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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gaussen; Gautama; Gautier

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Gaussen - Gautier.

handlungen" 1847 u. 1848) behandelte er besonders die kürzesten Linien auf Oberflächen und schuf den Begriff des Krümmungsmaßes (s. d.) für Flächen. In Schumachers "Astronomischen Nachrichten" (1825) gab er eine für die Theorie der Kartenprojektion höchst wichtige Lösung der Aufgabe: eine Fläche auf eine andre so zu projizieren, daß Abbildung und Original einander in den kleinsten Teilen ähnlich sind. Die praktische Geometrie ward von ihm durch Einführung eines neuen Instruments, des Heliotrops (s. d.), bereichert. Besonders bewunderungswert sind aber G.' Leistungen in der Physik, hauptsächlich in deren mathematischem Teil. In den "Dioptrischen Untersuchungen" ("Götting. Abhandlgn." 1843) wußte er dem schwierigen Kapitel vom Durchgang der Lichtstrahlen durch ein Linsensystem mittels Einführung neuer Begriffe (Hauptpunkte etc.) eine neue, anschauliche Seite abzugewinnen. Den mechanischen Prinzipien fügte er das neue vom kleinsten Zwang hinzu (Crelles "Journal", Bd. 4), und für die gesamte mathematische Physik schuf er den jetzt so überaus wichtig gewordenen Begriff der Potenzialfunktion (s. d.). Besonders hierauf gestützt, gab er eine neue Grundlage für die Lehre vom Erdmagnetismus, dessen Studium er durch sinnreiche neue Instrumente unterstützte; auch war er der erste, welcher (in Gemeinschaft mit seinem Freund und Mitarbeiter Wilhelm Weber [s. d.]) einen elektromagnetischen (Nadel-) Telegraphen konstruierte. G. starb 23. Febr. 1855 in Göttingen. Seine Werke wurden von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen gesammelt herausgegeben (Götting. 1863-71, 7 Bde.). 1880 wurde ihm eine Bronzestatue von Schaper in Braunschweig errichtet. Vgl. Sartorius v. Waltershausen, G. zum Gedächtnis (2. Aufl., Leipz. 1877); Winnecke, G., ein Umriß seines Lebens und Wirkens (Braunschw. 1877); Hänselmann, K. F. G. Zwölf Kapitel aus seinem Leben (Leipz. 1878). Eine gute Einsicht in seine wissenschaftliche Denkweise gibt sein Briefwechsel mit dem Altonaer Astronomen Schumacher (hrsg. von Peters, Altona 1860-62, 4 Bde.), derjenige mit A. v. Humboldt (hrsg. von Bruhns, Leipz. 1877) und mit Bessel (das. 1880).

Gaussen, Louis, reform. Theolog, geb. 25. Aug. 1790, war seit 1816 Pfarrer in Satigny bei Genf, als der Kampf der Strenggläubigen gegen die dortige Staatskirche begann. Er wurde vom Genfer Staatsrat 1832 abgesetzt, weil er mit Merle d'Aubigné zur Aufrechthaltung des alten Calvinismus die theologische Schule gestiftet hatte; an dieser war er von 1836 bis zu seinem 18. Juni 1863 erfolgten Tod als Lehrer wie als Schriftsteller wirksam. Von seinen Schriften ist anzuführen: "Le canon des saintes écritures sous le double point de vue de la science et de la foi" (Lausanne 1860, 2 Bde.).

Gautama, Beiname des Sâkjamuni, des Stifters der buddhistischen Religion (s. Buddhismus); auch Name des Stifters der Njâja-Philosophie (s. Indische Philosophie). Das Gautamadharmasûtra hat Stenzler unter dem Titel: "The institutes of G." (Lond. 1876) herausgegeben.

Gautier (spr. gohtjeh), 1) Théophile, franz. Dichter und Kunstkritiker, geb. 21. Aug. 1808 zu Tarbes, kam in frühster Jugend nach Paris, wo er auf den Collèges Louis le Grand und Charlemagne seine Bildung erhielt, widmete sich dann unter Riouts Leitung der Malerei, gab aber infolge des Mißlingens seiner ersten malerischen Versuche diesen Beruf wieder auf und wandte sich der Litteratur zu. Ein eifriger Anhänger Victor Hugos, beteiligte er sich auf seiten der Romantiker lebhaft an dem Kampf gegen die alte Schule, trat mit Gedichten und Novellen hervor und ward ein angesehener und einflußreicher Mitarbeiter an verschiedenen Zeitschriften, namentlich an der "Presse", am "Figaro", am "Artiste", an der "Revue de Paris", zuletzt (seit 1856) am offiziellen "Moniteur". Daneben unternahm er große Reisen durch fast alle Länder Europas. Er starb 23. Okt. 1872 in Neuilly bei Paris. G. genießt das Ansehen eines ausgezeichneten Novellisten und eines Lyrikers ersten Ranges; er wurde der Stifter einer eignen Schule, als deren namhafteste Anhänger Ch. Baudelaire, Paul Saint-Victor und Th. de Banville zu nennen sind. Seinen "Premières poésies" (1830) folgten "La comédie de la morte" (1838), ein neuer Band "Poésies" (1845), "Émaux et camées" (1852) und "Poésies nouvelles" (1863), die als "Poésies complètes, 1830-1872" (zuletzt 1885, 2 Bde.) gesammelt erschienen. Von seinen Novellen nennen wir: "Les Jeune-France, romans goguenards" (1832); "Mademoiselle de Maupin" (1835), eins der glänzendsten, aber auch sittlich anstößigsten Erzeugnisse der neuern französischen Litteratur; "Fortunio" (1838); "Une larme du diable" (1839); "La peau de tigre" (1852, 3 Bde.); "Jettatura" (1857); "Le capitaine Fracasse" (1863, 2 Bde.); "La belle Jenny" (1865); "Spirite" (1866) u. a., zum Teil gesammelt unter dem Titel: "Nouvelles" (15. Aufl. 1884). Ganz besonders ausgezeichnet war G. auch als Reiseschriftsteller, so in den anziehenden und, wie seine Novellen, oft aufgelegten Schilderungen seiner Reisen in Spanien: "Tra los montes" (1843), in Italien: "Loin de Paris" (1852), in der Türkei: "Constantinople" (1853), in Rußland: "Trésors d'art de la Russie" (1860-63) und "Voyage en Russie" (1866). Auch schrieb er den Text zu mehreren großen pantomimischen Balletten ("Giselle", 1841; "La Péri", 1843; "Sacontala", 1848) und einige kleine Theaterstücke, die aber wenig Glück machten (gesammelt erschienen 1872). Seine Kritik war geistreich-sprudelnd, aber (namentlich in der spätern Epoche) blasiert und allzu nachsichtig; in der Kunstkritik steht er, wenigstens was die Beschreibung betrifft, geradezu unerreicht da. Seine Theaterrezensionen für die "Presse" und den "Moniteur" erschienen gesammelt unter dem Titel: "Histoire de l'art dramatique en France depuis 25 ans" (1859, 6 Bde.). Außerdem sind von seinen Werken noch zu erwähnen: "Les grotesques" (1844), eine Charakteristik von Schriftstellern des 16. und 17. Jahrh.; "Histoire du Romantisme, 1830-68" (4. Aufl. 1884); "Honoré de Balzac", Erinnerungen (1858); "Ménagerie intime" (1869), eine Art Autobiographie, und die posthumen Werke: "Portraits et souvenirs littéraires" (1875) und "L'Orient" (1877, 2 Bde.). Vgl. Feydeau, Th. G.; souvenirs intimes (1874); Bergerat (Gautiers Schwiegersohn), Th. G.; entretiens, souvenirs, correspondances (1878).

Seine Tochter Judith G., geb. 1850, beschäftigte sich schon frühzeitig mit dem Studium der chinesischen Sprache und veröffentlichte 1867 Übersetzungen aus derselben unter dem Titel: "Livre de jade". Später folgten einige Romane: "Le dragon impérial", der chinesischen Geschichte entnommen; "L'usurpateur", in Japan spielend (1875); "Lucienne" (1877); "Iskender" (1886); "Les peuples étranges" (1879), eine ethnographische Studie, und "Richard Wagner et son œuvre poétique" (1882; deutsch, Minden 1883).

2) Emile Théodore Léon, franz. Gelehrter, geb. 8. Aug. 1832 zu Havre, wurde Archivar des Departe-^[folgende Seite]