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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Geel; Geelong; Geelvinkbai; Geelvinkkanal; Geer; Geer af Finspång; Geeraerdsbergen

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Geel - Geer af Finspång.

Corr, geb. 1814 zu Brüssel, bildete sich unter Navez zu einer geschickten Historien-, Genre- und Porträtmalerin aus; sie starb 23. Jan. 1883.

2) Joseph, Bruder und Schüler des vorigen, geb. 25. Dez. 1811 zu Antwerpen, Bildhauer, ging 1836 nach Rom und ward 1841 Professor der Skulptur an der Akademie zu Antwerpen. Er starb 10. Okt. 1885 in Brüssel. Seine bekanntesten Werke sind: die Reiterstatuen Gottfrieds von Bouillon und des heil. Georg; die Statue des Andr. Vesalius und das Reiterstandbild Leopolds I., sämtlich zu Brüssel; der Tod Abels, Marmorgruppe; die Fischertochter; Standbild Masaniellos; der heil. Michael u. a.

Geel, Stadt, s. Gheel.

Geel, 1) Johannes Franciscus van, belg. Bildhauer, geb. 18. Sept. 1756 zu Mecheln, ward 1784 Professor an der Zeichenakademie seiner Vaterstadt, später Bildhauer des Erzbischofs von Mecheln und 1817 Professor der Skulptur an der Akademie zu Antwerpen, wo er 20. Jan. 1830 starb. Zu seinen besten Werken gehören drei Apostelstandbilder in der Liebfrauenkirche zu Mecheln, eine Gruppe: Mars und Venus, eine Maria Magdalena in der Metropolitankirche zu Mecheln.

2) Johannes Lodovicus van, belg. Bildhauer, geb. 1787 zu Mecheln, ward 1807 Professor an der Akademie daselbst, studierte von 1809 bis 1813 die zu Paris durch Napoleon I. aufgehäuften europäischen Kunstschätze, bildete sich sodann zu Rom weiter aus und ward 1816 Bildhauer des Königs der Niederlande. Er starb 1852 in Brüssel. Werke von seiner Hand sind: der große Löwe auf dem Schlachtfeld von Waterloo; das Standbild des Claudius Civilis und das des Prinzen Karl von Lothringen; der blasende Hirt, im königlichen Museum zu Brüssel.

3) Jakob, holländ. Humanist, geb. 1789 zu Amsterdam, vorgebildet auf dem Athenäum daselbst, wurde 1811 Hauslehrer im Haag, 1823 zweiter, 1833 erster Bibliothekar und Honorarprofessor zu Leiden und starb 11. Nov. 1862 daselbst. Man hat von ihm Ausgaben des Theokrit mit den Scholien (Amsterd. 1820), der "Excerpta Vaticana" aus Polybios (Leid. 1829), des "Olympicus" von Chrysostomos (das. 1840), der "Phönissen" des Euripides mit Kommentar (das. 1846, gegen Hermann gerichtet), eine "Historia critica sophistarum graecorum" (Utr. 1823) und viele Abhandlungen. Er gab ferner "Anecdota Hemsterhusii" (Leid. 1825) und "Ruhnkenii scholia in Suetonium" (das. 1828) heraus, begründete mit Bake, Hamaker und Peerlkamp die "Bibliotheca critica nova" (das. 1825-31, 5 Bde.) und übersetzte mehreres aus dem Deutschen und Englischen. Seine letzte Arbeit war der Katalog der Handschriften auf der Leidener Bibliothek (Leid. 1852).

Geelong (spr. dschi-), Seehafen der britisch-austral. Kolonie Victoria, an der Coriobai (Teil der Port Phillip-Bai), im Knotenpunkt von vier Eisenbahnen, mit Hospital, Handelskammer, Handwerkerinstitut (16,500 Bände), 8 Banken, College, botanischem Garten, Obergericht, Zollhaus und Theater. G. zählte 1881 mit den Vorstädten 21,157 Einw., hat 4 Wollmanufakturen mit 500 Arbeitern, Papiermühle, Wollwäschereien und Gerbereien, Gas- und Wasserleitung. 1884 liefen ein 67 Schiffe von 53,731 Ton., aus 98 Schiffe von 80,176 T. Die Einfuhr wertete 215,294, die Ausfuhr (Wolle, Weizen, Leder u. a.) 1,151,430 Pfd. Sterl.

Geelvinkbai, große Bucht an der Nordwestküste von Neuguinea, begrenzt im O. von dem Hauptkörper desselben, im W. von der Landschaft Wonim. Vor die 250 km breite Öffnung im N. lagern sich zahlreiche Inseln in drei Gruppen, einer südlichen, westlichen und nördlichen, unter denen die Inseln Dschobi (die größte) und Maisori am bekanntesten geworden sind. Nach S. erstreckt sich die G. an 200 km ins Land; eine verhältnismäßig schmale Landbrücke trennt sie dort von der Arafurasee, eine noch schmälere an der Westseite vom Maccluregolf. Am Eingang des Golfs an der Westküste liegt der Hafen Doreh, bekannt als Missionsstation und Ausgang mehrerer Expeditionen, an der Ostküste das Kap d'Urville. Die G. besitzt eine Anzahl schöner Buchten und Häfen; hinter überaus fruchtbaren, reichbewaldeten, aber ungesunden Küstenebenen hebt sich das Land nach dem Innern zu bedeutenden Höhen, von denen zahlreiche Bäche herabströmen. Im nordöstlichsten Teil empfängt die Bai mehrere Mündungsarme des Rochussen oder Amberno.

Geelvinkkanal, Meeresstraße des Indischen Ozeans zwischen der Westküste von Australien und den aus vielen Riffen und Klippen bestehenden Houtmanfelsen oder Abrolhos.

Geer, linker Nebenfluß der Maas in Belgien, mündet bei Maastricht. Das Geerthal (mit etwa 40 Ortschaften, darunter am bedeutendsten die Dörfer Glons, Roolenge und Bassenge) ist der Sitz einer ausgedehnten Strohflechterei (aus Dinkelstroh), welche Waren (meist Herrenhüte) im Wert von 5-6 Mill. Frank liefert.

Geeraerdsbergen (spr. gerards-, Geertsbergen, franz. Grammont), Stadt in der belg. Provinz Ostflandern, Arrondissement Alost, an der Dender, Knotenpunkt an der Bahn Denderleeuw-Ath, mit bischöflichem Seminar und (1885) 9836 Einw., berühmt durch die Fabrikation schwarzer Spitzen.

Geer af Finspång (spr. -pong), Louis Gerhard, Freiherr von, schwed. Minister, geb. 18. Juli 1818 zu Finspång unweit Norrköping, stammt aus einer brabantischen Familie, von welcher im 17. Jahrh. Ludwig G. (1587-1652) nach Schweden auswanderte, dort große Güter erwarb, den König Gustav Adolf finanziell sehr unterstützte und 1641 in den Adelstand erhoben wurde. Die Familie teilte sich in die gräfliche von Leufsta, in die freiherrlichen von Leufsta, Finspång und Terwik (Finnland) und in die adlige de Geer. G. studierte in Upsala, machte das Kanzlei- und Hofgerichtsexamen und veröffentlichte einige Aufsätze ästhetischen Inhalts und Novellen: "Hjertklapp eingen pa Dalwik" (Stockh. 1841) und "Carl den Folstes page" (das. 1845). Er arbeitete darauf in verschiedenen Amtskollegien und während der Reichstage in der Kanzlei des Ritterhauses, erhielt 1845 die erste feste Anstellung als Kopist in der Justiz-Staatsexpedition, ward Vorsteher eines Gerichtssprengels in Schonen, darauf verordnetes Mitglied der Gefängnisbehörde, sodann der Hofgerichte zu Stockholm und Christianstad und 1849 Assessor an dem letztern. 1856 nach Stockholm berufen, wurde G. Mitglied des Gesetz- und Konstitutionsausschusses sowie Staatsrevisor und übernahm 7. April 1858 das Justizministerium. In dieser Stellung erwarb er sich ein unleugbares Verdienst um Regierung und Volk durch Einführung der neuen Reichstagsordnung mit zwei Kammern durch Volkswahl, welche 1866 zum Grundgesetz erhoben wurde. Am 3. Juni 1870 nahm G. zugleich mit den Ministern des Kultus und der Finanzen seine Entlassung, trat aber 1875 von neuem als Minister der Justiz an die Spitze des Kabinetts und legte erst 1880, als er sich über die Heeres- und Steuerreform mit der Bauernpartei im Reichstag