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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Filibé - Filippi.

(la recherche de la paternité est interdite). Filiationsprobe, Teil der Ahnenprobe (s. Ahnen), nämlich die Nachweisung der ununterbrochenen Reihenfolge der Ahnen vom Stammhalter oder Gründer einer Seitenlinie, der kirchlichen und bürgerlichen Rechtmäßigkeit der aufgeführten Ehen und im engern Sinn der wirklichen ehelichen Abkunft der betreffenden Person. Die zu diesem Zweck beigefügte urkundliche Nachweisung ist der Filiationstext.

Filibé, Stadt, s. Philippopel.

Filibedschik, Dorf im türk. Wilajet Salonichi, in höchst fruchtbarer, zum Teil sumpfiger Ebene, steht auf den Trümmern des alten festen Philippi (s. d.).

Filicaja, Vincenzo da, ital. Dichter, geb. 30. Dez. 1642 zu Florenz, studirte hier und in Pisa und lebte dann im Genuß glücklicher Familienverhältnisse nur seinen Studien und der Dichtkunst. Frei von allem Ehrgeiz, veröffentlichte er lange Zeit nichts von seinen Gedichten; erst seine schönen Oden auf die Befreiung Wiens (1684) machten ihn sofort in und außerhalb Italiens hochberühmt und erwarben ihm die schmeichelhaftesten Beweise von Anerkennung seitens des Kaisers Leopold und des Königs Johann Sobieski. Auch die damals in Rom lebende Königin Christine von Schweden, zu deren Lob er eine schwungvolle Ode geschrieben hatte, gehörte zu seinen Bewunderern, versprach, da des Dichters Verhältnisse beschränkt waren, seine Kinder erziehen zu lassen, und ernannte ihn zum Mitglied ihrer neugestifteten Akademie. In den letzten Jahren seines Lebens ernannte ihn der Großherzog von Toscana zum Senator und zum Gouverneur von Volterra und von Pisa, in welchen Stellungen er sich die allgemeine Liebe seiner Untergebenen erwarb. Er starb 25. Sept. 1707. Durch Tiefe und Adel der Gedanken, Schönheit des Ausdrucks und Harmonie des Versbaues gehört F. zu den ersten italienischen Lyrikern. Von seinen Gedichten ist nächst seiner Ode auf Sobieski besonders berühmt sein Sonett auf Italien ("Italia, Italia, o tu cui feo la sorte"). Eine Sammlung seiner Werke unter dem Titel: "Poesie toscane" erschien, von seinem Sohn Scipio F. herausgegeben, Florenz 1707; Venedig 1762, 2 Bde.; Livorno 1781, 2 Bde.; Prato 1793 u. öfter. Eine neue Ausgabe seiner "Poesie e lettere" besorgte Amico (Flor. 1864).

Filices (lat.), Farnkräuter, Farne.

Filicinae (farnartige Gewächse), kryptogame Pflanzenklasse unter den Gefäßkryptogamen, umfaßt sporenerzeugende Gewächse mit deutlichen Gefäßbündeln und meist reichverzweigten Blättern, die auf ihrer Unterseite oder im Innern umgewandelter Blattabschnitte Sporangien mit einerlei oder zweierlei Sporen erzeugen. Hiernach zerfallen sie in die Abteilungen der gleichsporigen (Isosporeae) und ungleichsporigen (Heterosporeae) Filicinen; erstere besitzen nur gleichartige Sporen, welche bei der Keimung selbständige, große, meist monözische Vorkeime entwickeln, und umfassen die Ordnungen der Filices, Marattiaceae und Ophioglossaceae. Die heterosporen Filices oder Rhizocarpeae (Wurzelfrüchtler) haben dagegen zweierlei Sporen, kleinere Mikrosporen, die in einem rudimentären Vorkeim die Antheridien oder direkt Spermatozoiden erzeugen, und große Makrosporen, in welchen sich ein kleiner, mit der Spore in Verbindung bleibender weiblicher, d. h. Archegonien tragender, Vorkeim entwickelt. Dahin gehören die Marsiliaceen und die Salviniaceen. Die F. bilden mit den Equisetinen und den Lykopodinen zusammen die große Hauptabteilung der Gefäßkryptogamen.

Filicuri, s. Liparische Inseln.

Filieren (franz.), zu Fäden ausziehen, spinnen, zwirnen (z. B. in der Seidenfabrikation); beim Gesang (ital. filar il tuono, franz. filer le son) s. v. w. den Ton andauernd gleichmäßig ausströmen lassen, ungefähr identisch mit metter la voce (messa di voce), nur daß bei letzterm gewöhnlich ein Crescendo und Diminuendo mitverstanden wird.

Filiform (lat.), fadenförmig.

Filigran (ital. Filigrána, franz. Filigrane, v. lat. filum-granum, "Korn-Faden", Filigranarbeit), Zieraten, Schmuck- und Kunstsachen aus feinen, auf verschiedene Art gebogenen und zusammengelöteten Gold-, Silber-, versilberten Kupfer-, Eisendrähten, meist Laubwerk, Arabesken etc. darstellend. Besonders geschätzt ist römische und florentinische Filigranarbeit. In neuester Zeit sieht man auch häufig norwegische Filigranarbeit und das "Fer de Berlin". Die Funde von Schmucksachen in Italien, auf der Krim etc. beweisen, wie hochgeschätzt das F. im Altertum war, und welche Vollkommenheit in der Behandlung desselben die Goldschmiede damals erreicht hatten. Neben den auf Metallstücken aufgelöteten Fäden findet man an griechisch-römischen Schmuckarbeiten auch feine Goldkörner zur Herstellung eines matt glänzenden Grundes angewandt. Auch die Kelten brachten F. in Verbindung mit Steinen und Glasfluß zur Anwendung. Die höchste Ausbildung erlangte das F. in China und Indien, wo man Gold- und Silberfäden von außerordentlicher Dünnheit verarbeitet und das F. auch zur Fassung von Raritäten und kleinen Schmuckgegenständen verwendet. Die Goldschmiedekunst des Mittelalters, namentlich der byzantinischen und romanischen Periode, bediente sich ebenfalls gern der aufgelöteten Drähte. Von daher hat sich die Technik in vielen Gegenden als Hausindustrie erhalten, so bei den Türken und den slawischen Völkern der Türkei, in Norwegen; in deutschen Gebirgsländern (z. B. Salzburg) und in Italien (Genua) macht man die zierlichsten Schmucksachen in durchbrochener Arbeit, also ohne Metallunterlage, namentlich Blattwerk, welches gitterartig aus den feinsten Drähten zusammengesetzt ist. In diesem Fall sind die Drähte nicht eingekerbt oder gekörnt, was bei den aufgelöteten Filigranornamenten die Regel bildet und vielleicht den Namen am einfachsten erklärt. In der Papierfabrikation kommt F. in dem korrumpierten Filagramm (s. d.) vor. - Filigranist, Filigranarbeiter; filigranisieren, Filigranarbeit machen.

Filigrangläser, s. Millefiori.

Filigranpapier, Luxuspapier mit geprägten zarten netzförmigen Mustern.

Filiolität (lat.), Sohnschaft, Ehrentitel, welchen Päpste und Konzile einzelnen katholischen Fürsten beizulegen pflegten.

Filipepi, Alessandro, Maler, s. Botticelli.

Filippi, 1) Sebastiano, ital. Maler, genannt Bastianino, geb. 1532 zu Ferrara, gest. 1602 in seiner Vaterstadt. Er war ein Schüler Michelangelos zu Rom. Sein Hauptbild in der Kathedrale zu Ferrara, das Jüngste Gericht, hat manche großartige Züge, die von verständnisvollem Eindringen in den Geist Michelangelos zeugen, in der Komposition aber nichtsdestoweniger die Originalität bewahren. In manchen Figuren wird bei ihm freilich, was bei dem Meister großartig ist, plump und ungeschlacht; auch liebt er ein unwahres Rotbraun als Fleischton.

2) Filippo de, ital. Reisender und Naturforscher, geb. 1814 zu Mailand, war längere Zeit Professor der Zoologie in Turin, machte später (1862) eine wis-^[folgende Seite]