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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gefühllosigkeit - Gegenbaur.

tion abhängen. Zu den fixen geistigen gehören die sogen. reinen (universellen) Gefühle, die ohne, zu den vagen die "subjektiven Erregungen", die unter Einmischung der Individualität des Fühlenden entspringen (Kants "Privatgefühle"). Jene werden weiter, je nachdem ihre Veranlassung in der Materie oder in der Form der ihren Sitz ausmachenden Vorstellungsmasse gelegen ist, in materielle und Formgefühle, letztere selbst, je nachdem die verursachende Form eine logische (Identität, Widerspruch) oder ästhetische (Größe, Fülle, Einheit in der Mannigfaltigkeit, Harmonie, Disharmonie) ist, in logische (Wahrheits-) u. ästhetische (Schönheits-) Gefühle unterschieden. Letztgenannte gehen, wenn obige Vorstellungsmasse das Bild eines Wollens und die veranlassende Form die Form eines solchen (Vollkommenheit, innere Freiheit, Wohlwollen, Recht, Billigkeit oder eins ihrer Gegenteile, Unvollkommenheit, innere Unfreiheit, Übelwollen, Streit, Unbilligkeit) ist, in sittliche Gefühle über. Wird das Gefühlte (was aber nur bei den Formgefühlen möglich ist) zum deutlichen Bewußtsein erhoben, so geht das G. in (logisches, ästhetisches, sittliches) Urteil über, das einer Wissenschaft von den logischen, ästhetischen, sittlichen Formen als Normen des richtigen Denkens, ästhetischen und ethischen Beurteilens (formale Logik, Ästhetik, Ethik oder praktische Philosophie) zum Prinzip dienen kann. Wird endlich auf den Umstand geachtet, ob die Ursache des Gefühls im eignen oder in einem fremden Bewußtsein gelegen ist, so ergibt sich die Einteilung in egoistische (eigne) und sympathetische (Mit-) Gefühle. Letztere entstehen durch unwillkürliche Nachahmung des fremden entweder durch das gleiche (Mitfreude, Mitleid) oder durch das entgegengesetzte G. (Neid bei Freude, Schadenfreude bei Leid des andern). Sogenannte gemischte Gefühle, die zugleich Lust- und Unlustgefühle sein sollen, kann es nicht geben. Die dafür gelten, z. B. Wehmut u. a., beruhen auf der raschen Abwechselung entgegengesetzter Freude- und Trauergefühle.

In der Natur der Gefühle ist es begründet, daß sie der äußern Darstellung und Mitteilung durch (sichtbare oder hörbare) Zeichen große Schwierigkeiten bieten. Da das G. auf der Spannung gewisser Vorstellungen ruht, diese selbst aber nicht kennt, so können sehr verschiedene Vorstellungen sich in dem nämlichen Spannungsverhältnis befinden, also dasselbe G. verursachen. Daraus folgt, daß sich zwar durch Erregung derselben Vorstellungen in andern dieselben Gefühle, keineswegs aber durch Erregung derselben Gefühle in andern dieselben Vorstellungen erzeugen lassen müssen. Darstellung von Gefühlen durch Worte ("Dem Dichter gibt ein Gott, zu sagen, was er leide") ist daher zwar bestimmt, jene von Ideen durch Gefühle aber nicht anders als unbestimmt. Wo die Erzeugung der nämlichen Vorstellungen eine Unmöglichkeit ist, weil sie entweder der Fühlende selbst nicht bei sich zur Klarheit gebracht, oder weder sicht-, noch hörbare Zeichen dafür hat ("Der Mensch verstummt in seiner Qual"), da bleibt kein andres Mittel, als den nämlichen Spannungszustand im andern, gleichviel wodurch, zu erregen, um das gleiche G. als Auslösung desselben zu erzeugen. Der Musiker bedient sich zu diesem Zweck der Töne, da die Tonempfindungen ihrerseits untereinander ähnliche Spannungen und Lösungen zeigen und überdies der Rhythmus des Gefühls, das An- und Abschwellen der Spannung, durch den Rhythmus der Tonfolge und die Verstärkung oder Abdämpfung des Tons nachgeahmt werden kann. Trauer und Freude können im allgemeinen musikalisch dargestellt, niemals aber kann z. B. die Trauer um ein bestimmtes Individuum durch bloße Töne fixiert werden. Händels Trauermusik auf den Tod der Prinzessin von Wales ließe sich als christliche Passionsmusik gebrauchen. Auf der durchschnittlichen Beschaffenheit der herrschenden Gefühle beruht das, was wir das Glück oder Unglück des Lebens nennen; das Vorwiegen der körperlichen oder geistigen, insbesondere der reinen, Gefühle entscheidet über dessen niedern oder höhern Charakter.

Gefühllosigkeit im allgemeinen bedeutet den Mangel an Gefühlen, Gemütlosigkeit insbesondere den Mangel an Mitgefühl (s. d.), der Herzlosigkeit heißt und bisweilen (beim Egoisten) vollständig, während die G. niemals absolut, sondern das vorhandene Gefühl entweder nur schwach oder auf einen kleinen Kreis von Objekten (beim Egoisten auf sich selbst) eingeschränkt ist.

Gefühlsphilosophie, eine Philosophie, welche sich, wie z. B. die Philosophie F. H. Jacobis (s. d.), des Gefühls statt des Intellekts als Erkenntnisorgans bedient, um mittels desselben nicht nur in den Besitz dessen, was schön oder gut (praktische G.), sondern auch dessen, was wahr oder wirklich ist (theoretische G., Gefühlsmetaphysik), zu gelangen.

Gefühlssinn, s. Tastsinn.

Gefühlswert, s. Affektionswert.

Gefüllte Blumen, s. Blüten, gefüllte (S. 78).

Gefürstet, zur Zeit der frühern deutschen Reichsverfassung Prädikat derjenigen Grafen und Prälaten, welche von fürstlichem Rang waren; daher gefürsteter Abt, gefürsteter Graf, Fürstbischof etc. Auch auf die Territorien solcher Herren wurde diese Bezeichnung übertragen, z. B. die gefürstete Grafschaft Henneberg, welche bis 1583 bestand; wie man denn noch jetzt von den gefürsteten Grafschaften Görz, Gradisca, Tirol etc. spricht. Die gefürsteten Grafen und Prälaten hatten zum Teil auf dem Reichstag eine Virilstimme im Reichsfürstenrat, während die Mehrzahl derselben bei den Kuriatstimmen der Grafen- und Prälatenbänke beteiligt war.

Gegabelt heißt in der Heraldik ein Schild, welcher durch ein Schächer- oder Gabelkreuz geteilt ist.

Gegen (Geghen), Volksstamm, s. Albanesen.

Gegenadmiral (Konteradmiral), s. Admiral.

Gegenbaur, 1) Joseph Anton von, Maler, geb. 1800 zu Wangen im Württembergischen, bildete sich 1815-23 unter R. v. Langer auf der Akademie zu München und malte während dieser Zeit als Altarbild für seine Vaterstadt einen heil. Sebastian und zwei Hirten nach Geßners Idyllen. Von 1823 bis 1826 und von 1829 bis 1835 setzte er seine Studien in Rom fort, wo er besonders im Kolorit Ausgezeichnetes leistete, wie seine ersten Eltern nach dem Verlust des Paradieses und Moses Wasser aus dem Felsen schlagend (im königlichen Schloß zu Stuttgart) beweisen. Nach seiner Rückkehr erhielt er vom König von Württemberg den Auftrag, mit Gutekunst das neuerbaute Schloß Rosenstein mit Fresken zu schmücken. Dieselben sind der Mythologie entnommen und ausgezeichnet durch reiche Phantasie, anmutige Gruppierung, Schönheit der Figuren und glänzendes Kolorit. Im J. 1835 zum Hofmaler ernannt, schmückte er 1836 bis 1854 fünf Säle des Erdgeschosses und des obern Stockes des Residenzschlosses zu Stuttgart mit Fresken aus der Geschichte der württembergischen Grafen Eberhard der Greiner, Eberhard der Erlauchte, Ulrich der Vielgeliebte und Eberhard im Bart. Treffliche Ölgemälde von ihm sind: eine schlafende Venus und zwei Satyrn, eine Leda, mehrere kleine Venus-^[folgende Seite]