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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Franz

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Franz (Anhalt, Bretagne).

Oheims Joseph II., dessen ungünstiges Urteil über den Neffen sich erst später milderte, in Wien zum Regenten gebildet. In seinem 20. Jahr begleitete er denselben auf einem Zuge gegen die Türken, und 1789 übernahm er unter Laudons Leitung selbst den Oberbefehl. Vom 18. Febr. bis 12. März 1790 führte er nach dem Tod Kaiser Josephs II. bis zum Eintreffen seines Vaters (Leopold II.) aus Toscana interimistisch die Regierung, von Kaunitz beraten, und nahm an dem Restaurationswerk Leopolds II. als Mitregent regen Anteil. Nach seines Vaters Tod (1. März 1792) trat er die Regierung in den österreichischen Erblanden an und ward 14. Juli zum römischen Kaiser gekrönt. Infolge des Bündnisses, das Leopold II. 7. Febr. 1792 mit Preußen gegen Frankreich geschlossen, erklärte dieses 20. April F. den Krieg. F. setzte den Krieg auch dann noch fort, als Preußen den Separatfrieden zu Basel (5. April 1795) mit Frankreich abschloß, bis ihn das Vorrücken der Franzosen in Italien unter Napoleon Bonaparte zum Abschluß des Friedens von Campo Formio (17. Okt. 1797) nötigte, in welchem er Mailand und die Niederlande gegen Venedig, Istrien und Dalmatien abtrat. 1799 erklärte er im Bund mit Rußland und England von neuem Frankreich den Krieg. Anfangs glücklich, verlor er durch die Niederlage bei Marengo seine italienischen Besitzungen und ward durch den Frieden von Lüneville (9. Febr. 1801) zu neuen großen Opfern gezwungen. Nach vergeblichen Vermittelungsversuchen ergriff F. 1805 in Verbindung mit Rußland, Schweden und England zum drittenmal das Schwert gegen Frankreich; die Schlachten bei Ulm und Austerlitz zwangen ihn aber zum Frieden von Preßburg (26. Dezember 1805), der ihn abermals große Gebietsteile mit 3 Mill. Einw. kostete. Nachdem F. schon 14. August 1804 den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich angenommen hatte, legte er nach Errichtung des Rheinbundes (6. August 1806) die deutsche Kaiserkrone nieder. Neutral bei dem Krieg Preußens und Rußlands gegen Frankreich (1806-1807), ergriff er 1809 zum viertenmal die Waffen gegen Napoleon I., verlor aber nach der Schlacht bei Wagram durch den Frieden von Wien (14. Oktober 1809) abermals 100,000 qkm Landes mit gegen 4 Mill. Einw. Ein freundschaftlicheres Verhältnis zwischen F. und Napoleon schien durch die Vermählung Napoleons mit F.' ältester Tochter, Marie Luise, geknüpft zu werden; doch hegte F. gegen den französischen Usurpator eine unüberwindliche persönliche Abneigung. Nach einer Unterredung in Dresden vereinigte sich F. (Mai 1812) mit Napoleon zum Feldzug gegen Rußland, hielt sich nach dessen unglücklichem Ausgang einige Zeit neutral, trat aber 12. Aug. 1813, von Metternich klug beraten, der Koalition gegen Frankreich bei und ward durch den ersten Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 in den Besitz einer Ländermasse gesetzt, wie sie keiner seiner Vorfahren besessen. Seit 1816 herrschte F., die äußere Politik seinem Staatsminister, dem Fürsten Metternich, überlassend, im Innern aber mit peinlicher Geschäftigkeit alles selbst verwaltend und den gelegentlichen konstitutionellen Anwandlungen Metternichs unzugänglich, bis zu seinem 2. März 1835 erfolgten Tod in ungestörtem Frieden, der nur in der Lombardei 1821 durch einen bald wieder gedämpften Aufstand unterbrochen wurde. Unter seiner Regierung, welche einer möglichst unbedingten Stabilität huldigte, ward das meiste beim alten belassen; doch wurde durch die Veränderung und Ergänzung der Josephinischen Gesetzbücher 1804 das Strafgesetzbuch erneuert, 1810 ein neues Bürgergesetz, eine neue Gerichtsordnung, die Sonderung und Verteilung der politischen, der Justiz- und Kriminalgegenstände an drei verschiedene Hofstellen angeordnet und auf Grund einer 1792 vorgenommenen Landesvermessung 1817 eine neue Grundsteuer festgesetzt u. dgl. Im übrigen aber war das Prinzip der österreichischen Politik unter F.: Niederhaltung jeder freiern geistigen Bewegung auf allen Gebieten, Unterdrückung der liberalen, konstitutionellen Bestrebungen durch solidarische Verbindung der Kabinette im Sinn der Heiligen Allianz, Abschließung des österreichischen Staats gegen alle gefährlichen und gefürchteten Berührungen mit andern Staaten vermittelst eines sehr ausgebildeten Spionier- und Polizeisystems, Ignorierung, resp. Verfolgung aller Fortschritte auf dem Gebiet der höhern Wissenschaft; nicht einmal auf dem materiellen Gebiet konnten bei der infolge dieses Systems eintretenden Stagnation die reichen Hilfsquellen des Landes gehörig ausgebeutet werden. F. war ein engherziger und kleinlicher Geist. Da er aber im persönlichen Auftreten ein patriarchalisches Wohlwollen zeigte, ein schlicht bürgerliches Wesen in seinem Verkehr, ein prunkloses Hofleben zur Schau trug und mit jedem Unterthan aufs herablassendste im Wiener Dialekt verkehrte, so besaß er, zumal beim Volk, eine große Popularität. F. war viermal vermählt: seit 1788 mit Elisabeth Wilhelmine, Prinzessin von Württemberg, die 18. Febr. 1790 kinderlos starb; seit 1790 mit Maria Therese von Sizilien, die 13. April 1807 starb, nachdem sie ihm 13 Kinder geboren, unter denen der spätere Kaiser Ferdinand von Österreich; seit 1808 mit Marie Luise Beatrix, Prinzessin von Modena, welche 17. April 1816 starb, und seit 1816 mit Karoline Auguste, Tochter des Königs Maximilian Joseph von Bayern; beide letztere Ehen blieben kinderlos. Von seinen Töchtern heiratete Marie Luise 1810 den Kaiser Napoleon I. Denkmäler sind ihm in Wien, Prag, Graz und Franzensbad errichtet. Vgl. Gräffer, Francisceische Kuriosa (Wien 1849); "Kaiser F. II. und seine Zeit" (Brüssel 1846); v. Hormayr, Kaiser F. und Metternich (Leipz. 1848); Meynert, Kaiser F. I. (Wien 1871-73, 2 Bde.).

[Anhalt.] 3) Leopold Friedrich F., Herzog von Anhalt-Dessau, s. Leopold.

[Bretagne.] 4) F. II., Herzog von Bretagne, Sohn des Grafen Richard von Etampes, folgte 1458 seinem Vetter Arthur III. in der Herrschaft über die Bretagne. Da König Ludwig XI. seine Selbständigkeit schmälern wollte, schloß er mit mehreren mißvergnügten französischen Großen die Ligue du bien public. Ludwig verlor die Schlacht von Montehéry und mußte sich zu dem Frieden von St.-Maur, 29. Okt. 1465, verstehen, worin er dem Herzog F. alle von diesem beanspruchten Rechte zugestand. Bald darauf geriet F. wegen der Normandie, die Ludwig dem Herzog von Berri genommen, von neuem mit dem König in Fehde, die durch den Frieden vom 10. Sept. 1472 nur zeitweilig beigelegt wurde; denn Ludwig fiel 1473 an der Spitze von 50,000 Mann in die Bretagne ein und nahm Ancenis und einige andre feste Plätze. Erst 1475, als Karl der Kühne von Burgund, der Verbündete des Herzogs F., mit Ludwig XI. sich verständigte, um freie Hand gegen Lothringen und die Schweizer zu bekommen, wurde ein dauernder Friede geschlossen, in welchem F. dem König Gehorsam und Lehnspflicht gelobte. Nach Ludwigs Tod wurde der Hof des Herzogs aufs neue der Sammelplatz der unzufriedenen französischen Großen, des Herzogs von Orléans, Grafen Dunois u. a., welche den Feudalis-^[folgende Seite]