Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Foscolo; Fosite; Fositesland; Fossa; Fossalta; Fossano; Fosse

464

Foscolo - Fosse.

die Visconti in Mailand zu stande und erzwang nach vielen Kämpfen 1441 einen Frieden, in welchem Venedig Brescia, Bergamo, Peschiera und andre Städte bekam; auch Ravenna kam bald darauf unter venezianische Herrschaft. Nichtsdestoweniger hatte F. von jeher eine starke Partei gegen sich, welche es nach langen Intrigen dahin brachte, daß sein Sohn Jakob angeklagt, gefoltert und verbannt wurde; derselbe starb in der Verbannung. Der Vater aber wurde, angeblich wegen Altersschwäche, 25. Okt. 1457 abgesetzt und starb wenige Tage darauf, 1. Nov.

Foscolo, Ugo (ursprünglich Niccolò), berühmter ital. Dichter und Patriot der Neuzeit, geb. 26. Jan. 1778 auf der Insel Zante, erhielt seine erste Erziehung zu Spalato in Dalmatien und zu Venedig und widmete sich dann auf der Universität Padua den klassischen Studien. Schon 1797 brachte er in Venedig ein Trauerspiel: "Tieste", auf die Bühne, welches mit Beifall aufgenommen wurde. Von Natur feurigen Geistes und erfüllt von glühender Vaterlandsliebe, schloß er sich gleich anfangs denjenigen an, welche von den Ideen der französischen Revolution eine Wiedergeburt Italiens erwarteten, und feierte in einer Ode Bonaparte als dessen Befreier. Von Venedig begab er sich nach Mailand, wo er in freundschaftliche Beziehungen zu Parini und Vincenzo Monti trat, mit welch letzterm er sich jedoch später entzweite. Noch immer der Meinung, mit den Franzosen für die Sache der italienischen Freiheit zu kämpfen, nahm er Dienste in der cisalpinischen Legion, machte verschiedene Treffen mit, war mit Masséna in Genua, kehrte aber nach der Schlacht von Marengo, da der Gang der Dinge mehr und mehr seine Hoffnungen täuschte, nach Mailand zurück. Hier vollendete er seinen schon in Padua begonnenen, so berühmt gewordenen Roman "Ultime lettere di Jacopo Ortis" (zuerst Vened. ["Italien"] 1802 und Mail. 1802, seitdem öfter; deutsch von Lautsch, 2. Aufl., Leipz. 1847, von Seubert, das. 1870), den italienischen "Werther", der gleich diesem durch ein wirkliches Ereignis, den Selbstmord eines jungen Mannes in Padua, veranlaßt, allmählich aber aus einem einfachen Liebesroman ein politischer Roman geworden war, in welchem F. seinem Schmerz über das Unglück seines Vaterlandes Ausdruck gab. Dieselben Gefühle legte er in seiner äußerst freimütigen "Orazione a Buonaparte" nieder, welche er als Mitglied der vom Ersten Konsul nach Lyon berufenen Versammlung cisalpinischer Deputierten schrieb, die aber erst viel später (Lugano 1829) gedruckt wurde. Nach seiner Rückkehr wandte er sich wieder ruhigen Studien zu, übersetzte die Hymne des Kallimachos: "Das Haar der Berenike" und gab dieselbe mit weitläufigem Kommentar heraus, ging aber 1805 wieder als Kapitän mit dem französischen Heer nach Boulogne. Da die Unternehmung gegen England unterblieb, kehrte er nach Mailand zurück, wo er (1807) sein schönstes Gedicht: "I Sepolcri", schrieb und eine Ausgabe von Montecuccolis Werken besorgte. 1809 erhielt er den Lehrstuhl der Eloquenz an der Universität Pavia, welcher jedoch schon nach wenigen Monaten aufgehoben wurde. Hierauf brachte er in Mailand sein zweites Trauerspiel: "Ajace", auf die Bühne, welches wegen der darin gefundenen politischen Anspielungen seine Verweisung aus der Lombardei zur Folge hatte. In Florenz, wohin er sich nunmehr wandte, verfaßte er sein drittes Trauerspiel: "Ricciarda", gleichfalls politischer Tendenz, und kehrte erst 1813 nach Mailand zurück. Nach dem Einzug der Österreicher neuen Verfolgungen ausgesetzt, wandte er sich nach der Schweiz, wo er die gegen seine Feinde in Italien gerichtete äußerst bittere Satire "Didymi Clerici prophetae minimi hypercalypseos liber singularis" schrieb, und 1816 nach London, wo sein Ruf als Schriftsteller ihm eine glänzende Aufnahme verschaffte. Hier schrieb er seine "Saggi sul Petrarca" (Lond. 1824), einen "Discorso sul testo di Dante" (das. 1826), arbeitete für verschiedene englische Zeitschriften und lieferte eine geschätzte Ausgabe der "Divina Commedia" (das. 1842, 4 Bde.), hielt auch seit 1823 Vorlesungen über italienische Sprache und Litteratur. Aber seine Neigung zu einem verschwenderischen Leben, namentlich zum Spiel, brachte ihn allmählich in drückende Verhältnisse, und er starb arm und verlassen 10. Okt. 1827 in Turnham Green bei London. Im J. 1871 wurden seine Gebeine auf dem Friedhof zu Chiswick aufgefunden und nach Italien zurückgebracht. Außer den schon oben genannten Werken Foscolos sind noch zu erwähnen sein "Discorso dell' origine e dell' ufficio della letteratura", womit er seine Vorlesungen in Pavia eröffnete, seine vortreffliche Übersetzung von Sternes "Sentimental journey" und sein "Discorso storico sul testo del Decamerone". Seine mit Monti begonnene Übersetzung der "Ilias" in reimlosen Versen ist unvollendet geblieben; auch von seinen "Inni italiani" sind nur Fragmente bekannt geworden. Die "Discorsi storici e letterarii" (Mail. 1843) enthalten Übersetzungen von Foscolos Beiträgen für englische Journale. Sammlungen seiner "Poesie" sind öfters gedruckt (z. B. Flor. 1856 und Mail. 1875). Eine Ausgabe seiner sämtlichen Werke: "Opere edite e postume di Ugo F.", welche auch seinen Briefwechsel ("Epistolario", 3 Bde.) enthält, wurde von Orlandini und Mayer herausgegeben (Flor. 1850-1859, 11 Bde.). Sein Leben beschrieben Pecchio (Lugano 1833), Carrer (Venedig 1842), Artusi (Flor. 1878), Antona-Traversi ("Ugo F. nella famiglia" (Mail. 1884) und de Winckels (Verona 1885-86, 2 Bde.). Vgl. auch Corio, Rivelazioni storiche intorno ad U. F. (Mail. 1873), und Klein, Geschichte des Dramas, Bd. 7 (Leipz. 1869).

Fosite, s. Forseti

Fositesland, s. Forseti

Fossa (lat.), Graben, Grube, Rinne.

Fossalta, Bach in der Nähe von Modena in Italien, denkwürdig durch die Schlacht 26. Mai 1249, in welcher König Enzio, Sohn Kaiser Friedrichs II., in die Gefangenschaft der Bolognesen fiel, aus welcher ihn nur der Tod befreite.

Fossano, Stadt in der ital. Provinz Cuneo, links am Stura, auf einem Hügel und an der Eisenbahn Turin-Cuneo gelegen, ist Bischofsitz, hat ein im 14. Jahrh. erbautes Schloß, Reste alter Stadtmauern, eine Kathedrale und mehrere andre Kirchen, eine Akademie der Wissenschaften mit Bibliothek, ein Seminar, ein Gymnasium, eine technische und eine Tierarzneischule, 2 Waisenhäuser, ein allgemeines Krankenhaus und (1881) 7959 Einw., welche Seidenzucht und Seidenweberei, Gerberei und bedeutenden Handel mit Getreide, Hanf, Seide und Vieh treiben. -

F. war Residenz Philibert Emanuels von Savoyen und mehrerer seiner Nachfolger. Im April 1796 ward es von den Franzosen im Sturm erobert, 15. Sept. 1799 abermals von diesen besetzt, aber schon 18. Sept. von den Österreichern unter Melas wieder genommen, worauf letzterer den Franzosen unter Championnet 4. und 5. Nov. bei dem nahen Dorf Genola und bei Savigliano eine entscheidende Niederlage beibrachte.

Fossano, ital. Maler, s. Borgognone.

Fosse, Maler, s. La Fosse.