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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fries

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Fries (Zeug) - Fries (Zuname).

Rundbogen; der Schuppenfries (Fig. 3), der Zahnfries (deutsches Band, Stromschicht, Fig. 4), bestehend aus diagonal auf die hohe Kante gestellten Backsteinen; der aus abwechselnden quadratischen, schachbrettartig geordneten Erhöhungen und Vertiefungen gebildete Schachbrettfries (Würfelfries, Fig. 5); im anglo-normännischen Baustil der Schnabelkopffries (Fig. 6, 7), der mit Cylinderabschnitten besetzte Rollenfries (Fig. 8) und der Doppelkegelfries (Fig. 9); der Rautenfries (Fig. 10, 11). So bezeichnet F. unter anderm den horizontalen Flächenstreifen zwischen dem Architrav und dem Kranzgesims der griechischen Säulenordnungen (s. die Tafel "Säulenordnungen", Fig. 1-9), zwischen dem Fenstersturz und der Verdachung von Fenstern und Thüren, zwischen der Wand und dem Gurt- oder Hauptgesims von Gebäudefassaden. Bei Holztäfelungen sind Friese die Flächenstreifen, welche zwischen die Füllungen und die Rahmen eingeschaltet sind, bei Fußböden die eingelegten schmalen, gewöhnlich dunkler gefärbten Holzstreifen, daher Friesboden. Friese heißen ferner die Reliefdarstellungen, welche sich oben rings um die Cella der antiken Tempel und um andre Gebäude des Altertums zogen, sowie die aus Reifen, Stäben, Rundstäben, Karniesen etc. bestehenden Verzierungen der Geschütze, womit die ältern derselben meist überladen sind.

^[Abb.: Fig. 4. Zahnfries (romanisch).]

^[Abb.: Fig. 3. Schuppenfries (romanisch).]

^[Abb.: Fig. 8. Rollenfries (normännisch).]

^[Abb.: Fig. 9. Doppelkegelfries.]

^[Abb.: Fig. 10 u. 11. Rautenfriese.]

Fries (Flaus), glattes oder geköpertes, grobes, starkes, nicht sehr fest geschlagenes, nur wenig gewalktes wollenes Gewebe mit langem Haar auf der Oberseite. Es wird aus geringer Landwolle und groben Kämmlingen dargestellt, und man nimmt zum Einschlag meist doppelt so starkes Garn wie zur Kette. Die Appretur nach dem Rauhen besteht in Bürsten und Pressen; nur die bessern Sorten werden stärker gewalkt, auch mehr oder weniger geschoren. Coating, Biber, Kalmuck, Düffel und der leichte, feine, ungeköperte Damenfries gehören hierher.

Fries, 1) Jakob Friedrich, Philosoph, geb. 23. Aug. 1773 zu Barby, Mitglied und Zögling der dortigen Brüdergemeinde, habilitierte sich 1801 als Privatdozent der Philosophie zu Jena, ward 1804 Professor und verfaßte daselbst seine ersten schriftstellerischen Versuche: "Reinhold, Fichte und Schelling" (Leipz. 1803), "Philosophische Rechtslehre" (Jena 1803) und "System der Philosophie als evidente Wissenschaft" (Leipz. 1804), die für ihn 1805 den Ruf als ordentlicher Professor der Philosophie und Elementarmathematik nach Heidelberg zur Folge hatten, von wo er 1816 als Professor der theoretischen Philosophie nach Jena zurückkehrte. Die "Neue oder anthropologische Kritik der Vernunft", sein Hauptwerk, in welchem er Kants "Kritik der reinen Vernunft" zu verbessern gedachte (Heidelb. 1807; 2. Aufl. 1828-31, 3 Bde.), das "System der Logik" (das. 1811, 3. Aufl. 1837), die von den Jenenser Studenten und allen deutschen Patrioten mit Begeisterung aufgenommene Schrift "Vom Deutschen Bund und deutscher Staatsverfassung" (das. 1817, 2. Aufl. 1831) und andre Werke waren Früchte seines Heidelberger Aufenthalts. Wegen seiner Teilnahme an dem Wartburgfest, von ihm selbst der "ausgezeichnetste Augenblick" seines Lebens genannt, wurde er im November 1819 vom philosophischen Lehramt suspendiert, fünf Jahre darauf (1824) aber zum Professor der Physik und Mathematik ernannt, und seit 1825 durfte er wieder philosophische Vorlesungen halten. Er starb 10. Aug. 1843. Außer den genannten sind von seinen Werken noch hervorzuheben: "Populäre Vorlesungen über die Sternkunde" (1813; 2. Aufl., Heidelb. 1833); "Über die Gefährdung des Wohlstandes und Charakters der Deutschen durch die Juden" (das. 1816); "Handbuch der praktischen Philosophie" (das. 1817-32, 2 Bde.); "Handbuch der psychischen Anthropologie" (Jena 1820-21; 2. Aufl., das. 1837-1839, 2 Bde.); "Mathematische Naturphilosophie" (Heidelb. 1822); "Julius und Evagoras, oder die Schönheit der Seele", philosophischer Roman (das. 1822, 2 Bde.); "Die Lehren der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung oder Hauptsätze der Glaubens- und Tugendlehre" (das. 1823); "System der Metaphysik" (das. 1824); "Polemische Schriften" (Halle 1824); "Geschichte der Philosophie" (das. 1837-40, 2 Bde.). F. gehörte als Mensch, Lehrer und nationaler Politiker zu den edelsten und reinsten Charakteren. Als Philosoph war er, der von Kant ausgegangen war, aber von Fichtes idealistischer Philosophie ebensowenig wie von Schellings Natur- und Identitätsphilosophie und von Hegels "metaphysischem Pilz" etwas wissen mochte, bestrebt, diesen durch den Realismus der Jacobischen Gefühlsphilosophie zu ergänzen. Kant hatte seiner Ansicht nach darin gefehlt, daß er 1) obgleich er das Dasein apriorischer Elemente in unsrer Erkenntnis behauptet, doch die Frage, ob die Erkenntnis derselben a priori oder a posteriori sei, nicht aufgeworfen habe; daß er 2) das Dasein des Dinges an sich, obgleich dessen Erkenntnis nur auf dem (subjektiven) Schluß von der Wirkung auf die Ursache außer uns beruht, für einen Gegenstand möglichen Wissens erklärt habe. Erstern Mangel trachtete F. durch seine neue oder anthropologische Kritik der Vernunft, diesen durch die Erhebung des (Jacobischen) Gefühls (an der Stelle des Denkens) zum eigentlichen Erkenntnisprinzip zu verbessern. Daß und wie wir Erkenntnisse besitzen, dessen könne man sich nur durch innere Erfahrung bewußt werden; Psychologie und zwar auf innerer Erfahrung beruhende, empirische, müsse die Basis aller Philosophie bilden. Durch dieselbe wird der Besitz eines (wie es auch Kant gewollt) dem menschlichen Geist innewohnenden a priori (räumliche und zeitliche Anschauungsform, Kategorien etc.) auf aposteriorischem Weg dargethan, welches wir zu dem Gegebenen hin-^[folgende Seite]