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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gonzenbach - Gopčević.

Gonzenbach, Karl, Kupferstecher, geb. 21. Juli 1806 zu St. Gallen, bildete sich zuerst unter Lips in Zürich, dann bei Felsing und Amsler in München, darauf bei Fr. Forster in Paris und zuletzt in Italien. Seit 1838 in München ansässig, arbeitete er meist nach Künstlern der klassizistischen und neudeutschen Schule in Umriß- und Kartonstich. Seine Hauptwerke sind: Günther und Brunhilde; Siegfried und Kriemhild, nach Schnorr; der Tod Winkelrieds, der Schwur auf dem Rütli und der Tellschuß, nach L. Vogel; der Verbrecher aus verlorner Ehre, nach Kaulbach; fünf Blätter aus dem Leben einer Hexe und vier Blätter aus dem Leben eines Künstlers, nach Genelli; zwei Blätter zu Shakespeares "Sturm", nach Kaulbach. Er starb 13. Juni 1885 in St. Gallen.

Goodall (spr. guddahl), Frederick, engl. Maler, geb. 17. Sept. 1822 zu London, begann seine Studien unter Leitung seines Vaters Edward G. (1795-1870), eines rühmlichst bekannten Kupferstechers, und erhielt 1836 von der Society of arts eine Medaille und bald darauf von derselben einen Preis für sein erstes Ölgemälde: die Leiche eines Bergmanns, bei Fackellicht gefunden. Die königliche Akademie nahm in der Ausstellung von 1839 ein Gemälde von ihm auf: französische Soldaten, in einer Schenke trinkend. Seine Reisen in Frankreich, Wales, Belgien und Irland lieferten ihm den Stoff zu vielen beliebten Bildern, wie: das Zigeunerlager, der Traum des Soldaten, Hunt the slipper, das Postbüreau, Paris 1848, das Dorffest (1847, in der Nationalgalerie), der Ball zu gunsten der Witwe und ein glücklicher Tag Karls I. (1855). Eine 1860 nach Italien und dem Orient unternommene Reise erweiterte den Anschauungskreis des Künstlers. Es entstanden nun die Bilder: Vorlesung aus "Tasso" in Chioggia, Frühmorgen in der Wüste, Rückkehr eines Pilgers von Mekka, Nilüberschwemmung, Mater dolorosa, Rebekka am Brunnen. Von seinen neuesten Bildern sind die hervorragendsten: Schafwäsche bei den Pyramiden von Gizeh, Wasserträger in Ägypten (1877), die Töchter Labans, der Palmsonntag (1878) und Inneres einer Moschee in Kairo (1880). Sorgliche Ausführung charakterisieren namentlich seine frühern Bilder; bei den spätern wird seine Auffassung breiter, ohne jedoch der Solidität zu entbehren. Seine Aquarelle stehen den Ölgemälden voran.

Good bye! (engl., spr. gudd bei), leb' wohl! adieu!

Goodeniaceen, dikotyle, etwa 200 Arten umfassende, in Australien und am Kap einheimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Kampanulinen unter den Sympetalen, von den zunächst verwandten Lobeliaceen hauptsächlich durch ein unterhalb der Narbe befindliches becherförmiges, am Rand mit einem Kranz von Haaren besetztes "Indusium" verschieden. Vgl. H. de Vriese, Goodeniaceae (in "Naturkundel. Verhandelingen etc. te Harlem", 2. Reihe, Bd. 9).

Goodrich (spr. guddritsch), Samuel Griswold, amerikan. Pädagog und Schriftsteller unter dem Pseudonym Peter Parley, geb. 19. Aug. 1793 zu Ridgefield in Connecticut, widmete sich dem Buchhandel und ließ sich, nachdem er 1824 Europa besucht hatte, in Boston nieder, wo er 1828-42 das illustrierte Jahrbuch "Token" herausgab, für das er selbst eine große Anzahl Gedichte und Erzählungen schrieb. Seine weitverbreitete "Peter Parley series of juvenile books" füllt 177 Bände. Außerdem schrieb er: "Fireside education" (1838); "The outcast, and other poems" (1841); "Sketches from a student's window" (1841); "A winter wreath of summer flowers" (1854); "Recollections of a lifetime" (1857, 2 Bde.; neue Ausg. 1880) und "Illustrated natural history of the animal kingdom" (1859, 2 Bde.). Unter dem Präsidenten Fillmore bekleidete G. (1851) den Konsulatsposten in Paris. Er starb 9. Mai 1863. Seine Selbstbiographie ("Story of my own life") gab Freeman 1862 heraus.

Goodwin Sands (spr. guddwin ssänds), zwei gefährliche Sandbänke an der Küste der englischen Grafschaft Kent, Deal gegenüber, sind 11 km breit und 15 km lang und vom Festland durch den 10-15 km breiten Kanal der Downs, welcher eine ziemlich geschützte Reede bildet, getrennt. Sie bestehen aus Triebsand, der zur Ebbezeit trocken und fest, bei der Flut aber so locker wird, daß das darüberkommende Schiff einsinkt und bei stürmischem Wetter ganz vergraben wird. Das Unternehmen, einen Leuchtturm auf dem Sand zu errichten, scheiterte; statt dessen werden mehrere schwimmende Leuchtfeuer unterhalten. Die G. sollen ehemals festes Land und Besitztum eines sächsischen Grafen, Namens Goodwin, gewesen sein, bis ein Sturm 1100 die Insel zerstörte.

Goodwood Park (spr. gudwudd), s. Chichester.

Googolon, (spr. guh-), in der Mathematik s. v. w. sehr große Zahl; Googol, von dem Mathematiker E. Kasner geprägter Name für 10^{100}.

Goole (spr. guhl), Hafenstadt in Yorkshire (England), an der Ouse, 33 km oberhalb Hull, 1826 noch Dorf, jetzt einer der bedeutendsten Häfen Englands mit großen Docks, lebhafter Ausfuhr von Eisen, Tuch und Bausteinen und (1881) 10,418 Einw. 1885 gehörten zum Hafen 251 Schiffe von 23,813 Ton. Gehalt und liefen 2208 Schiffe von 511,890 T. ein; die Einfuhr aus dem Ausland betrug 4,122,932 Pfd. Sterl., die Ausfuhr 5,310,348 Pfd. Sterl.

Goolwa (spr. gulwa), wichtige Hafenstadt in Südaustralien, am untern Murray, 11 km von dessen Mündung. Ein großer Teil des Handels der großen Weidedistrikte am Murray, Darling und Murrumbidschi nimmt seinen Weg über G., das, da die Murraymündung für Seeschiffe schwer passierbar ist, als End- und Ausgangspunkt der Flußschiffahrt angesehen werden muß. Der Ort hatte 1881 erst 688 Einw., aber zahlreiche Warenlager, Schiffswerfte u. a. und ist mit Adelaide durch Eisenbahn verbunden.

Goonze, Gold- etc. Gewicht, = 0,01 Tola (s. d.).

Goor, Stadt in der niederländ. Provinz Overyssel, südwestlich von Almelo, an der Eisenbahn von Arnheim nach Salzbergen, mit Leinen- und Baumwollweberei und (1883) 2612 Einw.

Gopčević (spr. -tschewits), Spiridion, politischer und militär. Schriftsteller, geb. 9. Juli 1855 zu Triest als Sohn des Großhändlers Spiridion G. (geb. 1809, gest. 1861), von montenegrinischer Abkunft, ward auf dem Gymnasium zu Melk erzogen, widmete sich darauf militärischen, geographischen und linguistischen Studien und machte größere Reisen. Als 1875 der Aufstand in der Herzegowina ausbrach, begab er sich nach Montenegro und trat in die Dienste des Fürsten, für den er sich in London erfolglos bemühte, um eine Anleihe zu stande zu bringen. 1880 wurde er von der "Wiener Allgemeinen Zeitung" als Spezialberichterstatter nach Albanien geschickt, wo er mit der Liga in Verbindung trat und eine Vertreibung der Türken mit Hilfe Montenegros plante, was sich aber nachher zerschlug. Er schrieb außer zahlreichen Artikeln in Zeitschriften und Sammelwerken: "Montenegro und die Montenegriner" (Leipz. 1877; auch franz., Par. 1877); "Der turko-montenegrinische Krieg 1876-1878" (Wien 1877-79, 3 Bde.); "Die französische Expedition nach Ägypten 1798-1801" (in den "Jahrbüchern für die deutsche Armee", Berl. 1879); "Die Türken und ihre Freunde und die Ursachen der serbisch-bulgarischen Erhebung" (3. Aufl., Wien 1878);