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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gaillarde - Gaisford.

nach Botticelli (1872) und das Porträt Pius' IX. nach eigner Zeichnung (1874). Für die "Gazette des beaux-arts" stach er in treuester Wiedergabe des Marmors die Abenddämmerung nach Michelangelo. In seinen Gouache- und Ölbildern, namentlich in seinen sehr beliebten Porträten, lehnt er sich an andre Meister (Jan van Eyck, Holbein und van Dyck) an, weiß aber bei großer Sorgfalt trefflich zu individualisieren. 1876 wurde er Ritter der Ehrenlegion.

Gaillarde (franz., spr. gajárd; Gagliarda), alte franz. Tanzform, auch Romanesca genannt, was auf einen italienischen Ursprung deutet (Romagna). Die G. hielt sich im ¾-Takt in mäßig geschwinder Bewegung und hatte, wie die Pavane, drei Reprisen von 4, 8 oder 12 Takten; ihr Charakter war ein kräftiger, energischer. - In den französischen Buchdruckereien heißt G. eine Schrift mittlerer Größe (8 Punkte), etwa der deutschen Petit (s. d.) entsprechend.

Gaillardin (spr. gajardang), Claude Joseph Casimir, franz. Geschichtsforscher, geb. 7. Sept. 1810 zu Doullens, besuchte in Paris das Collège St.-Louis, wurde 1828 in die Normalschule aufgenommen und darauf Geschichtslehrer am Lycée Louis le Grand; starb 29. Dez. 1880. Er schrieb: "Vie du R. P. dom Étienne, fondateur et abbé de la Trappe d'Aiguebelle" (1840); "Histoire du moyen-âge" (1837-1843, 3 Bde.); "Les Trappistes, ou l'ordre de Cîteaux au XIX. siècle" (1844, 2 Bde.); "Histoire du règne de Louis XIV" (1871-79, 6 Bde.), ein von der Akademie gekröntes Werk.

Gaillon (spr. gajóng), Stadt im franz. Departement Eure, Arrondissement Louviers, unfern der Seine, an der Westbahn, hat ein großartiges, 1515 erbautes Schloß, seit 1812 Gefängnis (ein prachtvolles Portal davon schmückt jetzt den Palast des Beaux-Arts in Paris), und (1876) 3126 Einw., welche Baumwollspinnerei, Fabrikation von Bürsten, Schuhwaren etc. betreiben.

Gailthaler Schichten, s. Steinkohlenformation.

Gaîment (franz., spr. ghemáng), heiter, lustig, munter (als musikalische Vortragsbezeichnung).

Gain (Ghain), strategisch wichtige, aber sehr verfallene Stadt in der pers. Provinz Chorasan, unweit der afghanischen Grenze, welche mehrere Straßen nach Herat beherrscht und 1872 zum erstenmal von Europäern (der englischen Kommission zur Feststellung der persisch-afghanischen Grenze), dann 1875 vom Obersten Mac Gregor besucht worden ist. Die Stadt hat weite Ringmauern, zählte aber 1877 nur noch ca. 4000 meist tatar. Einwohner. Fabriziert werden Teppiche und Seidenstickereien, exportiert hauptsächlich Safran.

Gainas, röm. Feldherr, Gote von Geburt, diente 395 in dem Heer, das Stilicho nach dem Tode des Kaisers Theodosius d. Gr. dem Arcadius gegen die Westgoten zuführte. Als der Minister des oströmischen Reichs, Rufinus, Stilicho die Fortsetzung des Marsches aus Eifersucht untersagte, erhielt G. von Stilicho den Auftrag, das Heer weiter nach Konstantinopel zu führen und dort Rufinus zu töten. Dies geschah, aber der an die Stelle des Rufinus getretene Eunuch Eutropius erregte G.' Unzufriedenheit bald in noch weit höherm Grad als jener; letzterer verband sich daher 399 mit einem Empörer, dem Ostgoten Tribigild, gegen den ihm der Oberbefehl anvertraut worden war, bewirkte dadurch den Sturz des Eutropius und nötigte den schwachen Kaiser, ihn mit einem Teil seines Heers in Konstantinopel aufzunehmen. Seine Truppen erregten aber in Konstantinopel während seiner Abwesenheit durch ihre Zügellosigkeit und dadurch, daß sie für sich eine arianische Kirche forderten, eine Empörung des Volkes, in welcher ihrer 7000 niedergemacht wurden. G. wandte sich mit dem Rest seiner Truppen nach Thrakien und begann Krieg gegen das oströmische Reich, fiel aber im Kampf mit einem hunnischen Heerhaufen (Ende 400).

Gainsborough (spr. gähnsboro), Stadt in Lincolnshire (England), am schiffbaren Trent und für Seeschiffe von 200 Ton. zugänglich, hat eine bemerkenswerte Kirche (mit Turm aus dem 12. Jahrh.), ein von John von Gaunt erbautes Manor House (jetzt Kornbörse etc.), Handel mit Ölkuchen, Malz und Eisen und (1881) 10,964 Einw.

Gainsborough (spr. gähnsboro), Thomas, engl. Maler, geb. 1727 zu Sudbury in Suffolk, kam, zwölf Jahre alt, nach London, wurde hier erst des Kupferstechers Gravelot Schüler und Zögling der alten Akademie zu St. Martin's Lane und setzte später unter Frank Haymans Leitung seine Studien fort. Erst in Ipswich, dann in Bath seßhaft, war er zunächst nur als Porträtmaler gesucht, und seine Landschaften gewannen erst spät neben denen Wilsons Geltung. Von 1774 an in London wohnend, nahm er in der Landschaftsmalerei Wynants und Ruisdael zum Muster, hielt sich jedoch hauptsächlich an die ihn zunächst umgebende Natur und wurde hierin der Begründer der den Engländern eigentümlich gewordenen Behandlungsweise. Er starb 2. Aug. 1788 in London. Als seine besten Werke gelten: The watering place und The market cart in der Nationalgalerie, The woodman in the storm und The blue boy in der Devonshiregalerie. Viele stachen nach ihm. Vgl. Fulcher, Life of G. (Lond. 1856); Brock-Arnold, T. G. and J. ^[John] Constable (das. 1881).

Gaio (Porto G., Gaion), Hafenstadt auf der Südostküste der griech. Insel Paxo, Sitz eines griechisch-katholischen Bischofs, mit 1000 Einw.

Gairdner (spr. gärd-), großer Salzsumpf in Südaustralien, auf der Eyriahalbinsel, 200 km lang und 15-50 km breit, umgeben von zahlreichen kleinern Salzsümpfen (Island Lagoon, Lake Harris, Everard, Hart, Salt Lake u. a.), liegt auf einer wüsten Hochebene, die im S. von den Gawler Ranges, im N. von den Stuart Ranges begrenzt wird.

Gais, Dorf im schweizer. Kanton Appenzell-Außerroden, 934 m ü. M., mit (1880) 2505 Einw., berühmt als die Mutter aller Molkenkurorte, zu Heilzwecken seit 1749, zuerst von Zürich aus, besucht. Bei G., an der Paßstraße nach Altstätten, liegt die Kapelle am Stoß, bekannt durch den Sieg der Appenzeller über den Herzog Friedrich von Österreich 17. Juni 1405.

Gaisberg, Berg in den Salzkammergutalpen, im O. von Salzburg, 1286 m hoch, wegen des schönen und umfassenden Alpenpanoramas, das man von seinem Gipfel genießt, sehr besucht.

Gaisford (spr. gäs-), Thomas, bedeutender engl. Philolog, geb. 22. Dez. 1779 zu Iford in Wiltshire, studierte zu Oxford, wurde 1811 Professor der griechischen Sprache daselbst, 1845 Rektor zu Westwell, 1847 Dechant vom Christ-Church-College und Kurator der Bodleiana in Oxford; starb 2. Juni 1855 daselbst. Er edierte: "Andronici Rhodii Ethic. Nicom. paraphrasis" (Oxf. 1809); Euripides' "Hecuba, Orestes et Phoenissae" (das. 1809) und "Supplices" (das. 1818, Leipz. 1822); "Hephaestionis enchiridion" mit "Procli chrestomathia" (Oxf. 1810; neue Aufl. mit "Terentiani Mauri de syllabis et metris", 1855, 2 Bde.); "Poetae graeci minores" (das. 1814-20, 4 Bde.; Leipz. 1823, 5 Bde.); Stobäus' "Florilegium"