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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fries

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Fries.

zuthun, und dadurch Metaphysik und Mathematik als von aller Erfahrungswissenschaft spezifisch unterschiedene apriorische Wissenschaften ermöglicht. Alles mögliche Wissen (apriorisches wie aposteriorisches, mathematisches wie empirisches) jedoch erstreckt sich nur auf die Erscheinungen und geht nicht über dieselben hinaus; äußere wie innere Erfahrung beschränken sich (jene auf die physikalische, materielle, diese auf die psychologische, spirituelle) auf die Erscheinungsweise der Dinge an sich, ohne zu diesen selbst zu gelangen. Physikalische und psychologische Wissenschaft verhalten sich wie Materialismus und Spiritualismus (Ausdehnung und Denken); wer in der erstern allein steht, langt bei de la Mettrie, wer in der letztern, bei Berkeley an. Das Wesen der Dinge offenbart sich jedem von beiden in einer ganz andern Sprache, deren keine es ganz ausspricht. Die Wissenschaft (physikalische wie psychologische) steht dem Wesen der Dinge gegenüber im Unvollendbaren, ist "Stückwerk"; dieses selbst, das Vollendete, ist nicht dem Denken (Vorstellen, Erkennen), sondern nur dem Gefühl zugänglich, das, mit jenem verglichen, das höhere Erkenntnisprinzip, aber (gleichsam zum Ersatz dafür), mit der Klarheit des Gedankens verglichen, allerdings dunkel ist. Die im Gefühl wurzelnde Überzeugung von der Existenz des Vollendeten als ewigen Wesens der Dinge (welche das Wissen niemals gewähren kann) ist Glaube, der daher die (allein völlig befriedigende) Ergänzung des (an sich unvollendbaren und daher niemals wahre Befriedigung gewährenden) Wissens ist. Allem Handeln der Vernunft liegt der Glaube an Wesen und Wert, zuhöchst an die gleiche persönliche Würde der Menschen zu Grunde, aus diesem Prinzip fließen die sittlichen Gebote. Die Veredelung der Menschheit ist die höchste sittliche Aufgabe. Die Vermittelung zwischen Wissen und Glauben liegt in der Ahnung des Vollendeten im Unvollendbaren, welcher die ästhetisch-religiöse Betrachtung angehört. Im Gefühl des Schönen und Erhabenen wird das Endliche als Erscheinung des Ewigen angeschaut; in der religiösen Betrachtung wird die Welt nach Ideen gedeutet; die Vernunft ahnt in dem Weltlauf den Zweck, in dem Leben der schönen Naturgestalten die allwaltende Güte. Diese ästhetisch-religiöse Begeisterung, welche die Schönheit zur Qualität des Seienden und zugleich die welterlösende Liebe zum Wesen der Schönheit erhebt, hat dieser Philosophie (wie jener Jacobis) die gefühlvollen Gemüter, die "mathematisch-physikalische Richtung", welche die Welt der Erscheinungen durchaus dem mathematisch-physikalischen Wissen für zugänglich und auch die Organismen aus der Wechselwirkung aller Teile mechanisch erklärt, ihr die Naturforscher gewonnen. Unter jenen ist De Wette, unter diesen sind Apelt, Schmidt, Schlömilch und besonders Schleiden hervorzuheben. Vgl. Henke, J. F. F. aus seinem handschriftlichen Nachlaß dargestellt (Leipz. 1867, auch das Fragment einer Autobiographie enthaltend). 1873 wurde F. zu Jena eine Büste errichtet.

2) Elias Magnus, Botaniker, geb. 15. Aug. 1794 im Sprengel Femsjö in Småland, studierte zu Lund Naturwissenschaften, habilitierte sich daselbst als Dozent der Botanik, ward 1824 Professor und 1828 Demonstrator jener Wissenschaft und erhielt 1834 die Professur der praktischen Ökonomie in Upsala, mit welcher 1851 die Professur der Botanik vereinigt wurde. In den Reichsversammlungen von 1844 bis 1845 und 1847 bis 1848 war er auch Deputierter für die Universität Upsala, und 1851 ward er zum Direktor des botanischen Gartens und des botanischen Museums ernannt. 1859 emeritiert, starb er 8. Febr. 1878 in Upsala. Sein "Systema mycologicum" (Greifsw. 1820-32, 3 Bde.), welches in dem "Elenchus fungorum" (das. 1828, 2 Bde.) und in den "Novae symbolae mycologicae" (Upsala 1851) Ergänzungen erhielt, galt längere Zeit als Hauptwerk für die Systematik der Pilze. Die kürzere Darstellung in der "Summa vegetabilium Scandinaviae" (Stockh. 1846-49, 2 Bde.) ist als das einzige relativ vollständige systematische Verzeichnis der Pilze bis heute unentbehrlich geblieben. In der neuern Zeit veröffentlichte F. mehrere Werke über die Hymenomyceten: "Monographia hymenomycetum Sueciae" (Upsala 1857-63, 2 Bde.), eine vollkommnere und umfassendere Darstellung seiner "Epicrisis systematis mycologici seu synopsis hymenomycetum" (das. 1836-38); "Sveriges ätliga och giftiga svampar, fungi esculenti et venenati Scandinaviae" (Stockh. 1862-69, mit 93 kolorierten Tafeln) und "Icones selectae hymenomycetum nondum delineatorum" (das. 1867-75, mit kolorierten Tafeln). Außerdem schrieb er: "Lichenographia europaea reformata" (Lund u. Greifsw. 1831); "Enumeratio lichenum et byssaceorum Scandinaviae hucusque cognitorum" (Upsala 1843); "Schedulae criticae de lichenibus exsiccatis Scandinaviae" (Lund 1727-33, 14 Bde.); "Novitiae florae suecicae" (das. 1814-23) und davon die "Editio altera auctior et in formam commentarii in Wahlenbergii floram suecicam reducta" (das. 1828) sowie deren Fortsetzung (das. 1832-42); "Flora scanica" (Upsala 1835); ferner: "Symbolae ad historiam hieraciorum" (das. 1847-48); "Epicrisis generis hieraciorum" (das. 1862); "Symbolae ad synonymiam hieraciorum" (das. 1866). Eine Reihe kleinerer Arbeiten erschien gesammelt in der "Botaniska utflygter" (Upsala 1843-64, 3 Bde.). Die Schrift "Äro naturvetenskaperna något bildningsmedel?" erschien deutsch unter dem Titel: "Sind die Naturwissenschaften ein Bildungsmittel?" (Leipz. 1844).

3) Ernst, Maler, geb. 22. Juni 1801 zu Heidelberg, bildete sich unter der Leitung des ältern Rottmann und von Karl Kuntz zum Landschaftsmaler, war sodann Zögling der Münchener Akademie, besuchte die Rheinlande und verweilte 1823-27 in Italien. Nach seiner Heimkehr lebte er in München und seit 1831 als Hofmalerin Karlsruhe, wo er 11. Okt. 1833 starb. Seine meist italienischen Landschaften zeichnen sich durch eine sinnige und poetische Auffassung der Natur bei stilisierender Formenbehandlung aus. Dabei ist die Behandlung fleißig, das Kolorit warm, kräftig und harmonisch.

4) Bernhard, Landschaftsmaler, Bruder des vorigen, geb. 16. Mai 1820 zu Heidelberg, erhielt seinen ersten Unterricht bei dem Historienmaler Koopmann in Karlsruhe, besuchte 1835-1837 die Münchener Akademie und ging im Frühjahr 1838 nach Italien, von wo er 1846 in die Heimat zurückkehrte. Unter seinen Gemälden sind anzuführen: eine Fernsicht auf den Montblanc, Blick auf den Comersee, die Felsschlucht bei Nemi, der Genfer See, das Neckarthal, die Umgebung Heidelbergs und ein Sturm. Als seine hervorragendste Schöpfung ist der Cyklus von 40 italienischen Landschaften zu bezeichnen, welche in manchem Betracht dem berühmten Rottmannschen Cyklus, der auch sein hauptsächlichstes Vorbild war, an die Seite gestellt zu werden verdienen. Nach dessen Vollendung 1866 ließ er italienische Ansichten: Palermo und die Mamellen (bei Schack in München), Civitella, Gardasee etc., mit Ansichten von Heidelberg und