, Beiträge zur Geschichte des Feuilletons (Leipz. 1876); F. Groß, Das Wiener F. (in "Nichtig und flüchtige Geschichten und Skizzen", das. 1880).

Feuillette (spr. föjett), altfranz. Weinmaß, im Kleinhandel 134,11, im Großhandel 136,974, in Bordeaux 136,8 Lit. haltend.

Feu lorrain (spr. föh lorräng), s. Feuer, flüssiges.

Feuquières (spr. fökjähr), 1) Manassès de Pas, Marquis von, franz. Feldherr unter Ludwig XIII., geb. 1. Juni 1590 zu Saumur, trat in seinem 13. Jahr in Kriegsdienst, machte als Maréchal de Camp acht Feldzüge mit und wurde Generalleutnant. Bei der Belagerung von La Rochelle gefangen, trug er durch seine Vorstellungen viel zur Übergabe des Platzes bei. Nach dem Tod Gustav Adolfs 1632 ging er als Gesandter nach Deutschland und brachte ein engeres Bündnis zwischen Schweden und Frankreich zu stande. 1636 wurde er Statthalter der Stadt und Provinz Verdun, und im folgenden Jahr führte er mit dem Herzog Bernhard von Weimar den Oberbefehl über die gegen die Kaiserlichen operierenden französischen Truppen. 1639 belagerte er Diedenhofen und leistete dem mit Übermacht herbeirückenden kaiserlichen General Piccolomini hartnäckigen Widerstand, geriet aber hier in Gefangenschaft und starb an seinen Wunden 13. Mai 1640. Er schrieb: "Lettres et négociations d'Allemagne en 1633 et 1634" (Par. 1753, 3 Bde.).

2) Isaac de, franz. General, Sohn des vorigen, diente erst in der Armee, ward 1660 Vizekönig in Mexiko, dann zu diplomatischen Sendungen verwendet und bewirkte 1674 den Einfall der Schweden in Deutschland zu gunsten Frankreichs. Er starb 6. März 1680 als Gesandter in Madrid. E. Gallois veröffentlichte "Lettres inédites" (Par. 1845-47, 5 Bde.).

3) Antoine de Pas, Marquis von, Sohn des vorigen, geb. 16. April 1648 zu Paris, trat in seinem 18. Jahr in das Regiment des Königs, machte den Feldzug von 1667, dann die von 1672 bis 1673 als Adjutant des Marschalls von Luxembourg mit, zeichnete sich sodann unter Turenne und Créqui, namentlich bei der Eroberung von Bouchain, aus und verteidigte in der Schlacht bei St.-Denis 1678 das königliche Hauptquartier gegen die Engländer. 1689 zum Generalmajor befördert, bekämpfte er in Piemont die aufrührerischen Waldenser, verteidigte, 1691 zur Armee in Deutschland versetzt, Speyerbach gegen eine große Übermacht, wurde 1693 Generalleutnant und trug wesentlich zu dem Sieg bei Neerwinden (29. Juli 1693) bei. Da er durch seinen anmaßenden und selbstsüchtigen Charakter sich viele Feinde gemacht hatte, blieb er seit dem Ryswyker Frieden (1697) ohne Kommando; starb 27. Jan. 1711 in Paris. Seine "Mémoires sur la guerre" (Par. 1770, 4 Bde.; deutsch, Berl. 1786) sind eine für die Kriegsgeschichte jener Zeit wichtige Quelle.

Feuriger Schwaden, s. Schlagende Wetter.

Feurs (spr. för), Stadt im franz. Departement Loire, Arrondissement Montbrison, an der Loire und der Eisenbahn Roanne-St.-Etienne, mit einer gotischen Kirche (12. Jahrh.), vielen antiken Bauresten, einer eisenhaltigen Quelle (17° C.) und (1876) 2695 Einw. - F., das römische Forum Segusiavorum, war bis 1441 Hauptstadt der Grafschaft Forez. In F. wurde 1452 der Friede zwischen Karl VII. und dem Herzog von Savoyen geschlossen.

Féval (spr. fewall), Paul, franz. Romanschriftsteller, geb. 27. Sept. 1817 zu Rennes, widmete sich dem Advokatenberuf, gab diesen aber nach dem ersten Prozeß, den er geführt hatte, auf und ging nach Paris, um hier auf litterarischem Feld sein Glück zu versuchen. Nach mancherlei Enttäuschungen und Schwierigkeiten veröffentlichte er 1841 in der "Revue de Paris" seinen ersten Roman: "Le club des Phoques", auf welchen bald die "Chevaliers du firmament", dann im "Courrier français" der "Loup blanc" (1843) und unter dem Pseudonym Francis Trollope die "Mystères de Londres" (1844) folgten, die durch ihren spannenden und aufregenden Inhalt die Lesewelt kaum minder als Sues "Geheimnisse von Paris" in Bewegung setzten und dem Verfasser die Spalten aller Journale öffneten. Es folgten zunächst: "Le fils du diable" (1847), "Quittance de minuit" und "Les amours de Paris" (1847); dann, nachdem er 1848 als guter Bretone gegen die Republik gekämpft hatte, eine wahre Flut von Romanen (gewöhnlich vier zugleich in vier verschiedenen Zeitungen), Erzeugnisse einer überreichen Phantasie und leichten Darstellungsgabe, die wohl häufig ins Flüchtige, aber nur selten in das ganz Banale und Seichte ausarteten. Wir nennen davon: "Frère Tranquille", "Le Bossu", "Les nuits de Paris", "Les puritains d'Écosse", "Les mousquetaires du roi", "Le bonhomme Jacques", "Cotillon III", "Mauvais cœur" (sämtlich auch dramatisiert und aufgeführt, darunter der "Bossu" mit ungeheurem Erfolg); ferner: "Alizia Pauli", "Mad. Gilblas", "Les tueurs de tigres", "Les habits noirs", "Roger Rontemps", "Le capitaine Fantôme", "Maman Leo", "L'avaleur de sabres", "La reine des épées", "Contes bretons", "La rue de Jérusalem", "L'hôtel Carnavalet", "L'homme du gaz", "La tache rouge", "Premières aventures de Corentin Quimper" u. a. (durchgängig auch in die meisten fremden Sprachen übersetzt). Seit den 70er Jahren hatte sich der bis dahin ziemlich weltlich gesinnte Dichtender inzwischen Präsident der Société des gens de lettres und Vizepräsident der Gesellschaft der Theaterdichter geworden war, mit schwärmerischer Begeisterung dem Ultramontanismus in die Arme geworfen. Schriften aus dieser letzten Periode sind: "Les Jésuites" (1877); "Les étapes d'une conversion" (1877); "Les merveilles du Mont St-Michel" (1879); "Pas de divorce!" (1880); "La première communion" (1880) u. a.