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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Glinsk - Globus.

russische Komponist, welcher mit nachhaltigem Erfolg für die Bühne geschrieben, und sein Vaterland verehrt mit Recht in ihm den Schöpfer der nationalrussischen Oper. Außer den genannten Werken veröffentlichte er noch eine große Zahl von Romanzen, die russische Nationalhymne (Text von Schukowski) und Orchesterbearbeitungen russischer Tänze, darunter die auch in Deutschland beliebt gewordene "Kamarinskaja" u. a. Vgl. Fouque, M. J. G. d'après ses mémoires (Par. 1880).

Glinsk, Stadt im russ. Gouvernement Poltawa, Kreis Romen, rechts an der Sula, mit vier Kirchen und (1880) 3234 Einw., welche starke Töpferei und Schneiderei en gros (Bauernpelze und Kaftane) treiben. Die Stadt war seit 1446 Hauptort eines unabhängigen Fürstentums und fiel erst 1667 an Rußland.

Glinski, Michael, Fürst, poln. Parteigänger, stammte aus einer fürstlichen Familie tatarischen Ursprungs, die seit 1494 in Litauen ansässig war, und ward, nachdem er lange Zeit in Friesland unter Albrecht von Sachsen und in Italien unter Maximilian I. gefochten, der Günstling des Königs Alexander Jagello von Polen. Unter König Siegmund von Neidern beschuldigt, nach der Krone von Litauen gestrebt zu haben, fiel er in Ungunst, rächte sich blutig an mehreren seiner Gegner und nahm sodann mit zwei Brüdern und vielen Litauern Dienste beim russischen Zaren Wasilij III. Iwanowitsch, den er 1508 zu einem Einfall in Litauen bewog. Er selbst führte das feindliche Heer gegen sein Vaterland, ward aber geschlagen, und seine Güter in Litauen fielen dem König von Polen anheim. Bei einem zweiten Einfall bemächtigte er sich 1514 des festen Smolensk durch Verrat; weil aber der Zar sein Versprechen, ihm diese Stadt zu überlassen, nicht hielt, suchte er sich mit seinem König auszusöhnen. Wasilij, davon benachrichtigt, ließ ihn in Ketten nach dem Innern Rußlands abführen. Durch Vermittelung seiner Nichte, der Zarin Helena, und des Kaisers Maximilian ward er wieder befreit. Weil er jedoch die Zarin Helena wegen ihres übeln Lebenswandels getadelt, ließ ihn diese abermals gefangen setzen und blenden. Er starb 1534 im Kerker. Der polnische Dichter Wezyk behandelte Glinskis Schicksal in einer Tragödie. Vgl. Warnku, De ducis M. Glinscii contra Sigismundum regem rebellione (Bresl. 1868).

Gliōm (Gliōma, v. griech. glía, "Kitt"), eine Geschwulst, die aus der Substanz, welche die nervösen Elemente des Gehirns untereinander verbindet (Neuroglia, Nervenkitt), besteht. Das G. erscheint als eine weißliche, weiche, markähnliche Masse, bald ohne scharfe Begrenzung, bald umschrieben. Es kommt im Gehirn, Rückenmark und im Auge, von der Netzhaut ausgehend, vor und kann vermöge dieses Sitzes die Ursache des Todes werden. Vgl. Virchow, Krankhafte Geschwülste, Bd. 2 (Berl. 1865).

Glion (spr. gliong), s. Montreux.

Glires, Nagetiere.

Glis, der Siebenschläfer.

Glissade (franz.), in der Tanzkunst s. v. w. Schleifschritt; auch Schlitter- oder Rutschbahn (auf dem Eis); beim Stoßfechten eine Streichfinte oder Finte an der Klinge (vgl. Fechtkunst).

Glissando (auch glissato, v. franz. glisser, "gleiten", abgeleitet) bezeichnet bei Streichinstrumenten einen glatten Vortrag ohne Accentuation (bei Passagen), auf dem Klavier einen Virtuoseneffekt von wenig Wert, nämlich das Spielen einer sehr schnellen Tonleiterpassage, die nur Untertasten benutzt, mit einem Finger (Streichen mit der Nagelseite). Das in ältern Kompositionen vorkommende G. in Doppelgriffen (Terzen, Sexten, Oktaven) ist auf dem modernen Pianoforte wegen des starken Tastenfalles nicht ausführbar.

Glissant (franz., spr. -āng), glatt, schlüpfrig; figürlich s. v. w. bedenklich.

Glisson, Francis, Anatom und Physiolog, geb. 1596 zu Rampisham in Dorsetshire, studierte zu Cambridge Medizin und erhielt daselbst eine Professur, kam 1634 als Mitglied des Kollegiums der Ärzte nach London, wurde von demselben zum Professor der Anatomie ernannt und starb 1677 als Präsident des Kollegiums. Er lehrte in seinem "Tractatus de natura substantiae energetica" (Lond. 1672) die Irritabilität der belebten Faser und ist insofern als der Urheber der neuern Physiologie und des Hoffmannschen und Brownschen Systems anzusehen. In seiner "Anatomia hepatis" (Lond. 1654, Haag 1681) ist die nach ihm benannte Glissonsche Kapsel (s. Pfortader) zuerst erwähnt. Seine "Sämtlichen Werke" erschienen zu Leiden 1691 und 1711 in 3 Bänden.

Globe (franz. u. engl., spr. glob), Kugel, Erdkugel, Globus; auch mehrfach als Titel von Zeitungen und als Name für Theater verwendet. Historisch berühmt unter letztern ist das ehemalige G.-Theater in London durch Shakespeare, der Miteigentümer desselben war und seine Dramen daselbst zur Aufführung brachte. Es lag, 1593 neuerbaut, zu Bankside am südlichen Themseufer und brannte 1613 gänzlich nieder.

Globeöl, s. Erdöl, S. 768.

Globe-trotter (engl.), scherzhafte Bezeichnung für zum Vergnügen reisende Weltumsegler.

Globigerinen, s. Rhizopoden.

Globiocephălus, Grindwal, s. Delphine.

Globoīd, s. Aleuron.

Globoīn, s. v. w. Nitroglycerin.

Globōs (lat.), kugelförmig, aus Kugeln bestehend; Globosität, Kugelförmigkeit.

Globosenschichten, s. Triasformation.

Globular (globulös, lat.), kugelförmig.

Globulariaceen, dikotyle, hauptsächlich in Europa einheimische Pflanzengruppe aus der Ordnung der Labiatifloren, Stauden oder kleine Sträucher mit wechselständigen Blättern und zweilippigen, in Köpfchen zusammengedrängten Blüten.

Globulīne, Proteinkörper, welche nicht in Wasser, wohl aber in verdünnter Kochsalzlösung löslich sind und daraus durch Wasser gefällt werden. Hierher gehören: das Vitellin des Eidotters, das Myosin, die fibrinoplastische Substanz (Paraglobulin, Serumkasein) und die fibrinogene Substanz (s. Fibrin).

Globuli tartari ferrati oder martiales (Stahlkugeln), altes Eisenpräparat, wesentlich aus Eisenweinstein in Kugelform bestehend, dient zu Stahlbädern.

Globuliten, mikroskopische Kügelchen, eine Ausscheidungsform kristallisationsfähiger Körper aus Lösungen, welche die Kristallisation verhindern. Schwefel tritt in Form von G. auf, wenn eine Lösung desselben in Schwefelkohlenstoff, welche Kanadabalsam enthält, verdunstet. Hochofenschlacken enthalten oft G. von Silikaten, und ähnliche Gebilde finden sich in der Glasbasis der Basalte und Melaphyre. Linear gruppierte G. bilden die Margariten, und wenn in diesen die G. bei direkter Berührung verschwimmen, entstehen die Longuliten.

Globus (lat., "Kugel"), künstliche Nachbildung der Erdkugel (Erdglobus) oder der Himmelskugel (Himmelsglobus). Auf jedem G. findet man zunächst die