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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fulda

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Fulda (Stadt).

althessischen Gerichten Friedewald und Heringen, wurde nun eine Provinz des Kurstaats gebildet, die aus den Kreisen F., Hersfeld, Hünfeld und Schmalkalden bestand, aber infolge des Kriegs von 1866 mit ganz Kurhessen an Preußen fiel, das von Bayern dazu auch den Kreis Gersfeld (mit den ehemaligen fuldaischen Ämtern Hilders und Weyhers) gewann. Das Bistum F. ist 1829 neu konstituiert worden; Bistumsverweser war seit dem Tode des Bischofs Kött (gest. 1874) Domkapitular Hahne, der ziemlich gemäßigt war, allein, durch die Bischöfe gedrängt, einem Konflikt mit der Regierung nicht ganz hat ausweichen können. Nach dessen Tod (November 1880) wurde 1881 Kopp zum Bischof erhoben. Vgl. Schannat, Historia Fuldensis (Frankf. 1729); Dronke, Codex diplomaticus Fuldensis (Kassel 1850); Heppe, Die Restauration des Katholizismus in F. (Marb. 1850); Arnd, Geschichte des Hochstifts F. (Fulda 1860); Gegenbaur, Das Kloster F. im Karolinger Zeitalter (das. 1871-74); Komp, Fürstabt Johann Bernhard, Schenk zu Schweinsberg (das. 1878).

Fulda, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, 255 m ü. M., am rechten Ufer des Flusses F., Knotenpunkt der Linien Frankfurt-Bebra-Göttingen der Preußischen Staatsbahn und Gießen-F. der Oberhessischen Eisenbahn, im alten Buchgau (Buchonia), ist unregelmäßig gebaut und teilweise noch mit Mauern umgeben. Unter den öffentlichen Plätzen sind der Domplatz und der Schloßplatz die ausgezeichnetsten; auf letzterm steht seit 1842 das kolossale Erzstandbild des heil. Bonifacius. Der Dom, an Stelle der sechsmal durch Flammen verheerten alten Basilika aufgeführt, ward von 1704 bis 1712 nach dem Muster der Peterskirche in Rom erbaut und ist 99 m lang. Die Vorderseite schmücken zwei Doppeltürme von 57 m Höhe, und die Kuppel erhebt sich 39 m hoch. Ein Überrest des alten Baues ist die Krypte (Bonifaciuskapelle) unter dem Hochaltar, wo in einem reichverzierten Sarkophag die Gebeine des "Apostels der Deutschen" ruhen. Im Domschatz werden außerdem verschiedene auf ihn bezügliche Reliquien (sein Bischofstab, Evangelium etc.) aufbewahrt. Dem Dom gegenüber steht die ehemalige Propstei St. Michael, seit 1831 die Wohnung des Bischofs, mit der kleinen und interessanten, von Lange restaurierten St. Michaelskirche, die 822 vollendet wurde und im wesentlichen die ursprüngliche Anlage (eine Nachahmung des Heiligen Grabes) noch jetzt zeigt (vgl. v. Dehn-Rothfelser, Mittelalterliche Baudenkmäler in Kurhessen, Kassel 1862). Andre ausgezeichnete Gebäude sind: die Bibliothek, das stattliche, im Palaststil des vorigen Jahrhunderts errichtete Schloß mit Garten und Orangerie, das 1625 gestiftete Benediktinerkloster, die Militärkaserne (ursprünglich ein 1238 gestiftetes Minoritenkloster) etc. Im ganzen besitzt F. 6 Kirchen und mehrere Kapellen. Die Industrie der Einwohner, deren Zahl 1885 mit Garnison (eine reitende Abteilung Feldartillerie Nr. 11) 12,226 betrug (darunter 1880: 3347 Evangelische und 602 Juden), erstreckt sich auf Kammgarnspinnerei, Baumwollweberei, Damast- und Sackleinwandfabrikation (Fuldaer Leinwand), Plüsch-, Filztuch-, Wachslichtfabrikation, Wollfärberei, Gerberei, Wachsbleicherei, Salpetersiederei, Verfertigung vorzüglicher Blasinstrumente etc. Seit neuerer Zeit sind auch der Getreidehandel und der Viehhandel von Bedeutung; jährlich finden neun Rindviehmärkte und wöchentlich ein Schweinemarkt statt. F. ist der Sitz eines Bischofs, eines Domkapitels, eines Amtsgerichts, eines Steueramtes etc. An Unterrichtsanstalten bestehen: ein Gymnasium, ein Realprogymnasium, eine katholische und eine evangelische höhere Töchterschule, ein kath. Schullehrerseminar, eine Landesbibliothek mit etwa 50,000 Bänden (1778 gegründet); an Wohlthätigkeitsanstalten: ein Hospital (im 13. Jahrh. gestiftet) nebst Waisenhaus, ein Landkrankenhaus (1805 gegründet) etc. In der Umgebung Fuldas sind besonders der Frauenberg (s. d.), der Kalvarienberg (an dessen Fuß der Bonifaciusbrunnen), Petersberg und Johannesberg zu erwähnen. 10 km östlich liegt Bieberstein, das ehemalige Jagdschloß der fuldaischen Bischöfe.

F. entstand infolge der Gründung der gleichnamigen Abtei (s. oben), um welche sich bald ein Dorf (mit einer 779 eingeweihten Kirche) ansiedelte, das 1162 befestigt, 1208 zur Stadt erhoben ward und eifersüchtig über seine Rechte gegen die Anmaßungen der Äbte wachte. Letztere besaßen schon eine Burg neben dem Kloster; als Abt Heinrich (vor 1320) noch eine zweite innerhalb der Stadt errichtete, erstürmten die Bürger mit Hilfe des Grafen Johann von Ziegenhain beide Burgen des Abtes und zerstörten die neue Burg samt Turm und Ringmauern. Auf Klage des geflüchteten Abtes beim Kaiser wurden die Stadt und der Graf in die Reichsacht erklärt; später (1331) vermittelte der triersche Erzbischof Balduin eine Sühne, infolge deren die Bürger den Turm und die Ringmauern der neuen Burg wiederherstellen und bedeutende Entschädigungen zahlen mußten. Die im 14. Jahrh. auch in F. ausbrechende Pest schrieb der Aberglaube den Juden zu, und 600 derselben fanden einen martervollen Tod. Im Bauernkrieg wurden auch Stadt und Kloster F. von den Bauern erobert; als aber der Landgraf Philipp von Hessen mit einem starken Heer nahte, ergaben sich die Bauern nach kurzem Widerstand, worauf die Stadt gebrandschatzt und vom Koadjutor an Hessen bis zur Zahlung der Kriegskosten verpfändet wurde. Da dieser Vertrag nicht eingehalten wurde, so eroberte der Landgraf die Stadt (28. Jan. 1528) nochmals, und es lag nun zehn Monate lang eine hessische Besatzung in derselben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 20. Juni 1640 durch schwedische Streifkorps hart bedrängt. 1734 erhielt F. eine Universität, die indessen 1804 in ein Gymnasium verwandelt wurde. Im Siebenjährigen Krieg ward F. 1762 von einem hannöverschen Korps unter Luckner genommen. Am 2. Nov. 1850 wurde es von den Preußen besetzt, aber nach dem Zusammenstoß ihrer Vorposten mit den Österreichern bei Bronnzell 9. Nov. freiwillig geräumt und dann auf kurze Zeit von den Bayern besetzt. Im Krieg von 1866 besetzten es die Preußen 6. Juli abermals. Die Stadt F. ist ein Hauptbollwerk des Ultramontanismus im Deutschen Reich. Mehrmals in neuester Zeit haben daselbst die Bischöfe des Reichs getagt und in