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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Galgant, wilder - Galignani.

Von seinen Lebensumständen ist mit einiger Sicherheit nur bekannt, daß er eine Zeitlang in Italien lebte und dort der besondern Gunst Innocenz' III. genoß. Man hat von ihm ein Lehrgedicht: "Nova poetria", welches sich mehrere Jahrhunderte lang einer außerordentlichen Popularität erfreute (zuerst in Leysers "Historia poetarum medii aevi", Halle 1721; besonders gedruckt, Helmst. 1724). Dagegen scheinen das unter seinem Namen gehende "Itinerarium Ricardi Anglorum regis in terram sanctam" in Bongars' "Gesta Dei per Francos" und in Th. Gales "Scriptores historiae anglicae") sowie die Schrift "De statu curiae romanae" ihm mit Unrecht zugeschrieben zu werden.

Galgant, wilder, s. Cyperus.

Galgantwurzel (Galanga), s. Alpinia.

Galgen (althochd. Galgo, ursprüngl. s. v. w. Baumast), Vorrichtung zur Vollziehung der Todesstrafe mittels des Henkens, besteht eigentlich aus zwei aufrecht stehenden Pfosten und einem Querholz darüber, bisweilen auch aus drei Pfosten mit Querhölzern oder aus einem Pfosten, in den ein Querholz rechtwinkelig eingelassen ist (Knie-, Schnell-, Soldaten-, Wippgalgen). Die G. befanden sich früher meist außerhalb der bewohnten Orte auf hohen Punkten (Galgenberg). Da die Errichtung oder Ausbesserung eines Galgens anrüchig machte, so pflegten dazu alle Baugewerke des Distrikts, für den der G. errichtet werden sollte, versammelt zu werden. Der Richter reichte dann den ersten Stein für den Unterbau und behaute das zum G. bestimmte Holz, worauf alle Gewerke zusammen die Arbeit vollendeten, wenn nicht hierzu bloß einige Personen durch das Los bestimmt wurden. G., welche mit einer kreisförmigen Untermauerung versehen waren, auf welcher die Pfeiler mit den Querbalken standen, hießen Hochgericht. Sie galten zugleich als das Wahrzeichen der hochnotpeinlichen Gerichtsbarkeit des betreffenden Gerichtsherrn. Die Exekution an dem armen Sünder wurde so vollzogen, daß er mit dem Henker auf einer Leiter zu einem der Querhölzer emporsteigen mußte, um an letzterm aufgeknüpft, dann aber durch Wegziehen der Leiter vom Leben zum Tod gebracht zu werden. In England und Amerika, wo, ebenso wie in Österreich, die Todesstrafe mittels des Stranges noch üblich ist, gibt es keine stehenden G. Es wird vielmehr in jedem einzelnen Fall eine besondere Bretterbühne aufgeschlagen. Der Verbrecher steht mit der Schlinge um den Hals auf einer Fallthür und wird dadurch, daß sich diese Thür nach unten öffnet, erhängt.

Galgenmännlein, s. Alraun und Mandragora.

Galgensteine, s. Bautasteine.

Galgensteuer, die Abgabe, welche früher die Gerichtsherrschaft den Gerichtsunterthanen zur Deckung der Kosten für Errichtung des Galgens auferlegte.

Galgenvogel, s. v. w. Mandelkrähe.

Galiani, Fernando, ital. Staatsmann und Nationalökonom, geb. 2. Dez. 1728 zu Chieti in der neapolitanischen Provinz Abruzzo citeriore, studierte zu Rom Philosophie und Mathematik, dann zu Neapel die Rechte, beschäftigte sich aber daneben mit Geschichte, Altertumswissenschaft und besonders mit Nationalökonomie. Benedikt XIV. verlieh ihm ein Kanonikat, und der König von Neapel ernannte ihn 1759 zum Staatssekretär und bald darauf zum Legationssekretär zu Paris, wo er mit den Encyklopädisten in freundschaftliche Beziehungen trat. Sein Briefwechsel mit diesen Männern erschien unter dem Titel: "Correspondance inédite de G. 1765 à 1783 avec M. d'Épinay, M. le baron d'Holbach, Grimm. Diderot etc." (Par. 1818, 2 Bde.; neue Ausg. 1881). 1769 nach Neapel zurückgerufen, ward er daselbst Rat des Handelstribunals, 1777 Minister der Junta für die königlichen Domänen und starb 30. Okt. 1787. Unter seinen Schriften stehen obenan die "Dialogues sur le commerce des blés" (Par. 1764; wieder abgedruckt im 15. Bd. der "Collection des principaux économistes", 1848; deutsch von Baucht, Glogau 1802). G. schrieb auch über die Malerei der Alten (1756) und hatte großen Anteil an der Herausgabe von Monumenten, welche die herculaneische Akademie besorgte.

Galicien (span. Galicia), ehemaliges span. Königreich, umfaßt die nordwestliche Ecke der Halbinsel, grenzt westlich, nordwestlich und nördlich an den Atlantischen Ozean, östlich an Asturien und Leon, südlich an Portugal und zerfällt gegenwärtig in die Provinzen Coruña, Lugo, Orense und Pontevedra (s. diese Artikel). Der Gesamtflächeninhalt beträgt 29,379 qkm (533,6 QM.) mit (1883) 1,881,008 Einw. Die Bevölkerung ist im allgemeinen nicht wohlhabend, am wenigsten der Bauernstand, weil der größte Teil des Grund und Bodens im Besitz einzelner Adligen ist. Erst in neuerer Zeit hat sich infolge des Verkaufs der Kloster- und Kirchengüter die Zahl der ansässigen Bauern einigermaßen vermehrt. Im übrigen geht hier die Parzellierung der Grundstücke ins Unendliche. Da bei der dichten Bevölkerung die Erwerbsquellen des Landes für diese nicht ausreichen, so wandern alljährlich Tausende von Galiciern nach Mittelspanien, den großen Städten des Südens und nach Portugal (besonders nach Lissabon), wo sie als Erntearbeiter, Lastträger (mozos de cordel), Wasserträger (aguadores), Hausknechte, Portiers etc. ihr Brot verdienen. Im allgemeinen sind die Galicier (Gallegos) stark und kräftig gebaut, sehr arbeitsam, mäßig, gutmütig und ehrlich. Sie sind überall beliebt, aber auch häufig wegen ihres plumpen Wesens, ihres Dialekts, ihres Heimwehs und ihrer beschränkten Fassungskraft ein Gegenstand des Spottes. Auch die Frauen, weniger schön als im übrigen Spanien, sind fleißig und kräftig und werden als Ammen sehr gesucht. Männer wie Frauen sind strenggläubig, wenn auch nicht bigott, dabei aber habsüchtig und zu Rach- und Eifersucht geneigt. Das galicische Volk ist durch die Vermischung der Ureinwohner (Galläker, s. d.) mit den Römern, Sueven, Goten, Mauren und Kastilianern, welche sich nacheinander des Landes bemächtigten, entstanden und hat mehr Verwandtschaft mit den Portugiesen als mit den Spaniern, redet auch einen Dialekt, der mehr wie ein verdorbenes Portugiesisch klingt. Die Hauptstadt ist Santiago de Compostela. - Ein besonderes Königreich war G. unter der Herrschaft der Sueven (bis 585), dann von 1060 bis 1071, worauf es wieder an die Krone von Leon und Kastilien kam, der es bereits seit der sehr früh erfolgten Vertreibung der Mauren angehört hatte. Vgl. Spanien.

Galignani (spr. -linjani), John Antony, franz. Zeitungsverleger, geb. 13. Okt. 1796 zu London, war mit seinem Bruder William (geb. 10. März 1798) Direktor und Eigentümer des politischen Journals "Galignani's Messenger", welches, in englischer Sprache geschrieben, täglich in Paris ausgegeben wurde. Dasselbe war von ihrem aus Brescia abstammenden Vater 1814 gegründet worden; nach dessen Tod (1821) übernahmen die in Frankreich naturalisierten Brüder die Leitung des Journals und gaben ihm eine größere Ausdehnung. Der politische