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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Giraffe; Giraffenklavier; Giralda; Giraldi; Girande; Girandole; Girant; Girard

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Giraffe - Girard.

der Rückseite des Halses ist fahl und braun gebändert. Die G. bewohnt Afrika von der südlichen Grenze der Sahara bis 24° südl. Br. und lebt in den ebenen Steppengegenden in Trupps von 6-8, selbst 30 und 40 Stück. Ihr Gang ist ein langsamer Paßschritt, ihr Lauf ein schwerfälliger, plumper, aber ungemein fördernder Galopp, in welchem sie es mit einem guten Pferd aufnimmt, aber länger als dieses aushält. Sie lebt von Baumlaub, besonders von dem der Mimosen, und in der trocknen Jahreszeit von dürrem Gras, welches sie mit ihrer wurmförmigen, als Greiforgan sehr geschickten Zunge pflückt. Um zu trinken oder etwas vom Boden aufzunehmen, spreizt sie die Vorderläufe so weit auseinander, daß sie mit dem langen Hals auf den Boden herabreichen kann. Ihre Sinne, namentlich Gesicht und Gehör, sind vortrefflich entwickelt. Sie ist friedlich, sanft, weiß sich aber durch gewaltige Schläge mit den Läufen selbst gegen den Löwen zu verteidigen. Die Paarung erfolgt im Frühjahr, und nach 14 Monaten wirft die Alte ein Junges. Jagd und Fang der G. sind sehr schwierig. Man benutzt die Haut zu Lederwerk, die Schwanzquaste als Fliegenwedel, die Hufe zu Hornarbeiten und genießt das Fleisch. In den innerafrikanischen Städten läßt man gezähmte Giraffen oft frei umhergehen. In den zoologischen Gärten sind sie nur bei sorgsamer Pflege längere Zeit zu erhalten und gehen meist an einer eigentümlichen Knochenkrankheit zu Grunde. Indes haben sie sich in zoologischen Gärten bereits fortgepflanzt. Abbildungen der G. finden sich auf den altägyptischen Denkmälern. Der Name ist aus dem arabischen Serahfe, die Liebliche, verstümmelt. Nach Rom kam die erste G. unter Julius Cäsar, nach Deutschland 1212, und dann gelangten erst wieder 1827 lebende Giraffen nach London und Paris. Gegenwärtig erhält man die meisten Giraffen aus Taka oder den zwischen dem Blauen Fluß und dem Roten Meer gelegenen Steppenländern. 1874 führte Reiche eine Gesellschaft von 24 Stück in Deutschland ein.

Giraffe (Camelopardalis), Sternbild nahe am Nordpol, mit 138 dem bloßen Auge sichtbaren Sternen, darunter einer vierter Größe, die andern kleiner.

Giraffenklavier, Name der in alten Exemplaren hier und da noch jetzt vorkommenden aufrecht stehenden Flügel (mit vertikal laufenden Saiten, wie beim alten Klavicitherium und dem heutigen Pianino).

Giralda, Name des Glockenturms in Sevilla (s. d.).

Giraldi (spr. dschi-), Giovambattista, genannt Cinzio (lat. Geraldus Cinthius), ital. Dichter und Litterator, geb. 1504 zu Ferrara, studierte an der dortigen Universität und ward Professor der Philosophie und Medizin an derselben. Später (1543) ernannte ihn der Herzog Herkules II. zu seinem Sekretär, welche Stelle er bis zum Tode dieses Fürsten (1559) bekleidete. Zwistigkeiten mit dem Geheimsekretär des Herzogs Alfons II., G. Pigna, veranlaßten ihn, seine Stelle aufzugeben und selbst Ferrara zu verlassen. Er begab sich nach Mondovi, wo er Professor der Beredsamkeit wurde, ging 1569 in gleicher Eigenschaft nach Pavia und kehrte schließlich nach Ferrara zurück, wo er 30. Dez. 1573 starb. Das Bemerkenswerteste unter seinen Werken sind seine bekanntlich von Shakespeare vielbenutzten "Hundert Novellen" ("Gli Hecatommiti", Mondovi 1565 u. öfter; neue Ausg., Turin 1853, 3 Bde.), worin er alles Anstößige fern zu halten sucht, aber höhere dichterische Begabung und feinern Geschmack vermissen läßt. Nächstdem fanden seine "Tragedie" (Vened. 1582, 2 Bde., u. öfter) den meisten Beifall. G. schrieb außerdem: "Egle", Satyrspiel (Ferrara 1546 u. öfter); "L'Ercole", ein unvollendetes Epos zur Verherrlichung des Herzogs Herkules II. (Modena 1557); "Poemata" (Basel 1540); "Le fiamme", Sonette und Kanzonen (Vened. 1548, 2 Bde.), u. a. Seine "Scritti estetici" erschienen zu Mailand (1864, 2 Bde.); auch gab Ferraro aus des Dichters Nachlaß noch die Komödie "Gli Eudemoni" (Ferrara 1877) heraus.

Girande (franz., spr. schirangd, Girandel, v. ital. girare, sich drehen), Wasserrad, vielröhriger Springbrunnen, bei welchem Wasserstrahlen im Kreis hervorschießen (G. d'eau); auch s. v. w. Feuerrad, Raketenkranz (vgl. Girandole).

Girandole (ital., spr. dschi-), bei Lustfeuerwerken eine Feuergarbe (Boukett), zusammengesetzt aus Raketen mit Leuchtkugeln, Schwärmern, Goldregen etc.; insbesondere heißt so das prachtvolle Feuerwerk in Rom, das früher am Ostertag, jetzt am Konstitutionsfest (2. Juni) abends auf der Engelsburg veranstaltet wird. G. ist auch Name eines silbernen oder bronzenen Leuchters mit drei und mehr Armen (s. Tafel "Bronze-Kunstindustrie", Fig. 8 u. 10), ebenso eines mit Edelsteinen, namentlich Diamanten, besetzten Ohrgehänges.

Girandole, Bernardo delle, s. Buontalenti.

Girant, s. Giro.

Girard (spr. schirar), 1) Jean Baptiste, als Franziskanermönch "Père Grégoire" genannt, einflußreicher schweizer. Pädagog, geb. 1765 zu Freiburg in der Schweiz, studierte zu Luzern und Würzburg Theologie, die er mit philosophischem Sinn auffaßte, war, nachdem er schon vorher als Pfarrer und Hilfsarbeiter bei der helvetischen Regierung viel für das Schulwesen geleistet hatte, 1804-24 Direktor der Primärschulen seiner Vaterstadt, wurde 1824 als Geistlicher nach Bern, später als Professor der Philosophie an das Lyceum zu Luzern berufen und kehrte 1834 in das Kloster seiner Vaterstadt Freiburg zurück. Die Pestalozzischen Ideen über Erziehung nahmen, seit er (1810) im amtlichen Auftrag der Tagsatzung die Anstalt zu Ifferten ^[richtig: Iferten] mit andern besucht und über sie berichtet hatte, ihn ganz für sich ein. Er starb 6. März 1850. Seine Hauptschriften sind: "De l'enseignement régulier de la langue maternelle dans les écoles et dans la famille" (Par. 1844, 4. Aufl. 1873, von der französischen Akademie gekrönt; deutsch von Pabst, Biel 1846) und "Cours éducatif de la langue maternelle" (Par. 1840-48, 6 Bde.).

2) Pierre Simon, Ingenieur, geb. 4. Nov. 1765 zu Caen, wurde 1789 Ingenieur des ponts et chaussées, begleitete die Expedition Bonapartes nach Ägypten als Mitglied der wissenschaftlichen Kommission und leitete dann 1802-20 als Ingénieur en chef des ponts et chaussées den Bau des Kanals, welcher das Wasser des Ourcq bis Paris führen sollte. 1819 wurde er Direktor der städtischen Gasbeleuchtung in Paris und starb 30. Nov. 1836. Er schrieb: "Traité analytique de la résistance des solides, etc." (Par. 1798; deutsch von Krönke, Gießen 1803); "Mémoires sur le canal de l'Ourcq et la distribution des ses eaux, etc." (Par. 1831-45, 2 Bde.).

3) Philippe Henri de, Mechaniker, geb. 1. Febr. 1775 zu Lourmarin im Departement Vaucluse, war in verschiedenen Berufskreisen thätig, flüchtete während der französischen Revolution, führte ein äußerst wechselvolles Leben, kehrte unter Napoleon nach Paris zurück, und als der Kaiser 1810 einen Preis von 1 Mill. Frank (der nie gezahlt worden ist) für die Erfindung einer Flachsspinnmaschine aussetzte, bemühte sich auch G. um die Konstruktion einer solchen und wurde durch seine 1810 in Frankreich patentierte