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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Florenz

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Florenz (Geschichte).

Auch Pietros Sohn Lorenzo der Prächtige (il Magnifico, 1469-92), zugleich mit seinem Bruder Giuliano in einer Versammlung der vornehmsten Bürger als Principe dello stato anerkannt, teilte die künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen seines Vaters und Großvaters, entfaltete immer größern Luxus, verschönerte die Stadt, verschaffte dem Volk Genuß und Zerstreuung und eröffnete den aus Konstantinopel fliehenden und in Italien verfolgten Gelehrten in F. ein Asyl. Zugleich aber ward auch durch ihn die Verfassung der Republik immer mehr in eine monarchische umgewandelt, und er übte, wenn auch noch ohne Titel, doch faktisch die Macht eines Herrschers aus. Am 26. April 1478 brach eine Verschwörung gegen die Medici aus, an deren Spitze der vom Papst Sixtus IV., einem Gegner der Medici, beeinflußte Francesco de' Pazzi und sein Oheim Jacopo de' Pazzi sowie der Erzbischof Francesco de' Salviati von Pisa und dessen Bruder Jacopo de' Salviati standen. Giuliano wurde ermordet, Lorenzo aber gerettet; der Erzbischof, sein Bruder und Francesco de' Pazzi (der Mörder Giulianos) wurden auf Befehl der Signoria, an deren Spitze der Gonfaloniere Cesare Petruzzi stand, vor dem Fenster aufgehängt, und das Volk tötete eine große Anzahl Verschworner, darunter Jacopo de' Pazzi. Der Papst Sixtus IV. that F. wegen des an dem Erzbischof vollstreckten Urteils in den Bann und führte, mit Ferdinand I., König von Neapel, verbunden, Krieg gegen die Stadt, bis 1480 ein Friede geschlossen wurde, in welchem F. die Ausrüstung von 15 Galeeren gegen die Osmanen übernahm. Lorenzo setzte 1480 eine neue Balie durch und ließ durch dieselbe eine "permanente Ratsversammlung" von 70 Bürgern einrichten, welche die Besetzung aller öffentlichen Ämter und die höchste Entscheidung über alle öffentlichen Angelegenheiten haben sollte, wobei übrigens Lorenzo das entscheidende Wort sprach.

Sein Sohn Pietro II. (1492-94) verfeindete sich mit Ludwig Moro, dem Herzog von Mailand, und rief durch die Verbindung mit Alfons von Neapel zur Herstellung einer förmlichen Monarchie in F. große Unzufriedenheit hervor, welche in den Predigten Savonarolas ihren Ausdruck fand. Durch sein unentschlossenes und unwürdiges Benehmen gegen den in Italien einrückenden König Karl VIII. von Frankreich veranlaßte er eine Revolution und die erste Vertreibung der Mediceer aus F. (8. Nov. 1494). Karl VIII. zog zwar in F. ein, entfernte sich aber bald wieder, nachdem er mit Geld abgefunden worden war. Eine neue Verfassung, deren wesentlichstes Element der aus 800 Bürgern gebildete Große Rat, daneben der Kleine Rat der Achtzig und die Signoria war, ward hierauf geschaffen. Mehrere Verschwörungen, welche Pietros Zurückberufung zum Zweck hatten (1496, 1497 und 1498), mißlangen, ebenso eine von Cesare Borgia geleitete (1501). Inzwischen war der bei dem Volk in hohem Ansehen stehende Hieronymus Savonarola (s. d.) die einflußreichste Person in F. geworden; aber dadurch, daß er das Bündnis mit Frankreich auch dann noch aufrecht hielt, als ganz Italien sich gegen diese Macht verbündet hatte, sowie durch seinen Streit mit Papst Alexander VI., der ihn mit dem Bann belegte, verlor er die Gunst des Volkes, was die Ursache seines Unterganges wurde (1498). Unter Pietro Soderini, der 1502 als lebenslänglicher Gonfaloniere an die Spitze der Republik gestellt wurde, herrschte große Verwirrung. Der wenn auch glücklich geführte und 1509 beendigte Krieg mit Pisa erschöpfte die Kräfte der Republik, welche durch ihr Bündnis mit Frankreich auch in ein feindseliges Verhältnis zum Papst und zum Kaiser geriet, so daß sie nicht im stande war, den Eroberungsplänen des Herzogs von der Romagna, Cesare Borgia, erfolgreichen Widerstand entgegenzusetzen. Papst Julius II. forderte von F. die Restitution der Medici und den Beitritt der Republik zur Liga gegen Frankreich und ließ, als F. nicht willfahrte, seinen Feldherrn Raimund von Cardona in das florentinische Gebiet einrücken; derselbe schlug die Florentiner und eroberte Prato (August 1512). Infolge davon sah sich Soderini 1512 gezwungen, abzudanken, und die Mediceer kehrten zurück, worauf wieder eine der frühern ähnliche Oligarchie eingeführt wurde. Alle seit der Vertreibung der Mediceer gegebenen Gesetze wurden annulliert, und an die Stelle des Großen Rats trat ein Rat von 200, lauter entschiedenen Anhängern der Mediceer. Die demokratischen Einrichtungen wurden aufgehoben, und an die Spitze der öffentlichen Gewalt trat der Kardinal Giovanni de' Medici, Lorenzos Sohn, und, als derselbe 1513 als Leo X. Papst wurde, sein Bruder Giuliano. Durch die Hilfe des Papstes gelang es der Familie der Medici trotz des Hasses der demokratischen Partei gegen sie, die Regierung zu behaupten. F. nahm nun teil an den Kämpfen der päpstlich-kaiserlichen Liga gegen Frankreich. Nach Giulianos Abdankung (1513) folgte sein Neffe Lorenzo II. (schon früher Giulianos Mitregent), der seine Herrschaft mehr auf die päpstliche Protektion als auf die Liebe der Florentiner stützte (starb 1519). Sein Nachfolger Giulio, Kardinal und Erzbischof von F., überließ, nachdem er 1523 als Clemens VII. Papst geworden war, die Verwaltung von F. seinem Vetter, dem Kardinal Ippolito de' Medici, und Lorenzos II. unehelichem Sohn Alessandro Je mehr die päpstliche heilige Liga von dem Kaiser bedrängt wurde, desto mehr wuchs die Macht der republikanischen Partei in F., an deren Spitze die Familie Strozzi stand, und als 1527 Rom von den Truppen Kaiser Karls V. erobert ward, brach in F. ein allgemeiner Aufstand gegen die Mediceer aus. Die demokratische Verfassung ward wiederhergestellt und die Mediceische Familie zum zweitenmal verbannt; Ippolito und Alessandro de' Medici verließen 17. Mai die Stadt. Indes in dem Frieden von Barcelona, welchen der Papst 1529 mit dem Kaiser schloß, wurde die Rückkehr der Mediceer mit bedungen, und nach der Vermählung der natürlichen Tochter des Kaisers, Margarete, mit Alessandro ließ der Kaiser ein Heer unter Philibert von Oranien gegen F. aufbrechen, um seinen Schwiegersohn wieder einzusetzen. Elf Monate lang verteidigten sich die Florentiner gegen das 18,000 Mann starke Belagerungsheer, mußten sich aber 4. Aug. 1530 ergeben und dem Kaiser das Recht einräumen, ihnen eine neue Regierungsform vorzuschreiben; doch sollte die Verfassung eine freie bleiben. Der Kaiser bestätigte nun die alten Freiheiten und Rechte der Stadt F. unter der Bedingung, daß Alessandro erblicher Herzog von F. werden sollte. Zugleich wurde das Oberhoheitsrecht des Kaisers über F. erneuert.

Die Gewalt Alessandros war bei der maßvollen Politik Karls V. zunächst eine beschränkte; erst infolge einer von den eifrigsten Anhängern der Medici mit Hilfe des Papstes Clemens VII. durchgeführten Verfassungsreform erlangte der Herzog 1532 eine förmlich monarchische Gewalt, indem er als lebenslänglicher, erblicher Herzog an die Spitze des Staats gestellt ward, obwohl zur Wahrung der republikanischen Form noch