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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Froude; Froward; Frucht

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Froude - Frucht.

Froude (spr. fruhd'), James Anthony, bedeutender engl. Geschichtschreiber, geb. 23. April 1818 als Sohn eines Geistlichen zu Dartington in Devonshire, studierte, in der Westminsterschule erzogen, zu Oxford und wurde 1842 zum Fellow des Exeter College daselbst gewählt. Eine Zeitlang stand F. mit Newman und den Puseyiten in Verbindung, nahm an den Arbeiten für die "Lives of the English saints" teil und erhielt 1844 die ersten Weihen. Doch ging bald eine vollständige Wandlung in seinen Anschauungen vor sich. Zwei Schriften, die "Shadows of the cloud" (1847) und die "Nemesis of faith" (1848), ließen eine ausgesprochene Hinneigung zum Rationalismus erkennen und wurden von den Behörden der Universität verurteilt. Dies hatte Froudes Austritt aus dem Verhältnis zu der Universität wie aus dem geistlichen Stand zur Folge; doch verblieb er innerhalb der Episkopalkirche. Seit 1850 war er Mitarbeiter an der "Westminster Revier" und an "Fraser's Magazine" und machte die Geschichte Englands im Reformationszeitalter zum Gegenstand eingehender Studien, für die er nicht nur die einheimischen, sondern das für jene Zeit besonders wichtige spanische Staatsarchiv in Simancas benutzte. Aus diesen umfassenden Vorarbeiten ging ein großartig angelegtes Werk hervor, die "History of England from the fall of Wolsey to the death of Elizabeth" (Lond. 1856-70, 12 Bde.; neue Ausg. 1881). Mit dem 12. Band ist das Werk abgeschlossen, obgleich es die Verheißung des Titels: "bis zum Tode der Königin Elisabeth" nicht erfüllt und nur bis 1588 geht. Das Werk wurde von der Kritik wegen der umfassenden Quellenforschung, auf welcher es beruht, und wegen der glänzenden Darstellung als eine bedeutende Erscheinung anerkannt, fand aber auch viele Anfechtung wegen der leidenschaftlichen Parteinahme für Heinrich VIII., dessen Härte und Willkür F. mit allen Mitteln der Sophistik verteidigt, sowie wegen der öfters geradezu ungerechten Beurteilung der Königin Elisabeth. Froudes Hauptstärke ist die kunstvolle Detailmalerei, welche glühende Farben aufträgt, aber oft so stark, daß seine Schilderungen unwahr und karikiert werden. Auch sichtet er die reichen Materialien, die er durch fleißige Quellenforschung gewonnen hat, nicht sorgfältig genug. Außerdem sind noch von ihm zu nennen: "Influence of the Reformation on the Scottish character"; "Short studies on great subjects" (Lond. 1867-1882, 4 Bde.; neue Ausg. 1883); "The English in Ireland in the eighteenth century" (das. 1873-74, 3 Bde.; neue Ausg. 1881); "Caesar, a sketch" (1879). 1872 machte F. eine Reise nach Nordamerika, wo er Vorlesungen hielt; 1874-75 wurde er von der englischen Regierung nach dem Kapland gesandt, um über den Kaffernaufstand Erhebungen anzustellen und die Vereinigung der südafrikanischen Kolonien zu einem Bund anzubahnen, was aber nicht gelang. Als litterarischer Testamentsvollstrecker Carlyles gab er dessen "Reminiscences" (1881, 2 Bde.) und "Letters and memorials of Jane Welsh Carlyle" (1883, 3 Bde.) heraus, weswegen er der Indiskretion und des Mangels an Pietät beschuldigt wurde, und schrieb Carlyles Biographie ("Thomas Carlyle, a history of the first forty years of his life", 1882, 2 Bde.). Seine neueste Schrift ist "Oceana, or England and her colonies" (1886), die Frucht einer Reise durch Südafrika und Australien, in welcher er für ein Reichsparlament plaidiert, in dem auch Vertreter der Kolonien Sitz und Stimme haben.

Froward (spr. froh-erd), Kap, die Südspitze des südamerikan. Festlandes, auf einer in die Magelhaensstraße vorspringenden Halbinsel, welche die chilenische Kolonie Punta Arenas (s. d.) trägt.

Frucht (lat. Fructus), bei den Pflanzen jedes Organ, welches unmittelbar oder mittelbar der Fortpflanzung dient, indem es selbst der Keim für ein neues Individuum ist oder einen solchen in sich schließt, oder aber einen besondern Behälter oder Träger darstellt, in oder auf welchem die Ausbildung der Keime stattfindet. Im engern Sinn gebraucht die Botanik diesen Ausdruck nur bei den Phanerogamen und bedient sich für jenen weitern Begriff lieber der allgemeinen Bezeichnung Fruktifikationsorgane. Bei den Phanerogamen bedeutet F. denjenigen nach stattgefundener Befruchtung weiter ausgebildeten Teil der Blüte, in welchem die Samen unmittelbar eingeschlossen sind, also das vergrößerte und ausgebildete Ovarium (s. Blüte, S. 68). Besitzt die Blüte nur einen einzigen Fruchtknoten, so geht aus ihr auch nur eine einzige F. hervor. Sind aber ihre Karpelle zu mehreren einblätterigen Pistillen ausgebildet (s. Blüte, S. 67), so wird aus jedem derselben eine F. Hiervon zu unterscheiden ist das Verhältnis, wo der einzige Fruchtknoten einer Blüte bei der Reife in mehrere samenbergende Teile zerfällt, deren jeder für sich geschlossen bleibt und gleichsam eine besondere F. darstellt. Solche Früchte heißen Spaltfrüchte (schizocarpia) und die Teile, in die sie zerfallen, Teilfrüchtchen (mericarpia). Bei den Umbelliferen bleibt ein mittlerer Teil der F. zwischen den beiden Teilfrüchtchen stehen in Form eines nach oben gabelig gespaltenen, stielförmigen Körpers, des sogen. Fruchtträgers (carpophorum), an dessen beiden Gabelenden die Teilfrüchtchen aufgehängt sind. Diese Früchte der Umbelliferen werden Doppelachenien (diachenia) genannt. Bei andern Spaltfrüchten stehen die Merikarpien in keiner Beziehung zu den Fächern des Fruchtknotens; letzterer, dann gewöhnlich von vorwiegender Längenausdehnung, zerfällt durch quer gehende Spaltung in eine Reihe übereinander stehender Glieder und wird dann als Gliederfrucht, Gliederhülse oder Gliedernuß (lomentum) bezeichnet. Allgemein sind die Teilfrüchtchen einsamig und als Nüsse (s. unten) ausgebildet; sie fallen gesondert ab. Wird der Fruchtknoten zu einer einfachen F., so finden wir in der letztern im allgemeinen ebensoviel Fächer, als jener besaß, so daß ein und mehrfächerige Früchte zu unterscheiden sind. Bisweilen bildet aber bei mehrfächerigen Fruchtknoten fast regelmäßig nur ein Fach seine Samen aus; diejenigen der andern Fächer schlagen fehl, und indem das fruchtbare Fach sich allein beträchtlich ausdehnt, drückt es die übrigen bis zum Verschwinden zusammen. Solche Früchte sind sodann durch Fehlschlagen einfächerig (Eichel, Ulme, Linde). Anderseits kann aber auch infolge der Bildung falscher Scheidewände während der Ausbildung der F. die Zahl der Fächer vermehrt werden (Cassia fistula). Die Zahl der Samen, welche eine F. enthält, ist gewöhnlich etwas geringer als die der Samenknospen im Fruchtknoten, indem einige der letztern nicht befruchtet oder doch wenigstens nicht ausgebildet werden. Bei der Ausbildung des Ovariums zur F. wandelt sich die Wand desselben zur Fruchtwand (Fruchtgehäuse, pericarpium) um. Bei der Reife bleibt das Fruchtgehäuse entweder ganz, so daß die die Samen enthaltende Fruchthöhle nicht geöffnet wird, und die F. trennt sich auch in dieser geschlossenen Form von der Pflanze ab (Schließfrucht), oder das Perikarpium springt oder reißt bei der Reife an bestimmten Stellen auf, so daß die Fächer geöffnet werden und die Samen frei heraus