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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Galactodendron - Galantin.

tionen werden bedingt durch den Charakter der feierlichen Anlässe, je nachdem Kour-, Tafel-, Ball-, Ordens- oder Trauerfeste begangen werden. Der Ausdruck G. wird am richtigsten vom arabischen halj ("Schmuck") abgeleitet.

Galactodéndron Hb. et B. (Brosimum Sw., Milchbaum, Kuhbaum), Gattung aus der Familie der Urtikaceen, mit der einzigen Art G. utile Hb., einem über 30 m hohen Baum, welcher in den Gebirgen bei Cariaco große Wälder bildet und längs der ganzen Küste von Venezuela wächst, hat einen Stamm von 2-2,5 m Durchmesser, entwickelt seine mächtige Krone erst in einer Höhe von 20 m, mit großen, wechselständigen, ungeteilten, länglichen, lederartigen Blättern, einhäusigen Blüten und walnußartigen, einsamigen Früchten. Aus Einschnitten im Stamm fließt reichlich ein weißer Milchsaft, welcher zwar etwas klebrig ist, aber sehr angenehm riecht und schmeckt und als Surrogat der Kuhmilch benutzt wird. Man rühmt seine Nahrhaftigkeit und Zuträglichkeit für die Gesundheit; er reagiert schwach sauer (von Buttersäure) und bildet an der Luft oder beim Kochen eine dünne Haut auf der Oberfläche, unter welcher sich eine ölige Flüssigkeit abscheidet. Der Saft soll auch Eiweiß und Faserstoff (Kleber) enthalten; doch wird dies von andern in Abrede gestellt und dafür Kautschuk unter den Bestandteilen, zu welchen auch Zucker, Dextrin und Salze gehören, aufgeführt.

Galacz, Stadt, s. Galatz.

Galago, s. Ohraffe.

Galaktisch (griech.), die Milchstraße (s. Galaxias) betreffend.

Galaktocele (Milchbruch), die Erweiterung eines verschlossenen Milchganges der Brustdrüse durch Milch.

Galaktometer (Galaktoskop, griech.), s. Milch.

Galaktophora (griech.), Milchabsonderung befördernde Mittel.

Galaktorrhöe (griechisch, Milchfluß), zu starke, krankhaft vermehrte Milchabsonderung, wirkt schwächend, ruft Blutarmut und Nervosität hervor und wird durch Druckverbände, knappe Diät und Jodkalium bekämpft. Beim Wiedereintreten der Menstruation pflegt die G. zu verschwinden.

Galaktose, s. Milchzucker.

Galam, afrikanisches Reich, s. Kadschaga.

Galambutter, s. Bassia.

Galan (span.), Liebhaber, Buhle.

Galangawurzel (Galgant), s. Alpinia.

Galant (franz.), ursprünglich s. v. w. bieder, ehrenwert; jetzt s. v. w. artig, gefällig, besonders gegen das schöne Geschlecht, auch im übeln Sinn s. v. w. verliebt, verbuhlt (vgl. Galanterie).

Galante Blätter, bei den Kunstsammlern und in Auktionskatalogen Kupferstiche und Radierungen des 18. Jahrh., meist französischen Ursprungs (von Boucher, Eisen etc.), welche Liebes- und Schäferszenen frivolen Inhalts, zum Teil nach Dichtern (Lafontaine), darstellen.

Galanterie (franz.), eigentlich das achtungsvolle, ritterliche Betragen gegen Frauen, welches zur Zeit der Troubadoure Ehrensache war (s. Galant); dann im schlimmern Sinne, nach Montesquieu, "der feine, leichte, trügerische Schein der Liebe", also die Art von Liebesverhältnis, welches der Liebe gleicht, ohne Liebe zu sein, weil es nicht auf wirklicher Neigung des Herzens oder auf sinnlicher Leidenschaft beruht, sondern bloß ein Ergebnis des geselligen Umganges, der Eitelkeit oder der Gefallsucht ist. Da dasselbe, seinem Charakter gemäß, weder Treue noch Ausschließlichkeit kennt, ward das Wort G. allmählich die Bezeichnung für Liebeshändel und lockeres Leben, so daß der Franzose jetzt sogar die unbequemen Folgen der sinnlichen Ausschweifungen une galanterie oder "galante Krankheit" nennt. So hat sich aus der ursprünglichen Bedeutung des Ausdrucks G. eine ihr ganz entgegengesetzte entwickelt, und daher kommt es, daß man die Zeit Ludwigs XIV. das Zeitalter der G. zu nennen pflegt, und daß Brantôme die Lebensbeschreibungen der "Dames galantes" seiner Zeit verfassen konnte.

Galanteriedegen, Degen, der zur Galatracht gehört, jetzt zweischneidig und senkrecht getragen, früher, zur Zeit Ludwigs XIV., dreischneidig und kürzer (épée courte), mehr horizontal gehalten.

Galanteriewaren, die zum Putz und Schmuck gehörenden Luxusartikel, mit Ausnahme der Schnittwaren, also seidene Bänder, kleine Tücher, Fichus, Handschuhe, Fächer, Bijouteriewaren, Dosen, feine Gegenstände aus Gußeisen, Bronze, Zink, Neusilber, Leder, Holz, Elfenbein, Hartgummi, Knochen, Celluloid, Glas, Blech u. dgl. Bemerkenswert ist, daß die Franzosen den Ausdruck G. gar nicht kennen; sie sagen dafür: articles de nouveauté et de modes, objets de bijouterie, articles de Paris u. dgl.

Galante Schreibart, in der Musik des 18. Jahrh. der freie Stil, der sich im Gegensatz zur gebundenen (strengen) Schreibart nicht an eine bestimmte Zahl realer Stimmen hält, sondern bald mehr, bald weniger einführt und überwiegend homophon ist (wie z. B. in Ph. E. Bachs Klaviersonaten). Vgl. Stil.

Galantes Sachsen, s. Saxe galante.

Galantha, Markt im ungar. Komitat Preßburg, an der Wien-Budapester und G.-Silleiner Bahnlinie, mit zwei Schlössern, Sparkasse, Bezirksgericht und (1881) 2176 ungar. Einwohnern.

Galanthis, s. Galinthias.

Galanthomme (franz., spr. galangtómm), ursprünglich s. v. w. Ehren-, Biedermann, jetzt meist s. v. w. Mann von feiner Lebensart.

Galanthus L. (Schneeglöckchen), Gattung aus der Familie der Amaryllidaceen, kleine, ausdauernde Zwiebelgewächse mit einblumigem Schaft, hängender, zierlicher, weißer Blume und dreifächeriger Kapsel, blühen im ersten Frühjahr und oft schon unter dem Schnee. G. nivalis (gemeines Schneeglöckchen, Schneetröpfchen, nackte Jungfrau), in Deutschland und Italien heimisch, mit linienförmigen, grasartigen Blättern, weißen Blumen auf 10-15 cm hohem Schaft und weißen und grünlichen innern Kronenblättern, wird in mehreren Varietäten in Gärten kultiviert und kommt auch gefüllt vor. Die brechenerregenden Zwiebeln wurden früher arzneilich benutzt. Neuerdings werden sie im Januar bei mäßiger Wärme getrieben und liefern wertvolles Boukettmaterial.

Galanti, Carmine, ital. Epigrammatiker und Danteforscher, geb. 16. Juli 1821 zu Cossignano in den Marken, studierte Theologie, lehrte dann mehrere Jahre Philosophie und Mathematik und wurde 1851 zum Kanonikus an der Kathedrale zu Ripatransone, später zum Direktor des Gymnasiums daselbst ernannt. G. hat über 500 Sinngedichte (in lateinischer Sprache) veröffentlicht und sich dadurch den Ruf des fruchtbarsten und elegantesten unter den lebenden Epigrammatikern Italiens erworben; Höheres aber leistete er noch als Erklärer der "Divina Commedia". Seine durch Gründlichkeit wie durch geistvolle Auffassung ausgezeichneten Dante-Arbeiten erschienen unter dem Titel: "Lettere Dantesche" (Heft 1-45, Ripatransone u. Prato 1873-83).

Galantin (franz., spr. -angtâng), ein gegen die Damen übergalanter Herr, süßlicher Geck.