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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Girardet; Girardin

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Girardet - Girardin.

und beständig verbesserte Maschine der Begründer der jetzigen mechanischen Flachsspinnerei, da die spätern einschlagenden Erfindungen nur Fortschritte auf dem von ihm angebahnten und praktisch verfolgten Weg sind. Er konstruierte auch einen Röhrenkessel, eine rotierende Dampfmaschine, eine Dampfkanone etc. 1815 nach Österreich berufen, betrieb er bis 1825 eine Spinnerei zu Hirtenberg bei Wien. Später leitete er das Bergwesen in Polen und starb 26. Aug. 1845 in Paris.

4) Jules, franz. Gelehrter, geb. 24. Febr. 1825 zu Paris, gebildet im Collège Louis le Grand und seit 1844 in der Normalschule, wurde 1847 Professor der Rhetorik in Vendôme, 1848 Mitglied der französischen Schule in Athen, 1851 Professor der Rhetorik in Lille, 1853 in Montpellier, 1854 Professor der griechischen Litteratur an der Normalschule zu Paris, 1873 Mitglied der Akademie der Inschriften und erhielt 1874 den neu geschaffenen Lehrstuhl der griechischen Poesie an der Faculté des lettres. Er schrieb: "Mémoire sur l'île d'Eubée" (1852); "De Megarensium ingenio" (1854); die Preisschrift "Essai sur Thucydide" (1860, neue Ausg. 1884); "Hypéride, sa vie et ses écrits" (1861); "Un procès de corruption chez les Athéniens" (1862); "Le sentiment religieux en Grèce" (1869, 2. Aufl. 1879; ebenfalls Preisschrift); "Études sur l'éloquence attique" (1874, 2. Aufl. 1883); "Études sur la poésie grecque" (1884).

Girardet (spr. schirardä), 1) Abraham, schweizer. Kupferstecher, geb. 1764 zu Locle im Kanton Neuenburg, arbeitete meist zu Paris, wo er 1823 starb. Er lieferte eine beträchtliche Anzahl Blätter von korrekter Zeichnung, unter denen die Verklärung Christi (nach Raffael), der Raub der Sabinerinnen (nach Poussin), der Triumph des Titus und des Vespasian (nach Giulio Romano), der tote Heiland (nach Andrea del Sarto) als die besten hervorzuheben sind.

2) Charles, Maler, Neffe des vorigen, geb. 13. Mai 1810 zu Locle, Schüler Léon Cogniets, machte große Reisen in der Schweiz, in Deutschland, Italien, Spanien, Algerien, Ägypten und in der Türkei, von welchen er Landschaften und Genrebilder heimbrachte. Bisweilen steigerte er das Genre zum Geschichtsbild, wie das in Locle befindliche Gemälde: Protestanten, während ihrer Andacht von katholischen Soldaten und Mönchen überfallen (1842), zeigt. G. war auch als Illustrator tüchtig, wie die von ihm illustrierten Ausgaben des Ariost und der "Histoire du Consulat et de l'Empire" beweisen. Er starb 19. April 1871 in Neuenburg.

3) Edouard, franz. Maler und Kupferstecher, Bruder des vorigen, geb. 21. Juli 1819 zu Neuchâtel, gest. 5. Jan. 1880 in Versailles, war anfangs Kupferstecher und arbeitete 1836 an dem großen Werk "Les galeries historiques de Versailles" mit. 1839 brachte er von einer Reise in das Berner Oberland das erste jener fein beobachteten und korrekt gezeichneten ländlichen Genrebilder mit, welche durch ihn rasch populär wurden. Fortan entlehnte er seine Motive überwiegend diesem Landstrich und wußte die lokale Eigentümlichkeit in seinen zugleich einfachen und dramatischen Kompositionen vortrefflich wiederzugeben. Der verwundete Hund, der Tod eines Kindes, die Bibellektüre, das Tischgebet, die Erzählung der Großmutter und der väterliche Segen gehören zu seinen erfolgreichsten Arbeiten, der Jahrmarkt im Kanton Bern und die Auktion zu seinen letzten und reifsten. Von seinen Kupferstichen sind verschiedene Blätter nach Delaroche und Gérôme zu nennen.

4) Paul, Kupferstecher, Bruder der vorigen, geb. 8. März 1821 zu Neuchâtel, beschickte seit 1842 den Pariser Salon mit Stichen nach seinem Bruder Charles, nach H. Vernet, P. Delaroche, Knaus, Brion, Vautier u. a.

Girardin (spr. schirardäng), 1) Cecile Stanislas Xavier, Graf von, franz. Politiker, geb. 15. Jan. 1762 zu Lunéville, bildete sich nach den Lehren Rousseaus, trat im 16. Jahr als Kadett in ein Dragonerregiment und avancierte bald zum Kapitän. Ein begeisterter Anhänger der Revolution, ward er in Senlis als Abgeordneter des dritten Standes in die Nationalversammlung gewählt. Als Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung hielt er sich anfangs zur äußersten Linken, näherte sich aber allmählich aus Furcht vor der Anarchie der Rechten und verteidigte 10. Aug. 1792 das konstitutionelle Königtum. Deshalb von den Jakobinern bedroht, übernahm er eine Sendung nach London und verbarg sich nach seiner Rückkehr im Januar 1793 bei einem Verwandten zu Sézanne, ward aber entdeckt und verhaftet. Erlernte im Gefängnis das Tischlerhandwerk, bis der Sturz Robespierres ihm die Freiheit wiedergab. In Ermenonville, wohin er sich später zurückzog, machte er die Bekanntschaft Joseph Bonapartes, erhielt durch diesen nach dem 18. Brumaire das Amt eines Präfekten im Departement Oise und darauf eine Stelle im Tribunat. 1806 begleitete er Joseph Bonaparte nach Neapel, wo er den Befehl über ein Bataillon und nach der Belagerung von Gaeta den Rang eines Obersten erhielt. Zum Brigadegeneral befördert, ging er 1808 mit Joseph nach Spanien, ward nach seiner Rückkehr Mitglied des Gesetzgebenden Körpers und 1812 Präfekt des Departements der untern Seine. Da er die Abdankung Napoleons mit unterzeichnet hatte, behielt er sein Amt nach der ersten Restauration, ward freilich, der Verbreitung einer Schmähschrift gegen die königliche Familie beschuldigt, nach der zweiten Rückkehr der Bourbonen entsetzt, jedoch 1819 als Präfekt des Departements Côte d'Or wieder angestellt. Weil er, gleichzeitig vom Departement der untern Seine in die Kammer gewählt, sich zur Opposition hielt und namentlich gegen die Ausnahmegesetze beim Tode des Herzogs von Berri kämpfte, verlor er 1820 seine Präfektenstelle wieder. Dagegen behielt er seinen Platz in der Kammer auf der äußersten Linken bis 1826; er starb 27. Febr. 1827. G. schrieb: "Mémoires, journal et souvenir" (Par. 1828, 5 Bde.).

2) Alexandre, Graf von, Bruder des vorigen, geb. 16. Jan. 1776, nahm an den Feldzügen Napoleons I. mit Auszeichnung teil und ward 1814 Divisionsgeneral. Später von entschieden royalistischer Gesinnung, ward er Oberjägermeister Karls X. Nach der Julirevolution lebte er zurückgezogen und starb 5. Aug. 1855. G. veröffentlichte unter anderm: "Mémoire sur la situation politique et militaire de l'Europe" (1844).

3) Erneste Stanislas, Graf von, franz. Kammermitglied, ältester Sohn von G. 1), Besitzer von Ermenonville, geb. 24. Juli 1802, stand erst in Militärdiensten, saß seit 1830 zweimal als Deputierter des Departements Charente in der Kammer, wo er mit der liberalen Minorität stimmte. Bei den Wahlen des Jahrs 1842 fiel er hauptsächlich auf Betrieb Guizots durch, welcher persönlichen Groll gegen ihn hegte. 1848 und 1849 war er für das Departement Charente Mitglied der Konstituante und Legislative, wo er zu der gemäßigten Partei gehörte. Am 26. Jan. 1852 ernannte ihn Ludwig Napoleon zum Senator. Er starb 2. Jan. 1874 in Paris.

4) Jean Pierre Louis, Chemiker, geb. 16. Nov.