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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frais; Fraise; Fraknói; Fraktion; Fraktur; Frambösie; Frame; Framea

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Frais - Framea.

Hoorn (s. Tafel "Bildhauerkunst X", Fig. 9.), welche den Höhepunkt der historisch-realistischen Bildhauerkunst Belgiens bezeichnet.

Frais (Fraisch, v. althochd. freisa, "Gefahr, Schrecken"), Krampf, Epilepsie; daher Wurmfrais, Zahnfrais, die Fraisen: Kinderkrankheiten mit Krampferscheinungen. Auch bezeichnet F. die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod. Daher hieß derjenige, welchem die letztere zustand, Fraisherr, das Gericht aber, durch welches er sie ausüben ließ, Fraisgericht. Die Bezeichnungen: fraisliche Obrigkeit, Fraisbuch, Fraispfand etc. finden in dem Gesagten ihre Erklärung.

Fraise (franz., spr. frähs), s. Fräse.

Fraknói (eigentlich Frankl), Wilhelm, namhafter ungar. Historiker, geb. 17. Febr. 1843 zu Ürmény im Neutraer Komitat, studierte in Tyrnau und an den geistlichen Seminaren zu Gran und Pest. Erst 17 Jahre alt, gewann er einen akademischen Preis mit der (ungarischen) Schrift "Skizze des Standes der Kultur der Magyaren unter den Herzögen" (Pest 1861) und bald darauf einen zweiten, von der Pester Universität ausgesetzten Preis mit der Abhandlung "Ursprung und historische Entwickelung der Palatins- und Oberstlandesrichterwürde" (das. 1863). 1864 wurde F. Professor in Tyrnau, 1865 in Gran, 1872 Sekretär der ungarischen Akademie, 1875 Bibliothekar des Nationalmuseums, 1878 Domherr in Großwardein und 1879 Generalsekretär der Akademie und Abt von Szegszard. Er schrieb ferner in ungarischer Sprache: "Peter Pázmán und dessen Zeitalter" (Pest 1868-69, 2 Bde.); "Das vaterländische und ausländische Unterrichtswesen im 16. Jahrhundert" (1873); "Geschichte von Ungarn" (neue Aufl. 1873 bis 1874); "Denkmäler der ungarischen Reichstage" (im Auftrag der ungarischen Akademie, 1874-77, 6 Bde.); "Das Leben des Erzbischofs Johann Vitéz" (1879); "Die Verschwörung des Martinovics" (1880); "Ungarn und die Liga von Cambrai" (1883); "Ungarn vor der Schlacht bei Mohács 1524-26" (deutsch von Schwicker, 1886) u. a.

Fraktion (lat., "Brechung, Bruch"), in Deutschland gebräuchliche Bezeichnung einer Vereinigung von Gesinnungsgenossen und politischen Freunden in einer Volksvertretung. Die einzelnen Fraktionen halten, unter einem Fraktionsvorstand konstituiert, regelmäßige und außerordentliche Sitzungen (Fraktionssitzungen) und Zusammenkünfte neben den parlamentarischen Sitzungen ab, in welchen Beschlüsse über die von der F. zu beobachtende Haltung und über die im Plenum vorzunehmenden Abstimmungen gefaßt werden, auch Vereinbarungen über die vorzuschickenden Redner, über etwa zu stellende Anträge oder Interpellationen u. dgl. stattfinden. Auch äußerlich pflegen die einzelnen Fraktionen ihre Zusammengehörigkeit und ihre politische Tendenz durch die Wahl der Plätze im Sitzungssaal, zur Rechten oder Linken vom Ministertisch, anzudeuten. Im deutschen Reichstag werden dermalen folgende Fraktionen unterschieden, deren Reihenfolge hier nach der Stärke der Anzahl ihrer Mitglieder bestimmt ist: das Zentrum, die Deutschkonservativen, die deutsch-freisinnige Partei, die Nationalliberalen, die deutsche Reichspartei oder die Freikonservativen, die Sozialdemokraten, die Polen und die Volkspartei. Eine Anzahl Mitglieder des Reichstags, darunter die Abgeordneten für Elsaß-Lothringen, gehören keiner F. an (sogen. Wilde), während andre Mitglieder als Hospitanten (d. h. außerordentliche Mitglieder) bestimmter Fraktionen bezeichnet werden. Wird in den Fraktionen auf die freie Entschließung der einzelnen Mitglieder ein besonderer Druck ausgeübt, so spricht man von Fraktionszwang. Wird in einer F. durch Mehrheitsbeschluß von dem Verhalten der Mitglieder in einer besonders wichtigen Sache deren ferneres Verbleiben in der F. abhängig gemacht, so spricht man von einer Fraktionsfrage. Ist die Fraktionsfrage gestellt, so müssen diejenigen Mitglieder, welche gegen das Gros der F. stimmen, aus der letztern ausscheiden.

Fraktur (lat.), Bruch, besonders in der Chirurgie jeder Knochen- oder Beinbruch; in der Buchdruckerei Name der sogen. deutschen Lettern wegen ihrer scharf gebrochenen Ecken, zum Unterschied von der abgerundeten römischen oder Antiquaschrift. Albrecht Dürer, Vinzenz Rockner, Hofsekretär des Kaisers Maximilian I., und Johann Neudörfer, ein Schönschreiber in Nürnberg und Zeitgenosse der Vorgenannten, sind ihre Urheber (s. Schriftarten). Die F. findet sich außer zum Druck von deutschen Werken auch angewandt für die dänische, norwegische, finnische, lettische, litauische, esthnische, föhrische, isländische und zum Teil auch für die schwedische Sprache; doch weicht sie in der Neuzeit hier mehr und mehr der römischen Schrift. In Deutschland selbst, wo sie an den Brüdern Grimm und deren Anhängern entschiedene Gegner fand, ist sie beim Druck von wissenschaftlichen, nur auf Gelehrtenkreise berechneten Werken ziemlich außer Gebrauch gekommen (etwa 60 Proz. werden jetzt mit Antiqua gedruckt); in Zeitungen und in der schulwissenschaftlichen und Volkslitteratur behauptet sie dagegen noch unbestritten das Feld. In der Schönschreibekunst heißt auch die sogen. Kanzleischrift F.

Frambösie (v. franz. framboise, "Himbeere", Erdbeerpocken, indianische, amboinische oder große Pocken, Beerschwamm), eine Krankheit, welche sich auf die heiße Zone beschränkt. Es bilden sich dabei rote, schwammige Auswüchse von der Größe einer kleinen Himbeere bis zu der einer großen Maulbeere, welchen Früchten auch das körnige Ansehen ihrer Oberfläche ähnelt. Sie gehen nicht in wirkliche Eiterung über, sondern ergießen nur allmählich aus ihrer Oberfläche eine klebrige, sich zu höckerigen Krusten verdichtende Feuchtigkeit. Der Ausbruch erfolgt hauptsächlich, außer am Gesicht und Nacken, auch in den Achselgruben, um den After und an den Geschlechtsteilen sowie auch an den untern Gliedmaßen. Die Dauer der Krankheit ist in den günstigsten Fällen bis zum Höhenpunkt der Entwickelung 4-5 Wochen und dann etwa noch 14 Tage bis zu vollendeter Abtrocknung; nicht selten aber währt sie mehrere Monate oder noch länger. In dieser bisher beschriebenen Gestalt ist die F. auf der Küste von Guinea und in einigen andern Ländern Afrikas endemisch und tritt dort hauptsächlich als Kinderkrankheit auf. Da sie aber ansteckend ist, so konnte sie sich, besonders mittels des Sklavenhandels, nach verschiedenen Seiten hin verbreiten und wurde vorzüglich den westindischen Inseln zugeführt, wobei sie einen viel schlimmern Charakter angenommen hat.

Frame (engl., spr. frehm), im Maschinenwesen s. v. w. Gestell, Rahmen.

Framea (lat.), die von Tacitus als Nationalwaffe der alten Deutschen beschriebene Lanze mit schmalem, kurzem Eisen. Früher bezeichneten einige Forscher die sogen. Celte aus Bronze mit diesem Namen. Nachdem der Speer seine Bedeutung bei der Bewaffnung eingebüßt, wurde die an seine Stelle tretende Hauptwaffe, nämlich das mit einer Spitze versehene Schwert, ebenfalls F. genannt.