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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fistelstimme - Fitting.

rungsprodukte dienen, welche sich in der Tiefe, etwa an einem kariösen Knochen u. dgl., gebildet haben. Sie heißen dann auch unvollkommene oder blinde Fisteln. Liegt ihre Öffnung auf der äußern Haut, so heißt sie äußere unvollkommene F.; liegt sie dagegen auf einer Schleimhaut (z. B. des Mastdarms), so nennt man sie innere unvollkommene F. Vollkommene Fisteln dagegen sind Kanäle, welche stets zwei Öffnungen haben, nämlich eine auf der äußern Haut und eine auf der Schleimhaut (z. B. vollkommene Mastdarmfistel). Manche Fisteln dieser Art sind verzweigt und haben mehr als zwei Öffnungen nach einer Richtung hin. Oder es sind

2) sogen. Kommunikationsfisteln, d. h. abnorme Öffnungen, durch welche zwei nebeneinander liegende, mit Schleimhaut ausgekleidete Höhlen in abnormer Verbindung stehen und der Inhalt einer Höhle in die andre und umgekehrt übertreten kann. Hierher gehören die bei Frauen häufig vorkommenden Blasenscheiden- und Scheidenmastdarmfisteln u. a.

3) In seltenen Fällen sind sie angeboren und haben die Bedeutung sogen. Hemmungsbildungen, z. B. die angeborne Halsfistel. Meistens sind die Fisteln erworbene Krankheiten, sie entstehen durch Eröffnung eines Drüsenausführungsganges infolge einer Verwundung, oder weil der aus irgend einem Grund übermäßig ausgedehnte Drüsenausführungsgang einreißt, indem ein Absceß in denselben ein- oder ein Geschwür innerhalb des Ganges nach außen durchbricht. Die Kommunikationsfisteln entstehen durch gewaltsames Einreißen (z. B. der Geburtswege bei der Entbindung), durch Verwundung oder Verschwärung der zwischen zwei benachbarten Schleimhauthöhlen liegenden Wand, wobei der Eiter sich einen abnormen Weg bahnt. Die Heilung ist oft sehr schwierig und kann nur durch ein kompliziertes chirurgisches Verfahren erreicht werden, z. B. dadurch, daß man die Fistelränder mit dem Messer abträgt und die frischen Wundränder durch die Naht vereinigt. Hierüber s. das Nähere bei den einzelnen Formen der Fisteln. Sogen. blinde Fisteln heilen nur, wenn der ihnen zu Grunde liegende Krankheitsherd, z. B. die Karies eines Knochens, zuvor beseitigt worden ist.

Fistelstimme (Fistel), s. Falsett.

Fistula (lat.), Röhre, Rohrpfeife; bei den mittelalterlichen Schriftstellern gewöhnliche Bezeichnung für Orgelpfeife. Fistulieren (fisteln), mit der Fistelstimme oder durch die Fistel singen (s. Falsett).

Fistula eucharistiae (Canna, Siphon, Pipa, lat.), eine Art von Trinkröhre, deren man sich in der römischen Kirche beim Genuß des Abendmahlsweins, um nichts davon zu verschütten, vom 8. Jahrh. bis zur Kelchentziehung im 12. und 13. Jahrh. bediente, während bei den Griechen ein Löffel im Gebrauch ist.

Fistulina Bull (Leberpilz), Pilzgattung der Unterordnung der Hymenomyceten, mit einem auf der Unterseite des hutförmigen Fruchtträgers befindlichen, aus Röhren bestehenden Hymenium, welche im Unterschied von Polyporus und Roletus mit der Substanz des Huts verwachsen sind. Der gemeine Leberpilz oder Zungenpilz (F. hepatica Fr.) hat einen nur mit einem kurzen, an der Seite stehenden Stiel versehenen Hut von 31 cm Durchmesser, der an Gestalt einer Leber oder auch einer Rindszunge gleicht, ist fleischig-saftig, oben feucht oder klebrig, rotbraun, innen rot gefleckt und weiß gestreift; zur Reifezeit tropft sein Schleim in blutfarbigen Tropfen ab (Blutschwamm). Er wächst häufig im Herbst an Stämmen verschiedener Laubbäume, riecht angenehm, schmeckt säuerlich und ist eßbar.

Fit (engl., "tauglich, fertig"), in der Turfsprache Bezeichnung für den Zustand eines Pferdes, den es durch gutes Trainieren erlangt, und der es zum "Rennen" befähigt (f. to run).

Fitchburg (spr. fitsch-), blühende Fabrikstadt im nordamerikan. Staat Massachusetts, Grafschaft Worcester, am Nashuafluß, mit einem Rathaus, Gerichtshof, Papier-, Baumwoll-, Dampfmaschinen-, Eisenwaren-, Pianoforte- u. andern Fabriken u. (1880) 12,429 Einw.

Fitero, Stadt in der span. Provinz Navarra, am Fluß Alhama, mit starken Salinen, bequemen Badeeinrichtungen und (1878) 3013 Einw.

Fit fabricando faber (lat.), durch Schmieden wird man ein Schmied, d. h. übung macht den Meister.

Fitger, Arthur, Maler und Dichter, geb. 4. Okt. 1840 zu Delmenhorst im Oldenburgischen, begab sich 1858 auf die Akademie zu München, 1861 nach Antwerpen und dann nach Paris. In den Jahren 1863-65 hielt er sich in Rom auf, und nachdem er in den folgenden Jahren abwechselnd in Wien und Berlin gelebt, nahm er 1869 seinen festen Wohnsitz in Bremen. Fitgers Malereien sind wesentlich dekorativer und monumentaler Art und gehören zum großen Teil dem phantastischen Gebiet an; wir heben unter anderm einen launigen Kinderfries, den Stoffwechsel darstellend, sowie einen Fries: die Nacht und ihr Gefolge, hervor, beide in einem Schloß in Ostfriesland. In Bremen dekorierte er die Rembertikirche mit zwei Darstellungen: der verlorne Sohn und der barmherzige Samariter, die Börse mit auf das Meer bezüglichen Allegorien, das Seefahrtshaus und das Reichspostgebäude. Von Staffeleigemälden ist Barbarossas Erwachen, wozu ihn das Kriegsjahr 1870 anregte, in weitern Kreisen bekannt geworden; 1875 wurde ihm die Ausschmückung des Ratskellers mit Wandgemälden übertragen. 1883-1884 hat er in der Kunsthalle in Hamburg große Wandgemälde ausgeführt. Ursprünglich von Cornelius und Genelli ausgehend, hat er sich später der modernen koloristischen Richtung angeschlossen und wetteifert in dem Aufwand von Farben bisweilen mit Makart. F. pflegt zugleich auch die Dichtkunst und hat sich auf diesem Gebiet in weiten Kreisen bekannt gemacht. Seine Schauspiele: "Adalbert von Bremen" (Oldenb. 1873; 2. Ausg. mit dem Nachspiel "Hie Reich! Hie Rom!", 1875), "Die Hexe" (das. 1878, 4. Aufl. 1885), "Von Gottes Gnaden" (2. Aufl., das. 1884) sind häufig aufgeführt worden. Auch hat er für den Bremer Künstlerverein mehrere Festspiele ("Albrecht Dürer", "Johann Kepler" und "Michelangelo") sowie das kleine epische Gedicht "Roland und die Rose" (1871) verfaßt. Am wertvollsten sind seine an frischen Tönen reichen Gedichtsammlungen: "Fahrendes Volk" (2. Aufl., Oldenb. 1883) und "Winternächte" (das. 1880).

Fitis, s. Laubsänger.

Fitting, Hermann Heinrich, verdienter Romanist, geb. 27. Aug. 1831 in dem Dorf Mauchenheim in der bayrischen Rheinpfalz, studierte 1848-52 auf den Universitäten Würzburg, Heidelberg (unter Vangerow) und Erlangen, wo er 1852 zum Doktor der Rechte promoviert ward und seine Inauguraldissertation "Über den Begriff von Haupt- und Gegenbeweis und verwandte Fragen" (Erlang. 1853) veröffentlichte. Nachdem er 1852-54 die bayrische Verwaltungs- und Justizpraxis durchgemacht und 1855 mehrere Monate in Paris verlebt hatte, um auch die französische Prozeßpraxis kennen zu lernen, habilitierte er sich 1856 mit der Schrift "Über den Begriff der Rückziehung" (Erlang. 1856) zu Heidelberg