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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gourmand - Govean.

sen Geschichte Napoleons. 1823 gab er mit Montholon (s. d.) die nach Napoleons eignen Diktaten aufgesetzten "Mémoires de Napoléon à Ste-Hélène" heraus. Nach der Julirevolution ward er Kommandant der Artillerie in Paris und Vincennes, Maréchal de Camp und 1835 Generalleutnant und Adjutant des Königs. 1840 gehörte er zu der Kommission, welche Napoleons Asche von St. Helena abholte. Unter Ludwig Philipp Mitglied der Pairskammer, ward er im Februar 1848 Oberst der 1. Legion der Pariser Nationalgarde, dann Abgeordneter zur Legislative von 1849. Er starb 25. Juli 1852 in Paris.

Gourmand (franz., spr. gurmang), der praktische Gutschmecker mit dem Nebenbegriff des Vielessers, die allgemeine Bezeichnung im Gegensatz zu den Spezialrichtungen des Gourmet (s. d.), des Glouton, der vor allem auf die Menge der Speisen sieht, des Friand, der nur Leckerbissen liebt, etc. Nach Brillat-Savarin ist die Gourmandise (Feinschmeckerei) die leidenschaftliche, wohlüberlegte, begründete und gewohnheitsmäßige Vorliebe für wohlschmeckende Nahrungsmittel, aber eine Feindin aller Exzesse, so daß derjenige, welcher sich den Magen überfüllt oder sich betrinkt, nicht mehr G. ist. Das Wort wird auch für einen Freund andrer als Gaumengenüsse gebraucht.

Gourmet (franz., spr. gurmä), Feinschmecker, der für seinen feinen, ausgebildeten Geschmack die nach wissenschaftlicher Vorschrift zubereiteten Speisen auswählt. Er ist vorwiegend Theoretiker, der höhere Grad des Gourmand (s. d.).

Gournay (spr. gurnä), Vincent de, franz. Nationalökonom, geb. 1712 zu St.-Malo, gest. 1759, vertrat längere Zeit die Geschäfte seines Vaters zu Cadiz und erwarb sich durch ausgedehnte Reisen eine gründliche Kenntnis der europäischen Handelsverhältnisse. Nachdem er 1749 seine Geschäfte aufgegeben, wurde er Mitglied des Staatsrats und entfaltete als Chef der Handelsabteilung eine reformatorische Thätigkeit. Er war gemäßigter (sogen. Handels-) Physiokrat und bezeichnete im Gegensatz zur strengern Richtung des physiokratischen Systems (s. d.) auch Industrie und Handel als produktiv. Ganz vorzüglich plaidierte er für Gewährung freier Konkurrenz, denn das vernünftige Interesse der Einzelnen stimme stets mit dem allgemeinen überein und werde sich mit letzterm bei freiem Verkehr verbünden. Von ihm sollen die bekannten Worte: "Laissez faire, laissez aller" herrühren. Sein Eloge schrieb Turgot.

Gournay en Bray (spr. gurnä ang bräh), Stadt im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Neufchâtel, rechts an der Epte, Station der Nordbahn, hat eine schöne gotische Kirche (aus dem 12. Jahrh.), eine eisenhaltige Mineralquelle und (1876) 3054 Einw., welche Butter- und Käsehandel und Metallgießerei betreiben.

Gourock (spr. gúrock), Seebad in Renfrewshire (Schottland), nahe der Mündung des Clyde, 2 km unterhalb Greenock, hat (1881) 3336 Einw. In der Nähe Fort Matilda.

Goût (franz., spr. gu; v. lat. gustus), Geschmack; goutieren, schmecken; gutheißen, billigen.

Goûter (Goûté, franz.), Vesperbrot, schweizerisch: Abendbrot; auch Imbiß zwischen Frühstück u. Mittag.

Goutte (franz., spr. gutt, lat. gutta), Tropfen (daher g. à g., tropfenweise); auch s. v. w. Gicht, Zipperlein (altdeutsch ebenfalls "Tropfen" genannt, weil man die Ursache dieser Krankheit gewissen aus dem Gehirn herabfallenden Tropfen zuschrieb). G. d'or, Name eines weißen Burgunderweins; G. de sang, s. v. w. Spinell; G. militaire, Nachtripper.

Gouvernante (franz.), Erzieherin.

Gouvernement (franz., spr. guwärn'mang), Regierung, Regierungsgewalt; auch, z. B. in Rußland, s. v. w. Provinz, deren Verwaltung von einem Gouverneur (s. d.) geleitet wird.

Gouvernemental (franz.), auf die Regierung bezüglich, zu der Regierung gehörig; auch Bezeichnung für diejenigen, welche schlechthin mit der Regierung gehen, ohne eine selbständige politische Haltung einzunehmen. In diesem Sinn spricht man insbesondere von einer gouvernementalen Zeitung, Partei etc.

Gouverneur (franz., spr. guwärnör), oberster Militärbefehlshaber einer großen Garnison oder Festung, mit eignem Stab (vgl. Kommandant); dann der höchste Beamte in einem gewissen Bezirk (Provinz, Gouvernement, Kolonie); ist demselben nur das Militärwesen unterstellt, so heißt er Militärgouverneur, steht er aber an der Spitze der Zivilverwaltung, Zivilgouverneur. In Nordamerika leitet ein gewählter G. (Governor) die Verwaltung eines jeden Staats. Auch ist G. Titel des Erziehers der Kinder vornehmer Familien sowie der dem Lehrerstand angehörigen Erzieher der Zöglinge in Militärerziehungsanstalten. Vgl. Generalgouverneur.

Gouvernieren (franz., spr. guw-), verwalten, regieren; lenken.

Gouvion (spr. guwjóng), Laurent, Marquis de Saint-Cyr, s. Saint-Cyr.

Gouvy (spr. guwih), Théodore Louis, Komponist, geb. 21. Juli 1822 zu Goffontaine bei Saarbrücken von französischen Eltern, erhielt seine wissenschaftliche Ausbildung auf dem Gymnasium zu Metz und begab sich sodann zum Studium der Rechte nach Paris, wurde jedoch hier schon nach kurzem Aufenthalt durch seine von frühster Jugend gehegte Neigung zur Musik veranlaßt, sich ihr ausschließlich zu widmen. Nachdem er unter Elwarts Leitung drei Jahre hindurch ernste Kompositionsstudien gemacht, verweilte er zur Vollendung seiner künstlerischen Ausbildung ein Jahr in Berlin und ebenso lange in Italien. Infolge dieser Reisen nahm sein Talent eine bestimmte Richtung, welche er bis zur Gegenwart mit Ausdauer verfolgt hat: nicht die italienische Oper, sondern die Instrumental- und Chorwerke der klassischen Meister Deutschlands wurden von nun an die Richtschnur seiner schöpferischen Thätigkeit, und demgemäß haben seine Arbeiten, wenn auch in Frankreich hochgeachtet, doch vorwiegend beim deutschen Publikum sympathische Aufnahme gefunden. Unter seinen Kompositionen, deren erste, zwei Klavierstücke, bereits 1845 in Berlin erschienen, zeichnen sich namentlich sechs Symphonien, Kammermusikwerke für verschiedene Instrumente, Serenaden für Klavier, Lieder aus dem "Livre des amours" von Ronsard sowie ein "Stabat mater", ein Requiem, endlich die Kantaten: "Ödipus" und "Iphigenia in Tauris" durch Gedankenreichtum und Gediegenheit der Arbeit aus.

Govean, Felice, ital. Dramatiker und Publizist, geb. 1819 zu Racconigi in Piemont aus gräflichem Geschlecht, machte seine Studien zu Turin und übernahm dann eine Stelle bei einer Feuerversicherungsgesellschaft. Später wurde er Schauspieler, wandte aber dieser Laufbahn bald wieder den Rücken und arbeitete als Schriftsetzer erst in Mailand, später in Turin, wo er sich einen häuslichen Herd gründete. Nachdem er 1848 begonnen, biographische Broschüren für das Volk zu schreiben, welche reißend abgingen, gründete er mit Bottero ein demokratisches Blatt, die "Gazzetta del popolo", welche bald eine ungeheure Verbreitung fand. Nicht minder Glück hatte