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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Flußmittel; Flußmuschel; Flußpferd; Flußpricke; Flußrecht; Flußsäure; Flußsaurer Kalk; Flußschiffahrt

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Flußmittel - Flußschiffahrt.

Übersicht einiger Flüssigkeitsmaße.

Baden und Schweiz: Bayern: England: Frankreich: Österreich: Preußen: Sachsen: Württemberg:

Maß Maßkanne Imp.-Gallon Liter Maß Quart Dresdener Kanne Helleichmaß

1 1,403 0,330 1,500 1,060 1,310 1,603 0,817

0,713 1 0,235 1,069 0,756 0,934 1,142 0,582

3,029 4,250 1 4,543 3,211 3,968 4,856 2,473

0,667 0,935 0,220 1 0,707 0,873 1,068 0,544

0,943 1,324 0,311 1,415 1 1,236 1,512 0,770

0,763 1,071 0,252 1,145 0,809 1 1,223 0,623

0,624 0,876 0,206 0,936 0,661 0,818 1 0,510

1,225 1,718 0,404 1,837 1,298 1,604 1,962 1

Flußmittel, s. Fluß, S. 411.

Flußmuschel (Unio Phil.), Molluskengattung aus der Ordnung der Blattkiemer und der Familie der Flußmuscheln (Najades), Süßwassermuscheln, deren Schloß in jeder Schale vorn einen einfachen oder doppelten, gestreiften oder gekerbten Zahn und hinten unter dem Ligament in der einen Schale einen, in der andern zwei lamellenartige, dem Rand parallele Zähne besitzt. Die Schale ist dickwandig, der Vorderteil verkürzt, der Hinterteil stark verlängert, der Wirbel meist angefressen, die Oberhaut olivenfarbig. Die Gattung ist ungemein formenreich, man hat gegen 500 Arten aus allen Weltteilen und allen Zonen beschrieben; es finden sich aber so viele Varietäten, daß die Abgrenzung der Arten durchaus willkürlich erscheint. Ihre stärkste Entwickelung erreicht die Gattung in Flüssen und Seen Nordamerikas, die ältesten fossilen Arten stammen aus der Purbeck- und Wealdenformation. Die Schalen der einheimischen Arten, welche Flüsse, Bäche und Seen oft sehr reichlich bevölkern (Malermuschel, U. pictorum L. u. a.), dienten früher, auch wohl noch jetzt als Näpfchen für Wasserfarben. Viele Arten erzeugen Perlen, am reichlichsten die Flußperlmuschel, welche man aber jetzt, da das Schloß keine Seitenzähne besitzt, als besondere Gattung (Margaritana Schum.) von der F. getrennt hat (s. Perlmuschel).

Flußpferd (Hippopotamus L.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Huftiere, der Unterordnung der paarzehigen Dickhäuter und der Familie der Plumptiere (Obesa) mit der einzigen Art H. amphibius L. (Nilpferd). Dies ist ein plumpes, unförmliches Tier, 4 m lang, 1,5 m hoch, bis 2500 kg schwer, mit 45 cm langem Schwanz, fast viereckigem Kopf, langer, hoher, vorn sehr breiter, aufgeschwollener Schnauze, kleinen Ohren und Augen, kurzem, kräftigem Hals, langgestrecktem, schwerfälligem, dickem Körper, in der Mitte herabhängendem Bauch, unverhältnismäßig kurzen Beinen, vier Hufen an jedem Fuß und kurzem, dünnem, am Ende mit kurzen, drahtähnlichen Borsten versehenem Schwanz. Die gebogenen Eckzähne des Unterkiefers werden bei alten Männchen 4-6 kg schwer, bis 80 cm lang, ragen aber nicht aus der Schnauze hervor. Die über 2 cm dicke Haut ist vielfach durchfurcht, höchst spärlich mit kurzen Borsten bewachsen, eigentümlich kupferbraun, an der Oberseite dunkler, an der Unterseite heller und ziemlich regelmäßig bräunlich und bläulich gefleckt, oft auch heller und fast weiß. Die Haargefäße der Haut schwitzen bei Erregung des Tiers eine dünnflüssige, blutartige Absonderung aus. Seine Stimme ist ein tiefes, weithin hallendes Brüllen, bei ruhigem Lagern ein Grunzen. Das F. findet sich in allen größern Strömen und Seen des innern Afrika, im Nil gegenwärtig nicht mehr diesseit des 18. Breitengrades, während es in Süd-, Ost- und Westafrika viel weiter nach der Küste herabgeht als im Norden, sogar ins Meer hinaus und nach Sansibar schwimmt. In Flüssen mit wechselndem Wasserstand unternimmt es förmliche Wanderungen. Das F. verläßt das Wasser nur ausnahmsweise, um sich auf den Sandbänken zu sonnen, und des Nachts, wenn der Strom selbst nicht reich an Pflanzen ist, um im Wald oder auf Feldern zu weiden. Es lebt gesellig, ist am Tag träge, in der Nacht munter, schwimmt sehr gut, ist äußerst gefräßig und reizbar und greift auf seinen Weidegängen alle sich bewegenden Gestalten an. Dadurch wird es sehr gefährlich und durch das Zerstampfen und Vertilgen großer Pflanzenmassen zu einer wahren Landplage. Es zermalmt Rinder, weicht auf den Weidegängen auch dem Menschen nicht aus und vermag in der Wut selbst Schiffe von mittlerer Größe zu gefährden. Es wirft im ersten Drittel der Regenzeit nach 7-8monatlicher Trächtigkeit ein Junges, und die Mutter greift zur Verteidigung desselben selbst am Tag Schiffe und Menschen an. Man fängt das F. in Falllöchern oder harpuniert es; eine Büchsenkugel durchdringt kaum die Haut. Fleisch und Fett sind sehr geschätzt, besonders von jungen Tieren; die geräucherte Zunge gilt als Leckerbissen. Die Haut wird zu Peitschen verarbeitet, die Zahnsubstanz wie Elfenbein benutzt. Das F. war den Alten wohl bekannt und wird in den ägyptischen Schriften Flußschwein genannt, es muß damals sehr häufig gewesen sein und wurde, wie Inschriften und bildliche Darstellungen beweisen, viel gejagt; aber schon im 4. Jahrh. n. Chr. kam es in Ägypten nicht mehr vor. Allgemein wird der Behemoth im Buch Hiob auf das F. bezogen. Im spätern Judentum knüpften sich an den Behemoth ähnliche phantastische Fabeleien wie an den Leviathan. In Rom führte zuerst Marcus Scaurus 58 v. Chr., dann Augustus und andre Kaiser ausgewachsene Tiere in Kampfspielen und Triumphzügen vor. Seitdem gelangte bis zur Mitte des 16. Jahrh. und dann wieder bis in die neueste Zeit keins dieser Tiere nach Europa. 1859 kamen die beiden ersten Flußpferde nach Deutschland, in Amsterdam haben sich Flußpferde fortgepflanzt. Alle diese Tiere wurden jung eingefangen, nachdem die Mutter erlegt war. Man zieht sie mit Kuhmilch auf. Den Afrikanern gilt das F. gar nicht als ein von Allah erschaffenes Wesen, sondern als ein Kind der Hölle. Der H. major Cuv. aus dem Diluvium des mittlern und südlichen Europa war nur wenig von dem jetzt lebenden verschieden. In den Tertiärbildungen Ostindiens kommen mehrere Arten vor.

Flußpricke, s. Neunauge.

Flußrecht, Flußregal, s. Wasserrecht und Wasserregal.

Flußsäure, s. v. w. Fluorwasserstoffsäure.

Flußsaurer Kalk, s. v. w. Fluorcalcium, s. Flußspat.

Flußschiffahrt, speziell die Schiffahrt auf Fluß- und Stromstrecken von geringer Tiefe, im weitern Sinn die Binnenschiffahrt, welcher Ausdruck neben jenen Gewässern auch die Landseen und Kanäle einschließt. Die Fahrzeuge der F. zeichnen sich durch beträchtliche Länge im Verhältnis zur Breite sowie durch geringen Tiefgang aus. Mittlere Kähne haben 5000 Ztr. Tragkraft. Auf Ohio und Mississippi schwimmen Frachtschiffe von 11,5 m Breite, welche bei 1,2 m Tiefgang bis 18,000 Ztr. Ladung aufnehmen. Je nach ihrer Fracht und Reisedauer sind sie mit Wohnräumen von größerm oder geringerm Belang ausgestattet. Die Takelung ist verschieden; am häufigsten genügt ein großer Mast, der wegen der zu passierenden Brücken zum Umlegen eingerichtet ist. Name und Bauart bieten gleichfalls große