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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gnenn; Gnesen; Gnetaceen; Gnetum; Gneuß; Gnidia; Gnidos; Gniewkowo; Gnitzen; Gnoien; Gnomen

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Gnenn - Gnomen.

nung" (das. 1870); "Der Rechtsstaat" (das. 1872, 2. Aufl. 1879); "Vier Fragen zur deutschen Strafprozeßordnung" (das. 1874); "Gesetz und Budget" (das. 1879); "Die preußische Finanzreform" (das. 1881). Er veröffentlichte Ausgaben des Gerichtsverfassungsgesetzes und der Strafprozeßordnung nebst Einführungsgesetzen (beide Berl. 1877) und als Mitglied der Reichstagskommission zur Beratung des Sozialistengesetzes die Schrift "Das Reichsgesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" (das. 1878).

Gnenn (Genenn, unrichtig Knän, v. althochd. gnánno, "der Gleichnamige"), mundartlich (in Hessen etc.) s. v. w. Vater.

Gnesen, Erzbistum im ehemaligen Königreich Polen, zu dessen Sprengel nebst den preußischen die Bistümer Breslau, Kammin und Lebus und seit dem 12. Jahrh. Posen gehörten. Es wurde ums Jahr 1000 begründet. Der Erzbischof war Legat des päpstlichen Stuhls und seit 1416 Primas von Polen. Kraft dessen hatte er das Recht, den polnischen König zu krönen, und war seit 1572 bis zur Wahl des neuen Königs Reichsverweser. 1821 wurde G. mit dem neuerrichteten Erzbistum Posen (s. d.) vereinigt, der Erzbischof siedelte nach Posen über, doch blieb in G. ein Domkapitel mit einem Weihbischof bestehen.

Gnesen (Gniezno), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Bromberg, 107 m ü. M., zwischen Hügeln und Seen in fruchtbarer Gegend und an den Linien Posen-Thorn und Öls-G. der Preußischen Staatsbahn und der (1886 im Bau begriffenen) Eisenbahn G.-Nakel, hat eine evangelische und 9 kath. Kirchen, darunter den alten Dom (965 gegründet) mit zwei Türmen, einer kunstvollen ehernen Flügelthür und dem Grabmal des heil. Adalbert, bedeutende Vieh-, Pferde- und Getreidemärkte, Zuckerfabrikation, Dampfmehl- und Ölmühlen, Maschinenfabriken, Molkerei, Destillationen etc. und (1885) mit Garnison (1 Infanterieregiment Nr. 49) 15,760 meist kath. Einwohner. G. hat ein Domkapitel (für das Erzbistum Posen-G.), ein Kollegiatstift, Priesterseminar, Gymnasium, ein Waisenhaus, ein Landgestüt und ist Sitz eines Landgerichts (für die fünf Amtsgerichte zu G., Mogilno, Tremessen, Wongrowitz und Wreschen) und einer Reichsbanknebenstelle. - G. ist eine der ältesten Städte des frühern Königreichs Polen, wurde im J. 1000 Sitz eines Erzbischofs, erhielt 1262 deutsches Stadtrecht und war bis 1320 Krönungsstadt der polnischen Könige. Hierhin, zum Grab des heil. Adalbert, war schon Kaiser Otto III. gewallfahrtet. Später geriet die Stadt in Verfall und hat sich erst unter preußischer Herrschaft, unter die es 1793 und abermals 1814 kam, etwas gehoben.

Gnetaceen, Pflanzengruppe aus der Abteilung der Gymnospermen, zunächst mit den Koniferen (s. d.) verwandt und von manchen Botanikern als Unterfamilie derselben betrachtet, Sträucher oder Bäume von verschiedenartigem Habitus, bald schachtelhalmähnlich, mit gegliederten, quirligen Ästen und kleinen, zu Scheidenzähnen verkümmerten Blättern (Ephedra), bald mit verzweigten Stämmen und flachen, ovalen, fiedernervigen Blättern (Gnetum), bald mit verkürztem Holzstamm und nur mit zwei großen, schilfähnlichen, ausdauernden Blättern (Welwitschia). Die eingeschlechtigen, in Ähren, Rispen oder zapfenförmigen Blütenständen angeordneten Blüten stehen hinter Deckblättern, die sich bisweilen bei der Reife zu einer fleischigen, roten Hülle ausbilden oder becherartig miteinander verwachsen oder einen Zapfen mit gekielten, vierreihigen Schuppen bilden. Die männliche Einzelblüte besteht aus einer perigonartigen Hülle, die aus zwei verwachsenen Blättchen gebildet wird, und einem einfachen oder doppelten, zwei-, drei-, oder sechsgliederigen Antherenquirl mit ein- bis dreifächerigen Antheren. Die weiblichen Blüten haben einen oben offenen Fruchtknoten ohne Griffel und Narbe, der aus zwei Karpellen besteht und eine gerade Samenknospe mit einem oder zwei Integumenten enthält, von denen eins griffelartig aus der Fruchtknotenmündung hervorgezogen ist. Die aus ca. 40 Arten bestehende Familie umfaßt die Gattungen Ephedra, Gnetum und die für die afrikanische Wüste Kalahari charakteristische Welwitschia. Vgl. J. D. ^[Joseph Dalton] Hooker, On Welwitchia (Lond. 1863); Strasburger, Die Koniferen und die G. (Jena 1872). Einige Arten der Gattung Ephedra kommen fossil in Tertiärschichten vor.

Gnetum L., Gattung aus der Familie der Gnetaceen, Sträucher, selten Bäume mit gegenständigen, knotig gegliederten Zweigen und gegenständigen, lederigen, eiförmigen oder oblongen, fiedernervigen Blättern und monözischen, selten diözischen Blüten in Rispen. 18 Arten im tropischen Asien und Amerika. G. Gnemon L., ein Baum in Ostindien, ist in mehrfacher Hinsicht nutzbar, indem die Früchte roh, gekocht oder geröstet gegessen, das junge Laub als Gemüse genossen und aus dem Baste Stricke gedreht werden. G. ovalifolium Poir. und G. edule Bl., auf Java und andern ostindischen Inseln, gewähren ähnlichen Nutzen. G. urens Bl., in Guinea, trägt Früchte, deren Hülle mit kurzen, brennenden Haaren besetzt ist, und deren Samen eßbar sind. Aus dem Stamm schwitzt ein durchsichtiges Gummi aus und ergießt sich infolge eines Schnittes oder einer Anbohrung eine wasserhelle, als Getränk dienende Flüssigkeit.

Gneuß, s. Gneis.

Gnidia, Gnidos, s. Knidia, Knidos.

Gniewkowo, Stadt, s. Argenau.

Gnitzen, s. Mücken.

Gnoien (Gnoyen), Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, an einem Zufluß der Recknitz und an der Eisenbahn G.-Teterow, hat ein Amtsgericht, Maschinenfabrikation und (1885) 3630 Einw.

Gnomen, Erd- oder Berggeister, in der neuern Dämonologie eine der vier Klassen der Elementargeister (s. d.). Sie bewachen die unterirdischen Schätze im Schoß der Erde und können die verschiedensten Gestalten annehmen. Die weiblichen (Gnomiden) werden gewöhnlich als schön, die männlichen dagegen als häßlich vorgestellt. Obgleich sie die Menschen zu necken pflegen, so thun sie ihnen doch mehr Gutes als Böses und letzteres eigentlich nur, wenn sie gereizt werden. Der Name ist dem Französischen entlehnt und seiner Etymologie nach dunkel.

Gnomen (griech., lat. Sententiae), Sprüche, in welchen die Resultate der Lebensbeobachtung in sinnreicher Kürze ausgedrückt sind, entweder metrisch (meist im elegischen Silbenmaß) oder in kräftiger Prosa abgefaßt, ihrem Charakter nach ein Element der didaktischen Poesie. Die indische, arabische, persische und hebräische Litteratur ist reich an solchen Sprüchen, und die Sämundsche Edda hat viele treffliche G. aus dem Norden aufbewahrt. Eine große Geltung hatten die G. bei den Griechen. Schon bei Homer finden sich nicht selten dergleichen Sprüche dem Gang der Erzählung eingewebt. Als die eigentliche Entwickelungszeit der gnomischen Philosophie ist das Zeitalter der Gesetzgeber, eines Lykurgos, Charondas, Zaleukos, Drakon und Solon, anzusehen, welche die Satzungen des Staats in metrische Fassung brach-^[folgende Seite]