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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Goldwährung - Golesco.

schieber wirft die Münze in einen Kanal, durch den sie in einen Schubkasten unter den Apparat gelangt. Während jedes Wägens bewegt sich an dem nach unten gerichteten Zeiger der Wage ein keilförmiges Stück einmal auf und ab, welches bei der Ruhelage der Wage an der linken Seite des Zeigers hingeht, ohne diesen zu berühren. Ist aber das Passiergewicht ein klein wenig schwerer als die zu wägende Münze, so bewegt sich der Zeiger der Wage nach links über die Spitze des keilförmigen Stückes hinweg, und dieses drückt ihn nun beim Hochgehen bedeutend nach links, stellt damit die ganze Wage schief und hebt die linke Wagschale so hoch, daß der Abschieber das minderwichtige Stück in einen höher gelegenen zweiten Kanal wirft. Durch diesen fällt es dann in einen andern Schubkasten, in dem alle falschen, beschnittenen oder angeätzten Münzen aufgefunden werden. Vor jedem neuen Spiel des Apparats führt die eine Sicherungsvorrichtung den Wagebalken in seine Normallage zurück; damit keine Zeit durch unnützes Hin- und Herpendeln verloren gehen kann. Diese Wage wird mit einem Uhrwerk oder mittels eines kleinen Wassermotors betrieben und arbeitet selbstthätig mit größter Genauigkeit und verhältnismäßiger Schnelligkeit. Bei gleichmäßigem Betrieb werden 20 Goldstücke in der Minute gewogen, jede Wägung dauert also nur 3 Sekunden und fällt selbst bei den kleinen 5-Markstücken auf 5 mg genau aus.

Goldwährung, s. Währung.

Goldwäscherei, s. Gold, S. 475.

Goldwasser, ein aus Drosera bereitetes Universalmittel; s. auch Danziger Goldwasser.

Goldweberei, s. Goldspinnerei.

Goldwespen (Chrysididae Latr.), Familie aus der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera), Insekten von geringerer oder mittlerer Größe, mit herrlichen Metallfarben, stumpfem oder gestrecktem, hinten abgerundetem, oben gewölbtem, am Bauch ausgehöhltem Hinterleib in welchen sie, wenn sie angegriffen werden, Kopf und Vorderrücken, sich zusammenkugelnd, einziehen. Das Weibchen besitzt eine fernrohrartig ausstreckbare Legröhre, mit deren Hornspitze es bisweilen sticht. Der Mittelleib ist viereckig und hat hinten scharfe, manchmal zahnartig ausgezogene Ecken. An dem queren Kopf stehen ovale Augen, auf dem Scheitel drei Punktaugen und 13gliederige, gebrochene Fühler. Die G. fliegen im Sommer während der Mittagszeit an Planken, Lehmwänden etc. umher und suchen Nester von Bienen, Wespen und Grabwespen, um ihre Eier in deren noch nicht geschlossene Zellen zu legen. Die Larven fressen das von jenen eingetragene Futter weg; kriechen sie aber erst aus, wenn die rechtmäßigen Bewohner der Zellen stark herangewachsen sind, so greifen sie diese an und verzehren sie in kurzer Zeit. Von den etwa 400 Arten leben die meisten in Europa. Die gemeine Goldwespe (Chrysis ignita L., s. Tafel "Hautflügler") ist 5-11 mm breit, am Kopf und Thorax blau oder grün, am Hinterleib goldglänzend, bisweilen grün schillernd, oft intensiv rot, am Bauch schwarzfleckig. Sie ist überall in Europa gemein und legt ihre Eier in die Nester zahlreicher Immen.

Goldwolf, s. v. w. Schakal.

Goldwurz, Pflanzengattung, s. Chelidonium.

Goldzunder, s. Vergolden.

Golea, El, Oase in der algerischen Sahara (El Areg), 350 km südwestlich von Wargla, bewohnt von 1500 Schamba-Arabern und Negern, welche die Felder der erstern bestellen. Gebaut werden Gerste und Weizen, die Oase hat ca. 2000 Dattelpalmen und zahlreiche andre Fruchtbäume, die Bewässerung geschieht aus Brunnen. Der einzige Ort der Oase besteht aus zwei Teilen, der befestigten Oberstadt, El Menia, auf einem 60 m hohen Kegelberg, und der Unterstadt, deren Bewohner teils in künstlichen Höhlen des Bergs, teils in Steinhütten mit flachen Dächern aus Palmwedeln und Thon leben. Die Oase, welche als vorgeschobener Grenzposten und als Rastort für die vom N. und NO. Algeriens nach Tunis und Timbuktu ziehenden Karawanen wichtig ist, wurde schon 1861 zum französischen Besitz erklärt, aber erst 1871 von Gallifet faktisch in Besitz genommen.

Golem (hebr.), Klumpen, Figur aus Thon, nach einem Menschen gebildet.

Göler von Ravensburg, Franz Wilhelm August, Freiherr von, Militärschriftsteller, geb. 28. April 1809 zu Sulzfeld in Baden, trat in die badische Artillerie, war längere Zeit Lehrer an der Kriegsschule, dann Begleiter des gemütskranken Erbgroßherzogs Ludwig, nach dessem Tod (1858) kurze Zeit Direktor der großherzoglichen Kunstanstalten, nahm 1858 als Generalmajor seinen Abschied und starb 10. Juni 1862 in Karlsruhe. Er schrieb die wertvollen Werke: "Cäsars Kämpfe bei Dyrrhachium und Pharsalus" (Karlsr. 1854) und "Cäsars gallischer Krieg" (das. 1858), welche 1880 in 2. Auflage von seinem Sohn, Freiherrn Ferdinand, herausgegeben wurden. - Ein andrer Sohn, Freiherr Ernst August, geb. 10. April 1837 zu Karlsruhe, ist deutsch-konservatives Mitglied des Reichstags.

Golésco, 1) Nikolaus, rumän. Staatsmann, geb. 1810 zu Campu-Longu als Sprößling einer walachischen Bojarenfamilie, erhielt seine Erziehung in Genf. 1829 in die Walachei zurückgekehrt, trat er in das dortige Militär und ward zum Obersten und Adjutanten des Hospodars Alexander Ghika befördert. Später trat er in den Zivildienst über und bekleidete verschiedene hohe Ämter. Nach dem Ausbruch der walachischen Revolution von 1848 spielte er eine hervorragende Rolle und hatte einige Monate lang die oberste Leitung aller Angelegenheiten des Fürstentums in seinen Händen. Nach der russisch-türkischen Okkupation des Landes verhaftet, entfloh er und schlug seinen Wohnsitz zu Paris auf. Erst durch den Pariser Frieden von 1856 ward sein Exil beendigt; als er im Juli 1857 in die Walachei zurückkehrte, ward er von der Stadt Bukarest mit großer Majorität in den Diwan ad hoc gewählt, der 21. Okt. die Vereinigung der beiden Donaufürstentümer beschloß, zum Vizepräsidenten dieser Versammlung erhoben und später zum Minister des Auswärtigen in dem Kabinett ernannt, welches nach der Doppelwahl des Fürsten Cusa an die Spitze der Geschäfte trat. 1860 wurde er Kriegsminister, schied jedoch 1861 aus, da er mit der Politik des Fürsten nicht einverstanden war, und schloß sich der entschiedensten Opposition an. 1866 stand er an der Spitze der Verschwörung, welche Cusa stürzte (23. Febr.), und ward das Haupt der provisorischen Regierung. Am 12. Mai 1868 wurde er unter Fürst Karl auswärtiger Minister und Ministerpräsident und mit Unterdrückung der Israelitenunruhen beauftragt; im November wieder entlassen, wurde er zum Präsidenten des Senats erwählt. G. gehörte zur extrem nationalen Partei, welche nach Losreißung von der Türkei und Vereinigung aller Rumänen zu Einem Staat strebte. Mit Fürst Karl unzufrieden, versuchte er 20. Aug. 1870 zu Plojeschti nebst andern Bojaren die Republik zu proklamieren, wurde verhaftet, von den Geschwornen aber 29. Okt. freigesprochen. Er starb 1878.