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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Förster

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Förster.

nungen, großenteils von seiner Hand (das. 1853-69, 12 Bde.); "Geschichte der deutschen Kunst" (das. 1851 bis 1860, 5 Bde., wovon die zwei letzten auch separat erschienen unter dem Titel: "Geschichte der neuen deutschen Kunst", 1863, mit vielen Abbildungen); "Vermischte Schriften" (Münch. 1862); "Reise durch Belgien nach Paris und Burgund" (Leipz. 1865); die Biographie "Raphael" (das. 1867-69, 2 Bde.); "Geschichte der italienischen Kunst" (das. 1869-78, 5 Bde.); "Denkmale italienischer Malerei", mit vielen Zeichnungen von seiner Hand (das. 1870-82, 4 Bde.); "Peter v. Cornelius, ein Gedenkbuch" (Berl. 1874, 2 Bde.); "Peter v. Cornelius' Entwürfe zu den Fresken der Loggien der Pinakothek von München", mit Abbildungen derselben von H. Merz (Leipz. 1874); "Die deutsche Kunst in Bild und Wort" (das. 1879). Er starb 29. April 1885 in München.

5) Heinrich, Fürstbischof von Breslau, geb. 24. Nov. 1800 zu Großglogau, studierte Theologie in Breslau, wurde 1825 zum Priester geweiht, bekleidete dann nacheinander die Stellen eines Kaplans zu Liegnitz und Pfarrers zu Landeshut und wurde 1837 Domkapitular, erster Domprediger und Inspektor des Klerikalseminars in Breslau. Er begründete in dieser Stellung seinen Ruf als einer der bedeutendsten Kanzelredner der katholischen Kirche in Deutschland. Der von Schlesien ausgehenden deutschkatholischen Bewegung trat er als entschiedener Vorkämpfer des römisch-katholischen Kirchentums entgegen. Im Sommer 1848 ward er in die Nationalversammlung zu Frankfurt gewählt; im November d. J. wohnte er der Synode der deutschen Bischöfe in Würzburg bei, und 19. Mai 1853 ward er Fürstbischof von Breslau. F. war keineswegs von Anfang an ultramontan gesinnt, besaß indes nicht den Mut, der Kurie und den Jesuiten bei ihrem Versuch, auch den schlesischen Klerus und namentlich die Breslauer katholisch-theologische Fakultät ihrem System zu unterwerfen, energischen Widerstand zu leisten. In der Angelegenheit des Professors Baltzer (s. Baltzer 1) ließ er sich durch die Hetzereien des "Schlesischen Kirchenblatts" und des Denunzianten Professor Bittner bei der Kurie so einschüchtern, daß er 1860 gegen Baltzer einschritt, obwohl er sich früher mit dessen Ansichten einverstanden erklärt hatte, und ihm die Ausübung seines Amtes untersagte; in dem nun folgenden Streit mit Baltzer vertrat er zuletzt rein römisch-jesuitische Ansichten über das Verhältnis der Wissenschaft zur päpstlichen Autorität. Auf dem vatikanischen Konzil gehörte F. zur Opposition gegen das Unfehlbarkeitsdogma, stimmte 13. Juli mit 87 andern Bischöfen gegen das Dogma und verließ mit der Mehrheit derselben nach dem Protest vom 17. Juli Rom. Den Fuldaer Hirtenbrief vom 31. Aug. 1870 unterschrieb er allerdings nicht, unterwarf sich indes, nachdem er in Rom vergeblich um seine Enthebung vom Amt nachgesucht, bald und schritt bereits im Oktober gegen die Breslauer theologische Fakultät mit strengen Zensuren ein. Natürlich besaß er nun auch nicht die Energie, sich der Opposition der ultramontanen Partei gegen die preußischen Maigesetze zu entziehen: er wurde wegen unterlassener Anzeige von Pfarrbesetzungen und Exkommunikation staatstreuer Priester mehrfach zu Geldstrafen verurteilt und gepfändet und ihm die Temporalien gesperrt. Sein 50jähriges Priesterjubiläum 17. April 1875 ward zu einer ultramontanen Demonstration benutzt, und als beim obersten kirchlichen Gerichtshof das Absetzungsverfahren gegen ihn eingeleitet und seine Verhaftung angeordnet wurde, entzog er sich derselben Anfang Mai durch die Flucht nach Johannisberg im österreichischen Teil seiner Diözese, von wo er diesen weiter verwaltete. Seine Absetzung als Bischof von Preußisch-Schlesien erfolgte 6. Okt. 1875. F. starb 20. Okt. 1881 in Johannisberg. Försters Predigten erschienen gesammelt als "Kanzelvorträge" (Bresl. 1854, 6 Bde.). Auch schrieb er ein "Lebensbild" seines fürstbischöflichen Vorgängers Melchior von Diepenbrock (3. Aufl., Regensb. 1878). Vgl. Franz, Heinrich F., Fürstbischof von Breslau (Bresl. 1875).

6) August, namhafter Schauspieler, geb. 3. Juni 1828 zu Lauchstädt, betrieb seit 1847 auf der Universität in Halle theologische und philologische Studien, wandte sich aber, nachdem er promoviert hatte, einem innern Drang folgend, der Bühne zu und debütierte 1851 erfolgreich als Seckendorf ("Zopf und Schwert") in Naumburg a. S. Er spielte nun in Merseburg, Halle, Meiningen u. a. O., ging 1853 als erster Held und Liebhaber nach Posen, gastierte 1855 am Burgtheater zu Wien mit günstigem Erfolg, war darauf in Stettin, Danzig und Breslau engagiert und folgte 1858 einem Ruf an das Wiener Burgtheater, wo er seit 1860 auch an der Regie in hervorragendem Maß teilnahm. 1876-82 war F. Direktor des Leipziger Stadttheaters, doch gelang es ihm nicht, diese Bühne durchaus auf die ihr zukommende Höhe zu erheben. Seit 1883 ist F. Sekretär und stellvertretender Direktor des Deutschen Theaters in Berlin. Als Schauspieler spielte F. in Wien anfänglich noch gesetzte Liebhaber- und fein komische Charakterrollen, trat aber nach und nach in das ernste Väterfach über. Seine vorzüglichsten Rollen in dieser Richtung sind: Wachtmeister ("Wallensteins Lager"), Friedrich Wilhelm I. ("Zopf und Schwert"), Herzog Karl ("Karlsschüler"), Kottwitz ("Prinz von Homburg"), Michonnet ("Adrienne Lecouvreur"), Nathan, Musikus Miller, Odoardo Galotti, Erbförster, König Lear etc. Seine Darstellung zeichnet durchweg eine gesunde Natürlichkeit aus; auch wirkt sie durch Einfachheit, volles Verständnis und den warmen Ton des Gemüts. Auch als gewandter Bearbeiter französischer Stücke hat sich F. bekannt gemacht.

7) Wilhelm, Astronom, geb. 16. Dez. 1832 zu Grünberg i. Schl., studierte seit 1850 Mathematik und Naturwissenschaft in Berlin und seit 1852 Astronomie bei Argelander in Bonn, ward 1855 zweiter Assistent an der Berliner Sternwarte, 1857 Privatdozent an der Universität, 1860 erster Assistent an der Sternwarte und 1863 außerordentlicher Professor. Während der letzten Krankheit Enckes leitete er interimistisch die Berliner Sternwarte und wurde 1865 zu deren Direktor ernannt. 1868 trat er als Direktor in die Normaleichungskommission und leitete seitdem die Neuorganisation des deutschen Maß- und Gewichtswesens. F. gibt seit 1865 das Berliner "Astronomische Jahrbuch" heraus, beteiligte sich bis 1868 an der europäischen Gradmessung und fungierte bis 1869 als Schriftführer der Astronomischen Gesellschaft und Mitherausgeber von deren "Vierteljahrsschrift". Seine Arbeiten veröffentlichte er in den "Astronomischen Nachrichten" und dem "Astronomischen Jahrbuch", einzelne Arbeiten über Messen und Wägen in den von ihm herausgegebenen "Metronomischen Beiträgen" (Berl. 1870-82, 3 Hefte) und in den "Publikationen des internationalen Komitees für Maß und Gewicht". Seit 1872 gibt er jährlich astronomische Materialien zum "Königlich Preußischen Normalkalender" (woraus "Populäre Mitteilungen" gesondert veröffentlicht wurden); außerdem erschien eine "Sammlung wissenschaftlicher Vorträge" (Berl. 1876) sowie die Schrift "Ortszeit und Weltzeit" (das. 1884).