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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gersoniden; Gersonides; Gersoniten; Gerstäcker

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Gersoniden - Gerstäcker.

deren Hinneigung zum Realismus mitgewirkt haben. Weil er gegen die Sophistik, mit welcher der Franziskaner Jean Petit die Ermordung des Herzogs von Orléans durch den Herzog von Burgund zu rechtfertigen gesucht, gesprochen hatte, mußte er nach dem Schluß des Konzils vor den Nachstellungen des Herzogs von Burgund nach Rattenberg in Tirol entweichen; 1419 begab er sich nach Lyon, wo er im Cölestinerkloster für den Jugendunterricht thätig war und 12. Juli 1429 starb. Seine "Considerationes de mystica theologia speculativa et practica" erstreben eine höhere Einheit der mystischen und scholastischen Theologie. Auch drang er in den Briefen "De reformatione theologiae" auf fleißiges Bibelstudium. G. ist zugleich einer der ältesten musikalischen Schriftsteller; eine musikalische Abhandlung von ihm: "De canticorum originali ratione", befindet sich im 3. Band seiner sämtlichen Werke, Baseler Ausgabe von 1518 in 3 Bänden. Die beste Sammlung seiner Schriften gab Ludwig Ellies du Pin (Antwerp. 1706, 5 Bde.) heraus. Vgl. Engelhardt, De Gersonio mystico (Erlang. 1822-23); L'Ecuy, Essai sur la vie de Jean G. (Par. 1832); Schwab, Johannes G. (Würzb. 1858).

Gersoniden, Druckerfamilie in Prag im Beginn des 16. Jahrh. Der Begründer derselben, Gerson ben Salomo Kohen (Kaz, daher später Kazische Buchdruckerei), gilt als der erste Drucker, welcher sich in Prag hebräischer Typen zum Druck von Werken bedient hat.

Gersonides, s. Levi ben Gerson.

Gersoniten (Kinder Gersons), israelitisches Priestergeschlecht, Nachkommen Gersons, des ältesten Sohns Levis, zählten in der Wüste 7500 Mann, welche die Teppiche und das Tuch der Stiftshütte tragen mußten. Ihre Ortschaften lagen im Gebiet der Stämme Menasse, Isaschar, Asser und Naphtali.

Gerstäcker, 1) Friedrich, Roman- und Reiseschriftsteller, geb. 10. Mai 1816 zu Hamburg, Sohn eines seiner Zeit beliebten Opernsängers, kam nach dem frühen Tode desselben (1825) zu Verwandten nach Braunschweig, besuchte später die Nikolaischule in Leipzig, widmete sich dann auf Döben bei Grimma der Landwirtschaft und wanderte 1837 nach Nordamerika aus, wo er mit Büchse und Jagdtasche das ganze Gebiet der Union durchstreifte. 1843 nach Deutschland zurückgekehrt, widmete er sich mit Erfolg litterarischen Arbeiten. Er stellte zunächst sein Tagebuch unter dem Titel: "Streif- und Jagdzüge durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika" (Dresd. 1844, 2 Bde.; 2. Aufl. 1856) zusammen, schrieb kleine Sagen und Abenteuer aus Amerika nieder und wagte sich endlich an ein größeres Werk: "Die Regulatoren in Arkansas" (Leipz. 1845, 3 Bde.; 8. Aufl. 1883), worauf in rascher Reihenfolge "Der deutschen Auswanderer Fahrten und Schicksale" (das. 1847), "Mississippibilder" (das. 1847-48, 3 Bde.; 5. Aufl. 1884), "Reisen um die Welt" (das. 1847-48, 6 Bde.; 3. Aufl. 1870), "Die Flußpiraten des Mississippi" (das. 1848, 3 Bde.; 8. Aufl. 1883) und "Amerikanische Wald- und Strombilder" (das. 1849, 2 Bde.) neben verschiedenen Übersetzungen aus dem Englischen erschienen. In den Jahren 1849-52 führte G. eine Reise um die Welt, 1860-1861 eine neue große Reise nach Südamerika aus; 1862 begleitete er den Herzog Ernst von Koburg-Gotha nach Ägypten und Abessinien. 1867 trat er eine neue Reise nach Nordamerika, Mexiko und Venezuela an, von der er im Juni 1868 zurückkehrte. Seine letzten Jahre verlebte er in Braunschweig, wo er 31. Mai 1872 starb. Seine spätern Reisen beschrieb er in den Werken: "Reisen" (Stuttg. 1853-54, 5 Bde.); "Achtzehn Monate in Südamerika" (Jena 1862) und "Neue Reisen" (Leipz. 1868, 3 Bde.; 4. Aufl. 1885). Von seinen sonstigen sehr zahlreichen Schriften seien hier nur angeführt: "Der Wahnsinnige" (Berl. 1853); "Wie ist es denn nun eigentlich in Amerika?" (2. Aufl., Leipz. 1853); "Tahiti", Roman aus der Südsee (4. Aufl., das. 1877); "Nach Amerika" (das. 1855, 6 Bde.); "Kalifornische Skizzen" (das. 1856); "Unter dem Äquator" (5. Aufl., Jena 1881); "Gold" (4. Aufl., Leipz. 1878); "Inselwelt" (3. Aufl., das. 1878); "Die beiden Sträflinge" (5. Aufl., das. 1881); "Unter den Penchuenchen" (das. 1867, 3 Bde.); "Die Blauen und Gelben", venezuelanisches Charakterbild (das. 1870, 3 Bde.); "Der Floatbootsmann" (2. Aufl., Schwerin 1870); "In Mexiko" (Jena 1871, 4 Bde.) etc. Seine kleinern Erzählungen und Skizzen wurden unter den verschiedensten Titeln gesammelt: "Aus zwei Weltteilen" (Leipz. 1851, 2 Bde.; 4. Aufl. 1885); "Hell und Dunkel" (das. 1859, 2 Bde.); "Heimliche und unheimliche Geschichten" (das. 1862, 3. Aufl. 1884); "Unter Palmen und Buchen" (das. 1865-67, 3 Bde.); "Wilde Welt" (das. 1865-67, 3 Bde.); "Kreuz und Quer" (das. 1869, 3 Bde.); "Kleine Erzählungen und nachgelassene Schriften" (Jena 1879, 3 Bde.) u. a. Unter seinen Jugendschriften verdienen "Die Welt im Kleinen für die kleine Welt" (Leipz. 1857-61, 7 Bde.; 3. Aufl. 1881), unter seinen Humoresken besonders "Herrn Mahlhubers Reiseabenteuer" (das. 1857, 7. Aufl. 1884) Auszeichnung. Alsbald nach dem Tode des Autors erschienen seine "Gesammelten Schriften" (Jena 1872-79) in 44 Bänden. Gerstäckers Reisen galten nicht wissenschaftlichen oder sonstigen allgemeinen Zwecken, sondern der Befriedigung eines persönlichen Dranges ins Weite; seine Schilderungen sind daher vorwiegend Unterhaltungslektüre, wenn schon um ihrer frischen Beobachtung willen schätzbar. Ebenso verfolgte der fruchtbare Autor bei seinen zahlreichen Romanen und Erzählungen nicht poetische, sondern schlechthin Unterhaltungszwecke.

2) Adolf, Entomolog, geb. 30. Aug. 1828 zu Berlin, studierte 1847-51 daselbst Medizin und Naturwissenschaft, ward 1852 praktischer Arzt, gab aber im weitern Verfolg früh begonnener zoologischer Studien die Medizin auf und nahm eine Anstellung am zoologischen Museum in Berlin an. Er habilitierte sich 1856 als Dozent der Zoologie an der Universität, wurde noch in demselben Jahr zum Vorstand der königlichen entomologischen Sammlung der Universität und 1873 zum Professor der Zoologie ernannt. Seit 1860 fungierte er auch als Dozent am landwirtschaftlichen Lehrinstitut in Berlin, und 1876 folgte er einem Ruf als Professor der Zoologie nach Greifswald. Er schrieb: "Rhipiphoridum, coleopterorum familiae dispositio systematica" (Berl. 1855); "Entomographien", Bd. 1: "Monographie der Endomychiden" (Leipz. 1858); "Naturwissenschaftliche Reise nach Mosambik von W. Peters", Bd. 5: "Insekten" (Berl. 1862); "Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiet der Entomologie 1853-70" (das. 1855-72); die Arthropoden in Carus' "Handbuch der Zoologie" (Leipz. 1863); den 5. Band (Arthropoda) zu Bronns "Klassen und Ordnungen des Tierreichs" (das. 1866 ff.); "Die Gliedertierfauna des Sansibargebiets, nach dem von Kersten während der v. d. Deckenschen Expedition gesammelten Material bearbeitet" (das. 1873); "Zur Morphologie der Orthoptera amphibiotica" (Berl. 1873); "Über das Vorkommen von Tracheenkiemen bei ausgebildeten In-^[folgende Seite]