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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Flintshiresteine - Flöhe.

von 556 m erreichen. Außer dem Dee verdient nur noch der Clwyd Erwähnung. Von der Oberfläche bestehen 31 Proz. aus Ackerland, 44 Proz. sind Wiesen und Weiden, 4½ Proz. Wald. An Vieh zählte man 1885: 5694 Pferde, 32,130 Rinder, 59,884 Schafe und 14,734 Schweine. Der Bergbau (namentlich auf Kohlen und Blei) ist von Bedeutung und beschäftigte 1881: 3315 Menschen, dagegen ist die Industrie von untergeordnetem Wert. Hauptstadt ist Mold.

Flintshiresteine, s. Mauersteine.

Flinz, s. v. w. Spateisenstein.

Flinz (Flins, Flynis), altwend. Gott der winterlichen Erstarrung der Erde und des Wiederauflebens derselben im Frühling, der vorzüglich in der heutigen Lausitz verehrt wurde: eine nackte, todähnliche Gestalt mit einem Löwen auf dem Haupt, einer herabhängenden Tierhaut auf den Schultern und einem langen, oben in eine brennende Fackel auslaufenden Stab in der Hand. Sein Bild, das beim Dorf Öhna in der Nähe von Bautzen an einer steilen Stelle des Spreeufers weithin sichtbar errichtet war, wurde durch Kaiser Lothar II. 1126 zerstört.

Flitsch, Marktflecken in der österreich. Grafschaft Görz, Bezirkshauptmannschaft Tolmein, am Isonzo und an der zum Predilpaß führenden Straße, in unfruchtbarer, steiniger Gegend, hat ein Bezirksgericht und (1880) 1379 Einw. Oberhalb liegt die großartige Thalschlucht Flitscher Klause, berühmt durch die Verteidigung der Österreicher gegen die Franzosen 1809.

Flitter, kleine, dünne Metallblättchen, aus Gold- und Silberblech oder aus Flittergold gefertigt, mit einem Loch in der Mitte, werden zum Putz aufgenäht und sollen zuerst aus den französischen Gold- und Silberfabriken gekommen, zu Anfang des 18. Jahrh. aber besonders in Nürnberg nachgeahmt worden sein. Sie werden mit dem Flitterstempel aus dem Blech geschlagen und stellen meist Blätter, Blumen, Sonnen, Sterne u. dgl. dar. Neuerdings hat man auch Drahtflitter aus platt geschlagenen Drahtringelchen, welche kleine, kreisrunde Scheibchen mit einem Loch in der Mitte darstellen. Im übertragenen Sinn bezeichnet F. überhaupt etwas gehaltlos Schimmerndes, daher z. B. Flitterstaat, glänzender, aber unechter und wertloser Putz.

Flittergold (Knittergold, Rauschgold), dünnste Sorte Messingblech von etwa 1/90-1/65 mm Dicke, wird dargestellt, indem man papierdünn ausgewalztes und blankgebeiztes Messingblech unter dem Schnellhammer, der 300-400 Schläge in der Minute macht, noch dünner schlägt. Dabei werden 20 und mehr Tafeln aufeinander gelegt. Durch diese Bearbeitung erhält das Blech die knitternde Steifigkeit und den Glanz. Es wird besonders in Nürnberg dargestellt.

Flittergras, s. v. w. Briza.

Flittersand, glimmerhaltiger Sand.

Flitterwochen, die ersten Wochen eines jungen Ehestandes. Der Name stammt wahrscheinlich nicht (wie J. Grimm glaubte) von den Flittern der Brauthaube, sondern von dem althochdeutschen filtarazan ("liebkosen") und dem mittelhochdeutschen gevlitter ("heimliches Lachen") ab.

Flockenblume, s. v. w. Centaurea.

Flockenlesen (Floccilegium, Carpologia), eine ganz eigenartige, auf Sinnestäuschungen beruhende Erscheinung beim Delirium oder andern Gehirnstörungen, wobei der Kranke den Blick starr nach einer Stelle richtet und mit den Händen auf der Bettdecke etwas zu suchen, wegzuzupfen oder wegzufangen scheint.

Flockenstreuling, s. Bovista und Lycoperdon.

Flockseide, s. v. w. Florettseide, s. Seide.

Flocktapeten, Tapeten, auf welchen das Muster dadurch hergestellt wird, daß man den Abfall vom Scheren des Tuches (Flockwolle) mit Leim u. dgl. auf Papier oder Stoff aufträgt. Die ersten F. soll der Franzose Audrian im Anfang des 18. Jahrh. aus Wachstuch verfertigt haben.

Flodden Field (spr. fihld), Schlachtfeld auf der Grenze von Schottland und Northumberland, wo die Schotten unter Jakob IV. 9. Sept. 1513 von den Engländern geschlagen wurden.

Flodoard, Geschichtschreiber des Mittelalters, lebte von 894 bis 966 als Archivar der Kirche in Reims, besuchte unter Papst Leo VII. (936-937) Rom, verfaßte ein großes Werk in lateinischen Hexametern über die Geschichte Christi und der Päpste (gedruckt bei Mabillon, "Acta Sanctorum", Bd. 3), dann eine bis 948 reichende, in der Darstellung mangelhafte, doch durch Fülle der urkundlichen Materials ausgezeichnete Geschichte der Reimser Kirche (hrsg. von Sirmond 1611; mit franz. Übersetzung von Le Jeune, Reims 1854), endlich sein Hauptwerk, die "Annales" (in Pertz' "Monumenta Germ., Script. III"), welche von 919 bis 966 reichen und mit großer Zuverlässigkeit eine Fülle von Nachrichten nicht bloß über Frankreich, sondern auch über Lothringen und das ostfränkische Reich Jahr für Jahr enthalten.

Flögel, Karl Friedrich, Litterarhistoriker, geb. 3. Dez. 1729 zu Jauer in Schlesien, studierte zu Halle Theologie, ward 1761 Lehrer am Gymnasium in Breslau, bald darauf Prorektor, 1773 Rektor der Schule zu Jauer und 1774 Professor der Philosophie an der Ritterakademie zu Liegnitz, wo er 7. März 1788 starb. Seine namhaftesten Werke sind: "Geschichte des menschlichen Verstandes" (Bresl. 1765, 3. Aufl. 1776); "Geschichte des gegenwärtigen Zustandes der schönen Litteratur in Deutschland" (Jauer 1771); "Geschichte der komischen Litteratur" (Liegn. 1784-87, 4 Bde.); "Geschichte des Groteskkomischen" (das. 1788; neu bearbeitet und fortgesetzt von Ebeling, 3. Aufl., Leipz. 1886); "Geschichte der Hofnarren" (das. 1789) und "Geschichte des Burlesken" (das. 1793).

Flöha, Fluß im Königreich Sachsen, entspringt in Böhmen auf dem Erzgebirge, tritt bald in Sachsen ein und mündet nach einem Laufe von 78 km bei dem Dorfe F. (s. unten) in die Zschopau. Seinem Thal entlang zieht die Eisenbahn von Komotau in Böhmen und von der böhmischen Grenze über Olbernhau und F. nach Chemnitz.

Flöha, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, am Einfluß der Flöha in die Zschopau, 270 m ü. M., Knotenpunkt der Linien Dresden-Chemnitz, Chemnitz-Annaberg und F.-Reitzenhain der Sächsischen Staatsbahn, ist Sitz einer Amtshauptmannschaft, hat eine Baumwollspinnerei, Dampfkessel- und Holzpappenfabrikation und (1885) 1838 evang. Einwohner.

Flöhe (Pulicidae), Insektenfamilie aus der Ordnung der Zweiflügler, welche durch die Gliederung der Unterlippe einen ebenso deutlichen Übergang zu den Halbflüglern wie durch den in drei Ringe geschiedenen Brustkasten zu gewissen Geradflüglern (Blatta) zeigt, wegen der vollkommenen Verwandlung und der Mundbildung aber am besten bei den Zweiflüglern ihren Platz findet. Die F. haben einen seitlich zusammengedrückten, flügellosen Körper, kleine, runde, einfache Augen, sehr kurze Fühler und zu sägeartig gezahnten Stechborsten umgebildete Mandibeln, welche mit der feinen Stechborste in der Rüsselscheide liegen. Letztere wird aus der gespaltenen, tasterartig gegliederten, dreigliederigen Unterlippe gebildet. Die Ma-^[folgende Seite]