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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Goletta; Golf; Golfkraut; Golfo dulce; Golfstrom

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Goletta - Golfstrom.

2) Stephan, Bruder des vorigen, geb. 1809, wurde gleich jenem in Genf erzogen, trat anfangs in den Militärdienst und bekleidete später mehrere höhere Zivilverwaltungsstellen. Wie sein Bruder, beteiligte er sich an der Revolution von 1848 und ging mit demselben als Verbannter nach Frankreich. Heimgekehrt, ward er als Abgeordneter Mitglied des Diwans ad hoc und bekleidete später das Amt eines Präsidenten der Kontrollkommission für die Finanzen und die Wirtschaftspolitik, von dem er indes 1861 zurücktrat. Nach des Fürsten Karl Thronbesteigung war er 1867-68 Ministerpräsident. Er hatte dieselbe politische Richtung wie Nikolaus G., nur noch schärfer ausgeprägt. G. starb 8. Sept. 1874.

3) Alexander Georg, ein Vetter des vorigen, geb. 1819 zu Bukarest, hielt sich lange Jahre im Ausland auf und erwarb, in die Heimat zurückgekehrt, nach kurzer Zeit den Ruf eines sehr tüchtigen Ingenieurs. Gleich seinem Vetter nahm er an den politischen Zuständen seines Vaterlandes lebhaften Anteil, war in die Revolution des Jahrs 1848 verwickelt und hielt sich dann mit seinen Vettern in Paris auf. Hier verfaßte er ein Werk, welches ihn in weitern Kreisen bekannt machte, nämlich: "De l'abolition du servage dans les principautés danubiennes" (1856). In die Heimat zurückgekehrt, fungierte er 1857 als Mitglied des Diwans. Er starb 1881.

Goletta (franz. La Goulette), der Hafen der Stadt Tunis, an der schmalen Meerenge, welche den Golf von Tunis mit der Lagune El Bahira verbindet, und an der Eisenbahn, die nach El Marsa und Tunis führt, besteht aus zwei Teilen, einem nördlichen, unsaubern, welcher die eigentliche Stadt, eine Festung und eine Batterie enthält, und einem südlichen mit zwei Palästen des Beis, einem großen Schiffsbassin, Arsenal und Bagno, gesichert durch eine Batterie. Die Bevölkerung, welche gewöhnlich etwa 3000 Seelen zählt, sich aber während der Anwesenheit des Beis in der Badesaison verdreifacht, besteht aus den Eingebornen mit den Beamten der Polizei und der Zollerhebung, Maltesern, Italienern und Franzosen. Das europäische Element ist in schnellem Wachsen, daher schon ein großer Teil des Ortes im europäischen Stil erbaut ist und eine katholische Gemeinde sich gebildet hat. Katholische Nonnen stehen einem Hospital und einer Schule vor. Der Hafen ist keineswegs sicher, dennoch weitaus der besuchteste der Regentschaft Tunis; 1884 liefen 667 Schiffe von 279,921 Ton. ein. G. hat, seit Tunis in ein Protektoratsverhältnis zu Frankreich getreten, sehr verloren, da jetzt viele Waren über Bone in Algerien gehen, wo sie Zollfreiheit genießen, und muß seine jetzige Bedeutung ganz einbüßen, sobald die projektierte Vertiefung der Lagune bis zur Stadt Tunis ausgeführt worden ist. G. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Vgl. Hesse-Wartegg, Tunis (Wien 1881).

Golf (franz. Golfe, vom griech. kolpos, "Busen"), s. v. w. Meerbusen (s. d.).

Golfkraut, s. Sargassum.

Golfo dulce, großer, tiefer Meerbusen an der Südwestküste Costaricas in Mittelamerika, bekannt geworden durch die Kolonisationsversuche, welche eine 1855 von der Regierung von Costarica konzessionierte französische Kolonisationsgesellschaft unternommen hat, zugleich auch als Endpunkt einer zeitweilig projektierten interozeanischen Eisenbahn zwischen der Boca del Toro und dem G. An letzterm liegt das Dorf Punta Arenitas, dem wegen seines guten Ankerplatzes und des Kokosnußreichtums der Gestade ein Emporblühen in Aussicht steht.

Golfstrom (Floridastrom), eine der am frühsten bekannt gewordenen großen Strömungen der Meere (s. Meeresströmungen, mit Karte). Seinen Namen führt der G. von dem Golf von Mexiko, er heißt aber auch Floridastrom, weil sein bemerkenswertester Teil längs der Küste von Florida läuft und in der Floridastraße seinen eigentlichen Ursprung hat. Schon im J. 1513 durchfuhr Ponce de Leon zum erstenmal den G. vor der Stelle, wo er aus den "Engen" (s. unten) in das offene Meer hinaustritt, und durchkreuzte diesen viermal; aber der eigentliche Entdecker des wahren Golfstroms im offenen Meer ist Alaminos, der Obersteuermann von Ferd. Cortez; er segelte 26. Juli 1519 von Veracruz in die Floridastraße durch die "Engen" des Golfstroms und gelangte, sich nordwärts haltend und von dem G. getragen, in der damals unerhört kurzen Zeit von zwei Monaten nach Spanien, um dorthin die Kunde der Entdeckung von Mexiko zu bringen. Die wichtigsten Beiträge zu der jetzigen genaueren Kenntnis des Golfstroms und seiner Eigentümlichkeiten verdanken wir den Arbeiten der Küstenvermessung der Vereinigten Staaten (United States Coast Survey), welche von 1845 ab mit einigen Unterbrechungen fortwährend weiter geführt sind und vermöge der neuerdings erheblich vervollkommten Instrumente in den letzten Jahren besonders wertvolles Material geliefert haben.

Der Ursprung des Golfstroms ist danach in die an der Nordwestküste von Südamerika entlang fließende Guayanaströmung zu verlegen, welche mit der von dem Nordostpassat getriebenen Westströmung vereinigt auf die Ketten der Kleinen Antillen zufließt. Ein äußerst starker Strom tritt zwischen Grenada und Trinidad in das Karibische Meer ein, ebenso macht sich zwischen den Inseln weiter nördlich ein Weststrom bemerklich. Auf diese Weise wird das Karibische Meer in seinem südlichen Teil von einem westwärts gerichteten Strom ausgefüllt. Dasselbe entweicht nur zum geringen Teil nach N. zwischen Honduras und Jamaica hindurch. Ein großer Teil findet sich als ostwärts gerichteter Strom an der Südküste von Jamaica und Haïti. Das diesen Kreislauf zurücklegende Wasser wird durch die hohe Temperatur der über diesem Becken lagernden Luftschichten beträchtlich erwärmt. Nicht alles Wasser, welches der Passat nach W. getrieben hat, kann in das Karibische Meer eintreten, ein großer Teil desselben fließt außerhalb der Antillenkette nach N. und später nach NW. Bei der Insel Puerto Rico vereinigen sich beide Ströme wieder und senden dann durch die 1400 m tiefe Passage zwischen Haïti und Cuba einen mächtigen Strom in der Richtung des Passats nach der Yucatanstraße hin. Die Yucatanstraße ist 2100 m tief, ihr Querschnitt beträgt gegen 110 QSeemeilen. Durch diese hindurch strömt eine beständige Strömung mit 27-50 Seemeilen Geschwindigkeit pro 24 Stunden nach N. Dieser Strom wendet sich nach rechts. Zwischen der Yucatanstraße und der Mississippimündung beginnt der eigentliche G. und fließt von hier direkt auf die Floridastraße zu. Auf der Höhe von Havana hat er etwa 70 Seemeilen Breite und zwei Knoten Geschwindigkeit. Der Strom tritt nun in einen engern Kanal und nimmt an Geschwindigkeit zu. Nordwestlich von Elbow Key beträgt die Breite 47 Seemeilen, die Geschwindigkeit in nordöstlicher Richtung bis zu drei Knoten. Die Wassertiefe beträgt hier 950 m. Nun wird die Strömung noch verstärkt durch den von SO. kommenden äußern Strom, welcher bei der Windward Passage seine Richtung beibehalten und durch die Gruppe der Bahama-^[folgende Seite]