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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Francs-archers; Francs-tireurs; Francucci; Franeker; Frange; Frangipani; Frangula; Frangulinen; Frank

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Francs-archers - Frank.

Francs-archers (franz., spr. frang-sarscheh), "Frei- (Bogen-) Schützen", von Karl VII. von Frankreich 1448 gegen den Lehnsadel errichtete Volkswehr. Jede Gemeinde hatte hierzu einen Mann zu stellen, der sich Waffen und Kleidung selbst halten und jederzeit bereit sein mußte, ins Feld zu rücken, wofür er von der Steuerzahlung befreit war; daher der Name F. Im Dienst erhielten die Mannschaften 4 Livres Monatssold. Sie trugen Panzerjacke und Pickelhaube (Salade) und führten als Waffen Bogen, Degen und Dolch. Ihre militärische Untüchtigkeit veranlaßte 1469 eine Reorganisation, die sich gleichfalls nicht bewährte. Eine feige, freche, räuberische Bande, wurden die F. von den Bauern als Privilegierte, vom Adel als Partisane des Königs gehaßt, von den Gendarmen als unebenbürtig verachtet und verschwanden deshalb um 1479.

Francs-tireurs (franz., spr. frang-tirör, "Freischützen"), im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 Name der bewaffneten Franzosen, welche teils einzeln, teils in Freischaren unter selbstgewählten Führern den kleinen Krieg gegen die deutschen Truppen führten, kleine Besatzungen überfielen, Patrouillen erschossen und namentlich die rückwärtigen Verbindungen störten. Einzelne militärisch organisierte Franctireurbataillone wurden regulären Korps angeschlossen oder zu Heeresabteilungen, wie das Garibaldische Korps, vereinigt.

Francucci (spr. -kuttschi), ital. Maler, s. Imola.

Franeker, Stadt in der niederländ. Provinz Friesland, an der Harlingen-Leeuwardener Eisenbahn, 7 km von der Nordsee, hat einen botanischen Garten und (1883) 6920 Einw., welche Seidenfabrikation, Wollspinnerei, Schiffahrt und einigen Handel betreiben. Die Stadt war früher berühmt durch ihre Universität, welche 1585 gestiftet ward und in der Folge mehrere berühmte Gelehrte, wie Coccejus, Heineccius, Hemsterhuis, Valkenaer u. a., zu Professoren hatte, 1811 aber von Napoleon aufgehoben und in ein Athenäum verwandelt wurde, das 1843 ebenfalls einging. Eine Merkwürdigkeit besitzt F. in dem von einem Bürger, Eise Eisinga, ausgedachten und 1773 bis 1780 angefertigten kunstvollen Planetarium.

Frange, s. Franse.

Frangipani (spr. frandschi-), röm. Adelsgeschlecht, das, seit 1014 urkundlich erwähnt, in den Kämpfen der Guelfen und Ghibellinen im 12. und 13. Jahrh. eine hervorragende Rolle spielte. Die F. hatten das Kolosseum, den Titusbogen und einen Teil des Palatin zu Burgen umgewandelt. Giovanni F., Herr von Astura, nahm Konradin von Hohenstaufen 1268 auf dessen Flucht gefangen und lieferte ihn an Karl von Anjou aus. Ein Zweig des Geschlechts blüht noch in Friaul. Das kroatische Geschlecht F. oder Frangepani führt zwar seinen Ursprung auf die römischen F. zurück, ist aber slawischer Abkunft und heißt eigentlich Frankopan ("Franz der Herr"). Aus der 1209 von Bela III. mit der Herrschaft Modrusch belehnten Familie stammten:

1) Christoph, Graf von F., geb. 1482, schloß sich, nachdem er unter Maximilian I. und Ludwig II. gegen Venedig und die Türken tapfer gefochten, dem Gegenkönig Johann Zápolya an und verteidigte Slawonien gegen den Grafen Batthyány. Bei der Belagerung der Burg von Warasdin tödlich verwundet, starb er 1527.

2) Nikolaus, Graf von F., zeichnete sich in den Kriegen Kaiser Rudolfs II. gegen die Türken aus und ward vom Kaiser Matthias zum Ban von Dalmatien, Kroatien und Slawonien ernannt; starb 1647 in Wien.

3) Franz Christoph, Graf von Tersat, stand mit dem Palatin Wesselényi, Franz Nádasdy und seinem Schwager Peter Zriny an der Spitze der Empörung gegen Kaiser Leopold I. in Ungarn und wurde mit Zriny 30. April 1671 zu Wiener-Neustadt enthauptet. Seine Güter wurden eingezogen und seine Familie des Adels beraubt.

Frangula, s. Rhamnus.

Frangulinen, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem unter den Dikotyledonen, aus Holzpflanzen bestehend, die durch regelmäßige Blüten, mit den Kronteilen gleichzählige Staubgefäße, einen nur selten fehlenden Blütendiskus und umgewendete Samenknospen charakterisiert sind, enthält die Familien Rhamneen, Vitaceen, Celastrineen, Ilicineen, Hippokrateaceen, Pittosporeen und Olakaceen.

Frank, frei, in Bezug auf Personen unter keinem Zwang stehend (f. und frei); gerade und offen.

Frank (Franc), franz. Silbermünze, an der Stelle des frühern Teston seit 1795 und definitiv seit 1803 die Einheit des französischen Münzsystems, welches 1827 im damaligen Königreich Sardinien (F. = Lira nuova), 1832 in Belgien, 1850 in der Schweiz, 1861 in Italien (Lira), 1868 in Rumänien (F. = Lëu), 1880 in Bulgarien (F. = Lewat), 1871 in Spanien (F. = Peseta), 1874 in Serbien (F. = Dinar), 1882 in Griechenland (F. = Drachme) eingeführt wurde. Auch die mittelamerikanischen Republiken, die Republiken an der Westküste von Südamerika und die Vereinigten Staaten von Kolumbien haben den französischen Münzfuß angenommen, doch ist bei ihnen die Rechnungs- und Münzeinheit das Fünffrankstück. Der F. wird in 100 Centimes, im gewöhnlichen Leben auch oft noch in 20 Sous à 5 Cent. geteilt.

Aus dem Kilogramm feinen Goldes werden 3444 4/9 F. geprägt, wonach auf das deutsche Münzpfund 1722 2/9 F. kommen und der F. in Gold also = 0,29 g fein Gold ist. Der F. in Silber hielt bis 1865: 4,5 g fein Silber bei 9/10 Feinheit, wonach auf das deutsche Münzpfund fein Silber 111 1/9 F. gehen. Da man jedoch erfahrungsmäßig ein solches Pfund zu 112½ F. rechnet, so war hiernach der Silberfrank = 8 Sgr. preußischer Währung oder 0,80 Mk. Seit 1865 sind jedoch die alten Frankstücke eingezogen. Auf Grund des zwischen Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz 1865 abgeschlossenen Münzvertrags, dem später auch Rumänien, Griechenland und Spanien beitraten, wird der Silberfrank jetzt nur noch zu 835/1000 fein bei gleichem Bruttogewicht von 5 g ausgeprägt, so daß sein Silberwert jetzt nur noch 0,751 Mk. beträgt. An Goldmünzen werden in Frankreich gegenwärtig Stücke zu 100, 50, 20, 10 und 5 F. (bis 1854 auch zu 40 F.), in Belgien Stücke zu 40, 20, 10 und 5 F. (bis 1854 auch zu 25 F.), in Italien Stücke zu 100, 50, 20 und 10 F. oder Lire (bis 1832 auch zu 80 und 40 F.), sämtlich zu 900/1000 fein, geprägt. Die 20-Frankstücke wurden früher insgemein Napoleondor (napoléons), zuweilen auch Louisdor (louis) genannt. An Silbermünzen prägt Frankreich gegenwärtig Stücke zu 5, 2, 1, ½ (50 Cent.), ⅕ F. (20 Cent., bis 1884 auch zu ¼ F. oder 25 Cent.); Belgien Stücke zu 5, 2½, 2, 1, ½ und ⅕ F. (bis 1853 auch zu ¼ F.); Italien Stücke zu 5, 2, 1, ½ und ¼ F. oder Lira, sämtlich bis 1865: 900/1000, seit der Zeit in den Stücken von 2 F. und darunter nur 835/1000 fein; die Schweiz als Kurantmünze Stücke zu 5 F., dann als Scheidemünze Stücke zu 2, 1 und ½ F. An Bronzemünzen prägt Frankreich gegenwärtig Stücke zu 10, 5, 2 und 1 Cent., Belgien Stücke zu 20, 10 und 5 Cent. aus Kupfer und Nickel, die Schweiz Stücke zu 20, 10 und 5 Rappen, Italien Stücke zu 5 und 2 Centesimi (bis 1860