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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Friedrichsdorf - Friedrichsorden.

Friedrichsdorf, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Obertaunus, Amt Homburg, hat eine renommierte Privaterziehungsanstalt (Realprogymnasium), Hut- und Saffianlederfabrikation und (1885) 1189 Einw. Der Ort ward 1687 von Hugenotten und Waldensern angelegt. Die Bewohner sprechen noch heute französisch.

Friedrichs Ehre, von Bode 1787 seinem König zu Ehren gebildetes Sternbild mit vier Sternen vierter Größe, Teil der Andromeda, zwischen dem Viereck des Pegasus und dem Kopf des Cepheus stehend, gegenwärtig nicht mehr üblich.

Friedrichsfeld, Dorf im bad. Kreis Mannheim, Knotenpunkt für die Linien Mannheim-Konstanz der Badischen Eisenbahn und Frankfurt a. M.-Heidelberg der Main-Neckarbahn, hat Tabaksbau und (1885) 1082 Einw., davon 442 Katholiken. Nordwestlich, dicht bei F., ist das Schlachtfeld von Seckenheim (30. Juni 1462), Sieg des Kurfürsten Friedrich des Siegreichen von der Pfalz.

Friedrichsfelde, Dorf und beliebter Vergnügungsort bei Berlin, Kreis Niederbarnim, an der Linie Berlin-Schneidemühl der Preußischen Staatsbahn, hat ein Schloß, Gartenbau und (1885) 2562 Einw. Im Schloß wurde 1772 der Prinz Louis Ferdinand geboren; vom Juli 1814 bis Anfang 1815 war es dem König Friedrich August von Sachsen zum Aufenthaltsort angewiesen.

Friedrichsgraben, Kanäle in den preuß. Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen, welche, 1689-97 von der Gräfin Katharina zu Waldburg angelegt, zur Verbindung der Flüsse Pregel und Memel dienen. Der 18 km lange Große F., zum Teil nur durch mühsam erhaltene Dämme von dem Kurischen Haff, das hierdurch umgangen wird, getrennt, vereinigt die mit dem Pregel verbundene Deime mit dem Nemonien, während der Kleine F. den Nemonien mit dem Memelarm Gilge verband. An Stelle des letztern ward 1833-34 der 12 km lange Seckenburger Kanal angelegt, der die Schiffahrt abkürzt und die starke Strömung des Kleinen Friedrichsgrabens vermeidet.

Friedrichsgrube, s. Tarnowitz.

Friedrichshafen, Stadt im württemberg. Donaukreis, Oberamt Tettnang, 410 m ü. M., am Bodensee und an der Linie Bretten-F. der Württembergischen Staatsbahn, besteht aus zwei Teilen: der alten, ehemaligen Reichsstadt Buchhorn und dem Kloster und Dorf Hofen, die durch eine lange Häuserreihe (die Neustadt genannt) miteinander verbunden sind. Das schönste Gebäude in F. ist das Schloß (die ehemalige Propstei Hofen), die gewöhnliche Sommerresidenz der königlichen Familie, in ungemein schöner Lage auf einem Vorsprung in den Bodensee und mit herrlicher Aussicht. An das Schloß schließt sich die frühere Kloster- und jetzige evang. Pfarrkirche mit ihren zwei hohen Türmen an. Die kath. Pfarrkirche steht in dem frühern Buchhorn. F. zählt (1880) 3053 Einw. (darunter 816 Evangelische), hat zwei Häfen und ist ein wichtiger Handelsort. Von hier aus wurde die Dampfschiffahrt auf dem Bodensee zuerst versucht. F. ist Sitz eines Hauptzollamts, hat eine höhere Töchterschule (Paulinenstift), eine Lederfabrik, Seebäder, eine Naturheilanstalt mit römisch-irischen Bädern und ist ein stark besuchter Sommeraufenthalt. - Buchhorn kommt schon in Urkunden von 837 unter dem Namen Buachihorn oder Puchihorn vor und war einst der Sitz mächtiger Grafen. Nach dem Aussterben derselben (1089) fiel das Besitztum an die Welfen und von diesen 1189 an die Hohenstaufen. 1275 erhielt die Stadt durch König Rudolf I. Reichsfreiheit. 1632 ward sie von den Schweden unter General Horn besetzt, der auf dem Bodensee eine kleine Flotte ausrüstete und 1634 die Kaiserlichen zurückschlug. Bald darauf verließen sie die Schweden, und der kaiserliche General Gallas zerstörte die Festungswerke. Nach Aufhebung der Reichsfreiheit (1802) kam die Stadt zuerst an Bayern, 1810 aber an Württemberg, dessen König sie alsbald mit dem Kloster Hofen verband und beiden den Namen F. gab. Das Kloster Hofen wurde 1050 gestiftet und war ursprünglich ein Benediktiner-Nonnenkloster; 1090 übergab es Welf IV. dem Kloster Weingarten, von dem es 1420 in eine Propstei umgewandelt und mit Mönchen besetzt wurde. Nach dem Brand von 1634 ward es 1695 durch den Abt von Weingarten neu aufgebaut und kam 1802 an den Fürsten von Nassau-Oranien, welcher es aufhob, 1804 durch Tausch an Österreich und 1805 durch den Preßburger Frieden an Württemberg. König Friedrich I. ließ den Hafen anlegen.

Friedrichshagen, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Niederbarnim, am Müggelsee, durch den die Spree fließt, und an der Eisenbahn Berlin-Sommerfeld, mit (1885) 4770 Einw.

Friedrichshall, 1) ehemalige Saline im Herzogtum Sachsen-Meiningen, Kreis Hildburghausen, beim Dorf Lindenau, an der Kreck, war schon 1151 im Betrieb, wurde aber von den Hussiten zerstört und erst 1714-38 wieder aufgebaut und F. genannt. Das hier gewonnene und in ziemlich allgemeinen Gebrauch gekommene Friedrichshaller Bitterwasser ist farblos, ohne Geruch, von salzig-bitterm Geschmack und enthält als wirksamste Bestandteile (in 1 Lit.) 7,956 Chlornatrium, 3,939 Chlormagnesium, 5,150 schwefelsaure Magnesia, 6,056 schwefelsaures Natron, 0,114 Brommagnesium etc. Vgl. "Das natürliche Friedrichshaller Bitterwasser und sein Gebrauch" (2. Aufl., Wien 1874). -

2) Saline und Steinsalzbergwerk mit Solbad im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Neckarsulm, zur Gemeinde Jagstfeld gehörig, am Einfluß der Jagst in den Neckar, erzeugt jährlich gegen 100,000 metr. Ztr. Siedesalz und ½ Mill. metr. Ztr. Steinsalz. -

3) Stadt in Norwegen, s. Frederikshald.

Friedrichshaller Kalk, s. Triasformation.

Friedrichshof, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Ortelsburg, an der Skwa, mit Schullehrerseminar und (1885) 2168 Einw.

Friedrichsorden, königlich württemberg. Orden, 1. Jan. 1830 gestiftet von König Wilhelm für Zivil- und Militärverdienst, hatte ursprünglich nur einen Grad und verlieh den Personaladel. Durch Statutenänderung von 1856 fiel letzterer weg, und der Orden hat jetzt fünf Klassen: Großkreuze, Kommandeure erster (mit Stern) und zweiter Klasse und Ritter (seit 1870) erster und zweiter Klasse. Die Insignien sind für die Großkreuze: ein goldenes achtspitziges Kreuz, weiß emailliert mit hellen Goldstrahlen in den Winkeln, vorn in der Mitte ein Rundschild, darin von matterm Golde das Bildnis König Friedrichs erhaben, auf dem blau emaillierten Rand aber die Umschrift in Gold: "Friedrich, König von Württemberg"; auf der Rückseite stehen auf weißem Grunde die Worte: "Dem Verdienst" sowie auf dem blauen Rand König Friedrichs Wahlspruch: "Gott und mein Recht" (in Gold); dazu ein achtspitziger Stern mit vier Hauptfeldern in Silber und goldenen Zwischenstrahlen; im mattgoldenen runden Mittelschild das Bild König Friedrichs mit der Unterschrift: "Gott und mein Recht". Das königsblaue Band wird von der rechten