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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Governatōre; Govi; Govone; Gower; Goya; Goya y Lucientes; Goyāna

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Governatore - Goya y Lucientes.

er mit seinen Dramen, von welchen "I Valdesi" ("Die Waldenser") und "Gesù Cristo" auch in Deutschland durch Übersetzungen bekannt geworden (ersteres in Reclams "Universalbibliothek"), originelle Werke im Stil des deutschen "Kraftdramas", aber von noch grellerm Farbenauftrag und durch kirchenfeindliche Tendenz sensationell wirksam. Seine übrigen Dramen: "L'assedio d'Alessandria", "Il Guttemberg", "Un ballo di modiste", "Pinto Ribeiro", "Maometto", wirkten gleichfalls in Italien sehr stark auf die Massen. G. schrieb auch vielgelesene Erzählungen: "La camera anonima", "La morte" etc. Zu seinen patriotischen Thaten gehört die Eröffnung einer Subskription, mit welcher er 100 Kanonen für die Festung Alessandria aufbrachte. Gegenwärtig lebt G. auf seinem Landhaus zu Alpigiano.

Governatōre (ital., spr. gow-), s. v. w. Gouverneur; Governo, Regierung, Verwaltung; im Handelswesen eine Mitteilung, wonach man sich zu richten hat.

Govi, Gilberto, Physiker, geb. 1835 zu Mantua, studierte Naturwissenschaft und Litteratur, wurde Professor der Physik in Florenz, Turin, Neapel und schrieb: "Delle scienze nella società" (Turin 1857); "Della fisica e del modo di studiarla e d'insegnar la nei tempi passati e ai di nostri" (das. 1862); "Metodo per determinare la lunghezza del pendolo" (das. 1866); "Galileo Galilei" (das. 1864); "Della proprietà intellettuale" (Flor. 1867); "Volta e il telegrafo elettrico" (Turin 1868); "Romagnosi e l'elettro-magnetismo" (das. 1869); "Il santo offizio, Copernico e Galileo" (das. 1872); "Leonardo letterato e scienziato. Studio sul genio e sulle scoperte di Leonardo da Vinci" (Mail. 1872); "Teoria dell' elettroforo" (Rom 1882).

Govone (spr. gowōne), Giuseppe, ital. General und Staatsmann, geb. 19. Nov. 1825 zu Isola d'Asti in Piemont, wurde in der Turiner Militärakademie erzogen, ward 1845 Leutnant des Generalstabs und machte 1848 den Krieg gegen Österreich unter dem Kommando Lamarmoras mit, der ihn hochschätzen lernte und zu wichtigen Geschäften verwendete. Er war 1849 im preußischen Hauptquartier während des schleswig-holsteinischen Feldzugs, 1853 und 1854 in dem der Türken und der Alliierten während des Krimkriegs. Das sardinische Hilfskorps, welches 1855 nach der Krim geschickt wurde, begleitete G. als zweiter Generalstabschef. Nach dem Krieg von 1859 bis 1860 zeichnete er sich als militärischer Kommandant der schwierigsten Bezirke in den südlichen Provinzen aus. Schon 1863 General, wurde er im März 1866 als militärisch-politischer Unterhändler nach Berlin gesendet und schloß das preußisch-italienische Bündnis vom 8. April ab; seine Berichte aus Berlin sind in dem Werk Lamarmoras ("Un po più di luce", 1873) abgedruckt. Im Kriege gegen Österreich führte er die 9. Division und zeichnete sich in der Schlacht von Custozza rühmlichst aus; sein Rat, die mißglückte Offensive von neuem aufzunehmen, drang nicht durch. Nach dem Krieg wurde er Chef des Generalstabs und trat 1867 als Abgeordneter in die Zweite Kammer ein; in dieser empfahl er eine bedeutende Verringerung des Kriegsbudgets mit allem Nachdruck, da er die Verbesserung der Finanzen für unumgänglich notwendig zur Befestigung des jungen Königreichs hielt. Als er im Dezember 1869 das Portefeuille des Kriegs im Ministerium Lanza-Sella übernahm, erfüllte er als Minister die Forderung, die er als Abgeordneter aufgestellt hatte. Im Vertrauen auf langen Frieden rüstete er in weitestem Umfang ab. Da brach der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland aus. Die augenblickliche Ohnmacht Italiens verhinderte den König, zu gunsten Frankreichs einen Krieg zu beginnen. G. nahm sich aber die Vorwürfe Cialdinis, daß er die Armee zu Grunde gerichtet, Italien wehrlos gemacht habe, so zu Herzen, daß er einen Selbstmordversuch machte. Er blieb zwar am Leben, verfiel aber in Irrsinn und starb 25. Jan. 1872 allgemein betrauert, erst 46 Jahre alt, zu Alba in Piemont.

Gower (spr. gauer), kleine Insel des Salomonarchipels im westlichen Teil der Südsee, östlich von der Insel Isabel, 100 qkm groß, eine niedrige, bewaldete, von Riffen umschlossene Koralleninsel, welche durch ein 6. April 1886 zwischen Deutschland und England getroffenes Abkommen nebst den übrigen Inseln der Nordhälfte der Salomongruppe unter den Schutz des Deutschen Reichs gestellt wurde.

Gower (spr. gauer oder gohr), John, engl. Dichter, stammt aus einer ritterlichen Familie in Kent. Sein Geburtsjahr ist unbekannt; doch ist er ein Zeitgenosse Chaucers, also etwa im ersten Drittel des 14. Jahrh. geboren. Wie aus seinen Schriften hervorgeht, genoß er eine gelehrte Erziehung. Um 1400 erblindete er und starb 1408. Begraben ist er in der St. Saviourkirche zu Southwark in London. G. dichtete außer in englischer Sprache auch in französischer und lateinischer. Französisch schrieb er außer einer Anzahl Balladen (hrsg. vom Roxburgh Club, 1818) ein didaktisches Werk: "Speculum meditantis", das jedoch verloren ist. Sein lateinisches Hauptwerk ist "Vox clamantis" betitelt und in Distichen abgefaßt (hrsg. für den Roxburgh Club). Es geißelt die Verbrechen der Zeit und wendet sich scharf gegen die Lollarden. Gowers bedeutendste Dichtung in englischer Sprache ist die "Confessio amantis" (1493; neue Ausgabe von Pauli, mit Lebensbeschreibung und Kommentar, Lond. 1857, 3 Bde.), ein sehr umfangreiches, aber im ganzen poesieloses Gedicht über die Liebe, die in metaphysischer und rhetorischer Weise behandelt wird. Sonst besitzen wir noch politische Lieder von G. in englischer und lateinischer Sprache. Während G. anfangs eifriger Anhänger Richards II. war, wurde er später dessen grimmigster Gegner und ließ den abgesetzten König in unedler Weise seine Abneigung empfinden, indem er ihn in dem lateinisch geschriebenen Werk "Chronica tripartita" unbarmherzig verspottete. Vgl. Pauli, Bilder aus Altengland (2. Aufl., Gotha 1875).

Goya, Stadt der Argentinischen Republik, Provinz Corrientes, an einem versandeten Seitenkanal des Parana, in viehreicher Gegend, mit Zollamt und (1882) 4000 Einw.

Goyāna, blühende Stadt in der brasil. Provinz Pernambuco, 85 km nördlich von der Hauptstadt, mit Hospital und Waisenhaus, großem Karmeliterkloster, Zuckerplantagen und 8-10,000 Einw.

Goya y Lucientes (spr. gōja i ludsiéntes), Don Francisco de, span. Maler, geb. 30. März 1746 zu Fuente de Todos in Aragonien, bildete sich auf der Akademie von Saragossa, ging dann nach Madrid und von da, durch abenteuerliche Streiche fortgetrieben, nach Rom. Im J. 1788 kehrte er nach Madrid zurück, wo er zuerst Kirchenbilder unter der Leitung und dem Einfluß des damals in Madrid anwesenden Mengs malte. In sein eigentliches Fahrwasser lenkte G. erst ein, als er farbige Kartons für die königliche Gobelinsmanufaktur ausführte, auf denen er lebhaft bewegte, realistische Szenen aus dem Volksleben darstellte. Dieselben fanden solchen Beifall, daß er eine große Menge von derartigen Genrebildern, aller-^[folgende Seite]