Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Förster

443

Förster.

sen. - Seine Tochter Marie, geb. 9. März 1817 zu Dresden, gest. 28. April 1856 daselbst, trat gleichfalls als Dichterin ("Gedichte", Leipz. 1857) hervor; außerdem veröffentlichte sie "Briefe aus Südrußland" (das. 1856).

2) Friedrich Christoph, Dichter und historischer Schriftsteller, geb. 24. Sept. 1791 zu Münchengosserstädt bei Kamburg a. S., studierte 1809-11 in Jena Theologie, widmete sich jedoch sodann als Hauslehrer zu Dresden archäologischen und kunstgeschichtlichen Studien. Bei Beginn der Freiheitskriege trat er mit Theodor Körner in das Lützowsche Freikorps, in welchem er später Offizier ward, und wußte durch seine feurigen Kriegslieder "Schlachtenruf an die erwachten Deutschen" zum Kampfe für Befreiung des Vaterlandes zu begeistern. Auch 1815 kämpfte er mit und ward bei Ligny schwer verwundet. Nach der Einnahme von Paris war er bei der Zurückforderung der dort aufgehäuften Kunstschätze thätig, und nach seiner Rückkehr erhielt er eine Anstellung als Lehrer an der Artillerie- und Ingenieurschule zu Berlin. Wegen eines Aufsatzes "Über die geschichtliche Entwickelung der Verfassung Preußens" für Ludens "Nemesis" von 1817 vor ein Kriegsgericht gestellt und aus dem königlichen Dienst entlassen, privatisierte er sodann in Berlin und redigierte seit 1821 die "Neue Berliner Monatsschrift", welche das Leben in Kunst und Wissenschaft besprach, dann 1823 bis 1826 die "Vossische Zeitung" und 1827-30 in Verbindung mit W. Alexis das "Neue Berliner Konversationsblatt", machte mit seinem Bruder Ernst F. (s. F. 4) eine Kunstreise nach Italien und wurde 1829 zum Hofrat und Kustos bei der königlichen Kunstkammer ernannt. Er starb 8. Nov. 1868 in Berlin. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: "Der Feldmarschall Blücher und seine Umgebungen" (2. Aufl., Leipz. 1821); "Friedrichs d. Gr. Jugendjahre, Bildung und Geist" (das. 1822); "Albrecht von Wallenstein" (Potsd. 1834), vorbereitet durch die "Ungedruckten eigenhändigen vertraulichen Briefe und amtlichen Schreiben Albrechts von Wallenstein" (Berl. 1828-29, 3 Bde.); einen Nachtrag bildet seine Schrift "Wallensteins Prozeß vor den Schranken des Weltgerichts und des k. k. Fiskus zu Prag. Mit noch bisher ungedruckten Urkunden" (Leipz. 1844); "Geschichte Friedrich Wilhelms I., Königs von Preußen" (Potsd. 1835, 3 Bde.); "Urkundenbuch" (neue Ausg. 1839, 2 Bde.); "Die Höfe und Kabinette Europas im 18. Jahrhundert" (das. 1836-39, 3 Bde.). In "Peter Schlemihls Heimkehr" (2. Aufl., Leipz. 1849) lieferte er eine Fortsetzung zu Chamissos bekannter Dichtung. Außerdem bearbeitete er mehrere Stücke Shakespeares, lieferte einige kleinere Lustspiele und das historische Drama "Gustav Adolf" (Berl. 1832). Seine Kriegslieder, Romanzen, Erzählungen und Legenden vereinigte er in einer Sammlung seiner "Gedichte" (Berl. 1838, 2 Bde.). Unter dem Gesamttitel: "Preußens Helden im Krieg und Frieden" veröffentlichte er eine umfassende Geschichte Preußens, aus folgenden meist in zahlreichen Auflagen erschienenen Einzelwerken bestehend: "Der Große Kurfürst", "Friedrich I.", "Friedrich Wilhelm I.", "Friedrich der Große", "Neuere und neueste preußische Geschichte", "Die Befreiungskriege", "Von Elba nach St. Helena", "Ligny und Waterloo". Aus seinem Nachlaß erschien "Kunst und Leben" (hrsg. von H. Kletke, Berl. 1873).

3) Ludwig, Architekt, geb. 1797 zu Baireuth, bildete sich auf der Münchener Akademie und seit 1815 in Wien, wo er S. Nobilis Schüler wurde. In seinen Gebäuden ließ er gewöhnlich den Stil der italienischen Renaissance walten und brachte es, ohne besonders originell zu sein, meist zu stattlicher Wirkung. Er baute die evangelische Kirche zu Gumpendorf, die Synagogen zu Wien und Pest, die Elisabethbrücke und zahlreiche Privathäuser in Wien, war am dortigen Arsenal thätig und gab durch seine schon 1844 veröffentlichen Projektdarstellungen zum Teil den Anstoß zu der Wiener Stadterweiterung, bei der sowohl er als seine Söhne durch Ausführung zahlreicher Gebäude ehrenvoll vertreten sind. Seit 1836 gab er die von ihm gegründete "Bauzeitung" heraus, noch jetzt für deutsche Architekten und Ingenieure ein Zentralorgan. Er starb als Professor der Wiener Akademie im Bad Gleichenberg in Steiermark 16. Juni 1863.

4) Ernst, Maler, Kunstschriftsteller und Dichter, Bruder von F. 2), geb. 8. April 1800 zu Münchengosserstädt a. S., widmete sich theologischen und philosophischen Studien sowie der Malerei, zu welcher er endlich, namentlich durch Cornelius' persönlichen Einfluß, ganz hingezogen ward. Nachdem er 1822 in Dresden Studien nach Tizian und Holbein gemacht, trat er 1823 in München in die Schule von Cornelius, machte seine ersten Versuche in der Freskomalerei in der Glyptothek, arbeitete unter des Meisters Leitung vom Januar 1824 bis Herbst 1825 an Hermanns großem Freskobild der Theologie in der Bonner Aula und nahm später an der Ausschmückung der Hofgartenarkaden und an der Ausführung der enkaustischen Bilder im Königsbau in München teil. Ein Auftrag des Kronprinzen Maximilian von Bayern, in Italien Zeichnungen nach ältern Meistern anzufertigen, führte ihn zu kunstwissenschaftlichen Forschungen, die er als "Beiträge zur neuern Kunstgeschichte" (Leipz. 1836) herausgab, wofür ihm die Universität Tübingen den Doktortitel verlieh. Im Anschluß an die Biographie seines Schwiegervaters Jean Paul, welche er nach dem Tode des ersten Herausgebers fortzusetzen hatte, schrieb er von "Wahrheit aus Jean Pauls Leben" den 4.-8. Band (Bresl. 1827-33); auch gab er "Politische Nachklänge von Jean Paul" (Heidelb. 1832) heraus und nahm von 1836 bis 1838 an der Herausgabe von dessen Nachlaß und Briefwechsel den hauptsächlichsten Anteil, wie er auch eine kurze Biographie des Dichters für die Ausgabe von dessen "Ausgewählten Werken" (Bd. 16, Berl. 1849) lieferte und den "Papierdrachen" (Frankf. 1845, 2 Tle.) desselben und "Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul Friedr. Richter" (Münch. 1863, 4 Bde.) herausgab. Nach Schorns Tod beteiligte er sich 1842 mit Franz Kugler in Berlin an der Redaktion des "Kunstblattes" und führte die von Schorn begonnene Übersetzung von Vasaris "Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister" (Stuttg. 1843-1849, 6 Bde.) zu Ende. Außerdem schrieb er: "Leitfaden zur Betrachtung der Wand- und Deckengemälde des neuen Königsbaues in München" (Münch. 1834); "Briefe über Malerei, in Bezug auf die Gemäldesammlungen in Berlin, Dresden, München etc." (Stuttg. 1838); "München, ein Handbuch für Fremde und Einheimische" (Münch. 1838, 8. Aufl. 1858); "Handbuch für Reisende in Italien" (das. 1840, 8. Aufl. 1862; auch franz.); "Die Wandgemälde der St. Georgenkapelle zu Padua" (Berl. 1841); "Handbuch für Reisende in Deutschland" (Münch. 1847, 2. Aufl. 1853); "J. G. ^[Johann Georg] Müller, ein Dichter- und Künstlerleben" (St. Gallen 1851); "Leben und Werke des Fra Angelico da Fiesole", mit Zeichnungen von seiner Hand (Regensburg 1859); "Vorschule der Kunstgeschichte", mit vielen Holzschnitten (Leipz. 1862); "Denkmale deutscher Baukunst, Bildnerei und Malerei", mit 300 Zeich-^[folgende Seite]