Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ghadames; Ghain; Ghar; Gharbieh; Ghasel; Ghasnawiden

316

Ghadames - Ghasnawiden.

offen zum Katholizismus über und zeigte fortan die den Konvertiten eigne Intoleranz gegen Andersgläubige, obwohl er nie ein korrekt-gläubiger Katholik wurde. Er starb 6. Juli 1861 in Karlsbad. Von seinen spätern Werken sind durch die darin enthaltenen Ergebnisse geschichtlicher Forschung von einigem Wert: die "Geschichte der ost- und westfränkischen Karolinger" (Freiburg 1848, 2 Bde.), die "Urgeschichte des menschlichen Geschlechts" (Schaffh. 1855, 2 Bde.) und "Papst Gregorius VII. und sein Zeitalter" (das. 1859-61, 7 Bde.; Register 1864). Nach seinem Tod wurden durch J. B. ^[Johann Baptist] Weiß seine Vorlesungen herausgegeben: "Geschichte des 18. Jahrhunderts" (Schaffh. 1862-73, Bd. 1-4, 1. Abt.); "Zur Geschichte deutscher Volksrechte" (das. 1865-66, 2 Bde.) und "Byzantinische Geschichten" (das. 1872-74, 2 Bde.). G. stand ein umfassendes gelehrtes Material zu Gebote, das er mit der ihm eigentümlichen Energie zu kühnen Kombinationen und tendenziöser Darstellung zu verwenden wußte; doch war seine Forschung nie gründlich und seine Werke daher wenig zuverlässig.

Ghadames (Rhadâmes, das Cydamus der Römer), eine früher zu Tunis, jetzt zu Tripolis gehörige Oase am Rande der Aregsandwüste, unter 30° nördl. Br. Die fast kreisrunde, 1500-1600 m im Durchschnitt messende Oase wird ringsum von einer 6 km langen Mauer umschlossen, welche als Schutz gegen den beweglichen Sand der Wüste dient. Im südwestlichen Teile liegt die Stadt G., in welcher die berberischen Beni Uled und Beni Wasil in besondern ummauerten Teilen leben; außerdem wohnen hier Araber, Neger und Mischlinge derselben, eine Bevölkerung von 7000 Seelen, welche eine berberische Mundart sprechen. Die Straßen sind eng, fast ganz bedeckt und daher dunkel; die flachen Dächer bilden zusammenhängende Wege, auf denen die Frauen ihren Markt für sich haben. In der Mitte der Stadt entspringt eine Quelle, welche die Fruchtbäume (25,000 Dattelpalmen, außerdem Feigen-, Aprikosenbäume u. a.) und Felder der Umgebung bewässert. Die Beschäftigung der Bewohner ist hauptsächlich Warentransport nach dem Sudân, was ihnen durch ihr Bündnis mit den Tuareg, den Beherrschern der Wüstenstraßen, erleichtert wird. Die Entstehung des uralten Ortes wurde durch das Vorhandensein einer reichen Süßwasserquelle veranlaßt, die auf dem großen Handelsweg vom Mittelmeer nach Innerafrika zwischen den Sanddünen des Erg im W. und denen Edejens im SO. liegt. Die Bewohner führen die Geschichte ihrer Stadt bis in die Zeit der Patriarchen zurück, und Duveyrier entdeckte daselbst ein altägyptisches Basrelief. Die Stadt ist Hauptort eines Bezirks des nordwestlichen Fezzan und Sitz eines vom Gouverneur von Tripolis eingesetzten Kaimakams. Sie war ehedem, als ihre Karawanen noch nach Tunis gingen, reich und blühend und trieb einen ansehnlichen Zwischenhandel, der aber, seitdem die Türken die Bewohner zwangen, nach Tripolis zu handeln, durch Abgaben erdrückt wird. Jetzt kommen noch jährlich 2800 Kamellasten (350,000 kg) und 500 Sklaven beider Geschlechter aus dem Sudân hierher. Vgl. Duveyrier, Les Touaregs du Nord (Par. 1865); Largeau, Voyage à Rhadamès (1879).

Ghain, pers. Stadt, s. Gain.

Ghar (Ghartschegan), s. Georgien.

Gharbieh (Garbieh), ägypt. Provinz (Mudirieh) zwischen den beiden Hauptarmen des Nils und dem Mittelländischen Meer, mit einer Kulturfläche von 6062 qkm (110 QM.) und (1882) 936,276 Einw. Hauptort ist Tanta.

Ghasel (Gasel), bei den Persern eine beliebte Form des lyrischen Gedichts, welche Rückert (1819) und Platen auch in die deutsche Litteratur eingeführt haben. Seine charakteristische Eigentümlichkeit besteht in der Wiederkehr desselben Endreims, der in den beiden ersten aufeinander folgenden Zeilen sich ankündigt, dessen spätere Wiederholung aber durch eine reimlose Zeile zur Vermeidung der Monotonie unterbrochen wird. In der letzten Zeile findet sich häufig der Name des Dichters angebracht. Das Metrum kann ein iambisches, daktylisches oder trochäisches sein; auch ist die Zahl der Zeilenpaare sowie der Versfüße gleichgültig, nur muß derselbe Rhythmus streng durch das Ganze durchgeführt werden. Nach dem Reim selbst wird in der entsprechenden Zeile oft noch ein einzelnes, bedeutsames Wort, ja ein kleiner Satz wiederholt. Beispiel:

Du Duft, der meine Seele speiset, verlaß mich nicht!

Traum, der mit mir durchs Leben reiset, verlaß mich nicht!

Du Paradiesesvogel, dessen Schwing' ungesehn

Mit leisem Säuseln mich umkreiset, verlaß mich nicht!

(Rückert.)

Die Form des Ghasels eignet sich übrigens nur als Band für aneinander gereihte Sprüche, für Parallelismen des Gedankens und des Bildes. Als unübertroffener Meister desselben gilt bei den Persern Hafis.

Ghasnawiden (Ghasnewiden), die erste mohammedan. Dynastie, die in Ostindien herrschte, hat ihren Namen von der Stadt Ghasni in Afghanistan und wurde von dem Uzbeken Alp Tegin gegründet, der, ursprünglich ein kriegsgefangener Sklave in Bochara, dann durch seine Talente zum Statthalter von Chorasan erhoben, 962, als gegen seinen Rat der Samanide Mansur zum Herrscher von Bochara ausgerufen wurde, mit den ihm ergebenen Truppen über den Hindukusch zog, Mansur schlug und seine Unabhängigkeit behauptete. Nach seines Sohns und Nachfolgers Ischak Tod erhob das Volk 976 seinen Schwiegersohn Sebuktegin zum Fürsten. Dieser eroberte einen Teil von Seïstan, besiegte 978 Dschaipal, den König von Lahor, eroberte Kabul und Peschawar und beschränkte den Samanidenherrscher Nuh II. auf den Besitz von Bochara. Unter seinem Sohn Mahmud (998-1030) gelangte die Dynastie zum größten Ansehen. Von fanatischem Glaubenseifer erfüllt, dehnte dieser seine Raubzüge in Indien bis in die Nähe von Dehli aus, und bei seinem Tod reichte sein Reich im W. bis Georgien und Bagdad, im N. bis Bochara und die Grenzländer gegen Kaschgar, im O. und S. bis Dehli und die Indusmündungen. Sein Hof in Ghasni war glänzend und wurde durch die größten Gelehrten und Dichter des Morgenlandes (Avicenna, Firdusi) geziert. Es hatte jedoch keinen festen Bestand; schon unter seinen Nachfolgern Massud (1030-42) und Madud (1042-49) empörten sich die Hindu und rissen sich los, die Seldschukken eroberten Chorasan, und wilde Thronkämpfe erschütterten das Reich. Ibrahim herrschte lange (1058-1098) und mild; Bahram Schah (1118-52) wird als freigebig, wissenschaftliebend und als einsichtsvoller Herrscher gepriesen, erregte aber durch seinen Zug gegen Indien die Eifersucht der Ghoriden im W. von Ghasni und ward mit dem Vasallenfürsten von Ghor, Ala al din Dschehasoz, in einen Krieg verwickelt, durch den er 1152 Ghasni einbüßte. Sein Sohn Chosru Schah eroberte zwar von Lahor aus Ghasni wieder; Chosru Malek, Sohn des vorigen, ward aber von dem Fürsten von Ghor aufs neue vertrieben, mußte Lahor 1184 übergeben und wurde getötet. Mit ihm erlosch die Dynastie der G.