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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gardĭner; Garding; Gardist; Gardner; Gare; Gareis; Gareisl; Garfagnana; Garfield; Gargalismus

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Gardiner - Gargalismus.

Gardĭner, Hauptstadt der Grafschaft Kennebec im nordamerikan. Staat Maine, am Zusammenfluß des Cobbosseecontee mit dem schiffbaren Kennebec, mit Sägemühlen, Eiskellern und (1880) 4439 Einw.

Gardĭner, Stephan, Bischof von Winchester und Kanzler von England, geb. 1483 zu St. Edmundsbury in der Grafschaft Suffolk, widmete sich zu Cambridge theologischen u. staatswissenschaftlichen Studien, ward Sekretär des Kardinals Wolsey und, nachdem er 1528 im Auftrag König Heinrichs VIII. dessen Scheidung von seiner Gemahlin Katharina von Aragonien in Rom erfolglos betrieben hatte, Archidiakonus von Norfolk und Staatsrat, später, als er sich im Scheidungsprozeß und in der Herstellung der königlichen Suprematie in Kirchensachen sehr willfährig bewiesen, 1531 Bischof von Winchester. Weltmann und Diplomat, wie er war, fügte er sich allen Launen Heinrichs und nahm unter anderm auch an der Prozedur gegen die unglückliche Katharina Howard sowie gegen Anna Ascue teil. Trotz seiner gegen den Papst gerichteten Schrift "De vera obedientia" (1534, Frankf. 1621) war jedoch G. ein heftiger Gegner des Protestantismus und widersetzte sich energisch den reformatorischen Bestrebungen Cranmers, hintertrieb die beabsichtigte Vereinigung mit den deutschen Protestanten und bewirkte den Erlaß der gegen die englischen Protestanten gerichteten sechs Artikel. Er trug zu dem Sturz Cromwells bei, intrigierte auch gegen Cranmer, fiel aber kurz vor Heinrichs Tod in Ungnade, weil er an der Verschwörung des Grafen von Surrey zur Einsetzung einer katholischen Regentschaft beteiligt war. Unter Eduard VI. ward er im Tower gefangen gesetzt. Nach dem Regierungsantritt der Königin Maria wurde er freigelassen und erhielt auch seinen Bischofsitz zurück. Bald darauf als Staatskanzler an die Spitze der Regierung berufen, riet er der Königin, mit Beibehaltung der königlichen Suprematie den katholischen Kultus allmählich wieder einzuführen, begann die blutige Verfolgung der Protestanten und brachte die Bischöfe Ridley und Latimer auf den Scheiterhaufen. Er starb 13. Nov. 1555.

Garding, Stadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Eiderstedt, auf einer Anhöhe in der Marsch und an einem für kleine Fahrzeuge schiffbaren Kanal (Süderbootfahrt), der bei Katingsiel in die Eider mündet, hat ein Amtsgericht und (1885) 1786 evang. Einwohner.

Gardist, Soldat der Garde, Leibwächter.

Gardner, Gemeinde im nordamerikan. Staat Massachusetts, Grafschaft Worcester, 24 km westlich von Fitchburg, mit Stuhlfabriken und (1880) 4988 Einw.

Gare (franz., spr. gār), vorgesehen!

Gareis, Karl, Rechtsgelehrter und Reichstagsabgeordneter, geb. 24. April 1844 zu Bamberg, studierte von 1863 bis 1866 in München, Heidelberg und Würzburg und habilitierte sich an letzterer Universität. Nachdem er seit 1873 in Bern als Professor der Rechte gewirkt hatte, folgte er 1875 einem Ruf an die Universität Gießen. Er schrieb: "Die Verträge zu gunsten Dritter" (Würzb. 1873); "Irrlehren über den Kulturkampf" ("Deutsche Zeit- und Streitfragen", Berl. 1876); "Grundriß zu Vorlesungen über das deutsche bürgerliche Recht" (Gieß. 1877); vereint mit Ph. Zorn: "Staat und Kirche in der Schweiz" (Zürich 1877-78, 2 Bde.); "Über die Bestrebungen der Sozialdemokratie" (Gieß. 1877); "Das deutsche Patentgesetz vom 25. Mai 1877" (Berl. 1877); "Patentgesetzgebung" (das. 1879-80, 3 Bde.); eine Biographie von J. M. F. ^[Johann Michael Franz] Birnbaum (Gieß. 1878); "Das deutsche Handelsrecht" (Berl. 1880, 2. Aufl. 1884); "Die patentamtlichen und gerichtlichen Entscheidungen in Patentsachen" (das. 1881-84, 4 Bde.); "Der Sklavenhandel, das Völkerrecht u. das deutsche Recht" (das. 1885). In dem "Handbuch des öffentlichen Rechts" von Marquardsen bearbeitete er die Abteilung "Allgemeines Staatsrecht" (Freiburg i. Br. 1883) und "Das Staatsrecht des Großherzogtums Hessen" (das. 1884).

Gareisl, s. v. w. Karausche.

Garfagnana (spr. -fanjāna), eine Landschaft Oberitaliens, welche ihrem größten Teil nach aus dem Thal des obern Serchio besteht und einen Kreis (s. Castelnuovo di Garfagnana) der Provinz Massa e Carrara ausmacht. Es ist ein romantisches, aber fruchtbares Gebirgsländchen.

Garfield (spr. -fihld), James Abraham, Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, geb. 19. Nov. 1831 in dem kleinen Dorf Orange in Ohio, erhielt infolge der dürftigen Verhältnisse, in denen seine Mutter nach dem frühen Tod ihres Mannes (1833) lebte, nur eine äußerst beschränkte Erziehung. Nachdem er einige Zeit als Tagelöhner sich ein mühsames Brot erworben, ward er Kutscher und hierauf Bootsmann auf dem Pennsylvania- und Ohiokanal. 1849 trat er in eine öffentliche Lehranstalt ein und studierte mit solchem Eifer und Erfolg, daß er 1850 als Lehrer an einer Bezirksschule wirken konnte. 1854 bis 1856 besuchte er das William's College. 1857 ward er Sprachlehrer an dem Institut zu Hiram (Ohio) und 1858 Präsident desselben; gleichzeitig ließ er sich als Advokat nieder und wurde zum Mitglied des Senats von Ohio erwählt. Bei Beginn des Bürgerkriegs 1861 warb er als begeisterter Anhänger der Union das 42. Regiment der Ohio-Freiwilligen an, zu dessen Obersten er ernannt wurde, und kämpfte mit Glück in Ostkentucky. Am Tag des Siegs von Prestonburgh, 11. Jan. 1862, ward er zum Brigadegeneral und nach der Schlacht bei Shiloh (16. April), in welcher er die 20. Brigade befehligt hatte, zum Stabschef des Generals Rosecrans befördert. Wegen tapferer und wichtiger Dienste in der Schlacht von Chickamauga (19. Sept. 1863) erhielt er den Titel und Rang eines Generalmajors. Im Oktober 1862 wurde er im 19. Bezirk Ohios zum Mitglied des Kongresses ernannt. Hier gehörte er zu den angesehensten Mitgliedern der republikanischen Partei. Auf dem republikanischen Kongreß in Chicago für die Präsidentenwahl im Juni 1880 stand er an der Spitze der Delegation von Ohio und vertrat die Kandidatur seines Freundes Sherman, ward aber, als weder dieser noch Grant die Majorität erlangen konnten, im 36. Wahlgang 8. Juni selbst als der republikanische Kandidat für die bevorstehende Präsidentenwahl proklamiert. Nachdem er im Dezember 1880 gewählt worden, trat er 4. März 1881 sein Amt an mit dem ernsten und redlichen Willen, der Korruption in seiner Partei entgegenzutreten. Ehe er jedoch etwas erreicht hatte, ward er von einem abgewiesenen Stellenjäger, Charles Guiteau, 2. Juli auf dem Bahnhof in Washington angefallen und durch zwei Schüsse schwer verwundet. Er starb infolge davon 19. Sept. 1881 in Long-Branch, wegen seines edlen, liebenswürdigen Charakters allgemein betrauert. Der Mörder wurde 30. Juni. 1882 gehenkt. Garfields litterarischer Nachlaß erschien Boston 1883 in 2 Bänden; mehrere Denkmäler wurden ihm errichtet. Vgl. Mason, Life and public services of James A. G. (Lond. 1881); Ridpath, Life and work of J. A. G. (Cincinnati 1881); Thayer, J. Garfields Leben (deutsch, Gotha 1882).

Gargalismus (griech.), das Kitzeln, besonders naturwidriges, wie Onanie, Nymphomanie.