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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Glück; Glück auf!; Glucke

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Glück - Glucke.

einer langen Künstlerlaufbahn, erreichte, beweist, wie v. Dommer ("Geschichte der Musik", S. 523) treffend bemerkt, daß ihn mehr Beobachtung, Erfahrung, Reife des Geistes und bewußte Absicht als ein unwillkürlicher Kunstinstinkt zum Kampf gegen die Mißbräuche der Italiener getrieben haben. Diesen unternahm er und bestand er siegreich als ein Mann von Charakter und ernstem, hohem Sinn, dem Nachdenken und der Kunstbetrachtung zugethan, von der Natur für das Große und Bedeutsame in einfacher Erscheinung angelegt. Daneben konnten auch die auf eine Veredelung und Vertiefung der deutschen Poesie gerichteten Bestrebungen, mit Lessing und dem von G. hochverehrten Klopstock an der Spitze, im besondern aber auch die Bemühungen um Verbesserung des deutschen Schauspiels, nicht ohne bewegende Einwirkungen auf ihn bleiben. Die rein konventionell gewordenen und erstarrten Gesangsformen der italienischen Oper, die endlosen, aller dramatischen Fortbewegung der Handlung Widerstand leistenden Arien konnten seinem Drang nach Lebenswahrheit auch im Kunstwerk nicht länger entsprechen. Die Allmacht einer üppigen, auf Kosten jeder höhern Idealität nur die Sinne berauschenden und dem Ohr schmeichelnden Melodik mußte seine keusche und kräftige Natur anwidern; die Eitelkeit der Sänger, welche in dem Komponisten nicht viel mehr als ihren Handlanger sahen, mußte sein Künstlerbewußtsein empören. Diesen Übelständen zu begegnen, fühlte G. Beruf und Kraft in sich, und das Bestreben, dem poetischen und dramatischen Teil der Oper gegenüber dem rein gesanglichen zu seinem Recht zu verhelfen, ist der Kern seiner Reformideen. Vgl. Schmid, G., sein Leben und sein tonkünstlerisches Wirken (Leipz. 1854); Marx, G. und die Oper (Berl. 1863); Desnoiresterres, G. et Piccini (Par. 1872); Reißmann, Ch. W. v. G. (Berl. 1882). Eine Sammlung der durch das Auftreten Glucks in Paris hervorgerufenen Broschüren, Zeitungsartikel etc. veranstaltete Abbé Gaspard Michel (Leblond) unter dem Titel: "Mémoires pour servir à l'histoire de la révolution opérée dans la musique par M. le chevalier de G." (Neap. 1781; deutsch von Siegmeyer: "Über den Ritter von G. und seine Werke", Berl. 1823).

Glück wird sowohl (im objektiven Sinn) als Bezeichnung einer Lebenslage wie (im subjektiven Sinn) als solche eines Gemütszustandes gebraucht. Im erstern Sinn drückt dasselbe den Besitz eines an sich wünschenswerten Guts (Gesundheit, Reichtum, vorteilhafte Lebensstellung) aus, dessen Erlangung weder gewiß noch auch nur (für den Betreffenden) besonders wahrscheinlich war; im letztern Sinn das aus demselben entspringende Lustgefühl (Glückseligkeit). Insofern das im Besitz Befindliche ein wirkliches Gut, wird dessen Besitzer ein "Glücklicher", insofern dessen Besitz auf dem Zufall beruht, wird das G. selbst veränderlich (launenhaft) genannt ("G. und Glas, Wie leicht bricht das!" Uhlands "G. von Edenhall"); insofern der Freude am Besitz aus dem Bewußtsein der Zufälligkeit desselben die Furcht vor dem möglichen oder gar wahrscheinlichen Verlust sich zugesellt, ist das Glücksgefühl kein reines, sondern ein gemischtes, jene Lust durch diese Trauer dämpfendes Gefühl (Schillers "Ring des Polykrates"). Um des erstern willen heißen Güter, deren Besitz unsicher ist (sogen. äußere Güter, wie Gesundheit, Vermögen etc.), vorzugsweise Glücksgüter; Spiele, in welchen der Gewinst vom Zufall abhängt, Glücksspiele; derjenige, der G. hat (im Spiel, bei den Frauen etc.), besonders wenn es sich häufig wiederholt, heißt ein "Glückskind", wenn er darauf ausgeht, ein "Glücksritter"; um des letztern willen fühlt sich der im G. Befindliche durch die erfahrene Gunst des Zufalls zwar "beglückt", aber nicht "glücklich", weil das Gefühl der Dauerhaftigkeit mangelt ("Ich hab' im Leben G. gehabt, Doch glücklich bin ich nie gewesen!" Dingelstedt). Beides macht, daß das G. zwar Neid erregt (auch "bei den Göttern!"), aber nicht neidenswert ist (bei den Weisen!), indem es als G. im objektiven Sinn von dem Verdienst, dessen Aussicht auf Erlangung eines an sich wünschenswerten Guts (des Bewußtseins erfüllter Pflicht) weder ungewiß noch gar unwahrscheinlich, sondern notwendig ist, als G. im subjektiven Sinn aber von der Seligkeit, dem aus dem Besitz eines unverlierbaren Guts (wie es das Bewußtsein der Pflichterfüllung ist) entspringenden Lustgefühl, dessen Reinheit durch keine Furcht möglichen Verlustes getrübt werden kann, übertroffen wird.

Glück, 1) Christian Friedrich von, namhafter deutscher Rechtsgelehrter, geb. 1. Juli 1755 zu Halle, habilitierte sich daselbst 1777 und ward 1784 ordentlicher Professor der Rechte in Erlangen, starb daselbst 20. Jan. 1831. Sein Hauptwerk ist die "Ausführliche Erläuterung der Pandekten" (Erlang. 1790-1830, 34 Bde.; fortgesetzt von Mühlenbruch, Bd. 35-43, 1832-43; von Fein, Bd. 44, 1851; von Arndts, Bd. 45-48, 1853-78; von Leist, 5 Tle., 1870-79, und Burckhardt, 3 Tle., 1871-81, mit Register bis zum 45. Bd., 1822-68, 4 Bde.). - Sein Sohn Christian Wilhelm v. G., geb. 31. Dez. 1810 zu Erlangen, gest. 13. Juni 1866 als Beamter an der Hof- und Staatsbibliothek in München, hat sich durch seine keltischen Forschungen einen Namen gemacht. Er veröffentlichte: "Die bei Julius Cäsar vorkommenden keltischen Namen" (Münch. 1857); "Renos, Moinos und Mogontiacon, die gallischen Namen etc." (das. 1865); das historische Werk "Die Bistümer Norikums, besonders das Lorchische, zur Zeit der römischen Herrschaft" (Wien 1855) u. a.

2) Elisabeth, unter dem Pseudonym Betty Paoli bekannte Dichterin, geb. 30. Dez. 1815 zu Wien als die Tochter eines Arztes, der frühzeitig starb, geriet mit 15 Jahren infolge des Vermögensverlustes ihrer Mutter in bedrängte Verhältnisse und verweilte mit derselben 1833-35 in tiefster Zurückgezogenheit in Rußland. Nach Wien zurückgekehrt, wurde sie 1843 Gesellschaftsdame der Fürstin Schwarzenberg, die sie auf Reisen in Deutschland und Frankreich begleitete, und widmete sich dann, in Wien ihren Wohnsitz behaltend, litterarischen Arbeiten. Es erschienen von ihr: "Gedichte" (Pest 1841, 2. Aufl. 1845); "Nach dem Gewitter" (das. 1843); "Die Welt und mein Auge", Erzählungen (das. 1844, 3 Bde.); "Romancero", epische Gedichte (das. 1845); "Neue Gedichte" (das. 1850, 2. Aufl. 1856); "Lyrisches und Episches" (das. 1855) und "Neueste Gedichte" (Wien 1870) sowie zahlreiche Kritiken; die von großer künstlerischer Bildung zeugende Schrift "Wiens Gemäldegalerien in ihrer kunsthistorischen Bedeutung" (das. 1865) und die kritische Studie "Grillparzer und seine Werke" (Stuttg. 1875). Ihre Gedichte sind voll leidenschaftlicher, zum Teil tiefer Empfindung, reich an kräftig-originellen Zügen, Resultate schmerzlicher Erlebnisse und innerer Kämpfe, erheben sich aber selten zur innern Versöhnung.

Glück auf! der Bergmannsgruß, wird beim Kommen und Gehen sowie auch bei schriftlichen Mitteilungen angewandt.

Glucke (Gastropacha Ochsenh., Lasiocampa Schrank), Schmetterlingsgattung aus der Familie ^[nächste Seite]