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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gribouillage; Gricken; Gridiron; Gridj; Grieben; Griechenland

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Gribouillage - Griechenland.

senden, obgleich G. selbst sich viel lieber ganz ins Privatleben zurückgezogen hätte. Gribojedows energisches, die Interessen und die Würde Rußlands verfechtendes Auftreten in Teheran zog ihm aber daselbst so viele Feinde zu, daß die Erbitterung gegen ihn eines Tags in offene Thätlichkeit ausartete. Am 30. Jan. 1829 stürzte sich ein von der persischen Geistlichkeit angestachelter großer Volkshaufe auf das Gesandtschaftshotel, die persische Ehrenwache vor dem Haus wurde zurückgedrängt, die paar den Eingang schützenden Kosaken niedergemacht und G. selbst, der sich mit dem Säbel in der Hand mutig zur Wehr setzte, mit 36 zu der Gesandtschaft gehörenden Personen ermordet. Gribojedows Hauptwerk ist das in Versen abgefaßte Schauspiel "Góre ot umá" (deutsch unter andern von Bertram [Schulz]: "Verstand schafft Leiden", Leipz. 1853), ein mit bitterm Humor in großen Zügen gezeichnetes Gemälde gesellschaftlicher Zustände in Rußland im Anfang des 19. Jahrh. Die Engherzigkeit und geistige Nichtigkeit dieser Gesellschaft, in der kein Raum für eine ehrliche und geistig aufgeweckte Individualität war, ist in lebendigen, sich frei und sicher bewegenden Gestalten verkörpert. Leider ist nur der Held eine zu wenig thatkräftige Natur, so daß seinem Wesen etwas Phrasenhaftes anhaftet. Bemerkenswert ist ferner das Shakespeareschen Geist atmende Fragment eines Dramas: "Gruscinskaja notsch" ("Eine grusinische Nacht"); ebenso muß einer sehr guten Übertragung des "Vorspiels auf dem Theater" aus Goethes "Faust" erwähnt werden. Eine neuere Ausgabe seiner Werke, mit Biographie, erschien in der "Russischen Bibliothek", Bd. 5 (Petersb. 1875).

Gribouillage (franz., spr. -bujasch), Schmiererei.

Gricken, s. Buchweizen.

Gridiron (engl., spr. gridd-eir'n, "Bratrost"), scherzweise die Flagge Nordamerikas, nach deren Streifen.

Gridj (Griden), im alten Rußland das kriegerische Gefolge der Fürsten; Gridniza, der Saal, in welchem der Fürst mit diesem Gefolge verweilte.

Grieben, Hermann, Dichter und Journalist, geb. 8. Febr. 1822 zu Köslin, studierte 1841-45 in Breslau, betrat 1848 die journalistische Laufbahn, zuerst in seiner Vaterstadt, übernahm 1850 die Redaktion der "Ostsee-Zeitung" in Stettin, 1852 der "Lübeckischen Zeitung", gründete 1853 in Stettin die "Pommersche Zeitung" und ward 1859 an die "Kölnische Zeitung" berufen, deren Mitredakteur er noch ist. Mit Vorliebe beschäftigte er sich von Jugend auf mit Dante, dessen Werke, namentlich die "Divina Commedia", er im entschiedenen Gegensatz zu den moraltheologischen Interpreten aus dem kirchenpolitischen Gesichtspunkt auffaßt. Seine Ansicht entwickelte er in einer besondern Broschüre: "Dante Alighieri" (Köln 1865), worin er die "Göttliche Komödie" im ganzen wie in den kleinsten allegorischen Anspielungen als einen Protest für die Weltherrschaft des Kaisers gegen die Anmaßungen des von seinem kirchlichen Beruf abgefallenen Papsttums auffaßt. Auch belletristisch ist G. vielfach thätig gewesen. Als lyrischer Dichter hat er Beifall gefunden mit den Sammlungen: "Lieder eines Studenten" (1843); "Liebfraue" (Stett. 1855, 2. Aufl. 1858); "Norddeutsche Frühlingskanzonen" (1859); "Rheinische Wanderlieder" (Köln 1869); "Zeitstimmen" und "Lieder zu Schutz und Trutz" (Berl. 1871); "Gott grüß' die Kunst", Buchdruckerlieder (1874) u. a. Seine "Gesammelten Gedichte" erschienen in 3. Auflage Heilbronn 1884. Auf dem dramatischen Feld versuchte er sich mit dem Trauerspiel "Es ist zu spät" (Leipz. 1848, unter dem Pseudonym Roderich) und dem Lustspiel "Drei Monate nach Dato" (Stett. 1858). Seine jüngste Schrift ist: "Der Drachenfels u. seine Zahnradbahn" (Köln 1886).

Griechenland (Altgriechenland, hierzu die Karte "Altgriechenland", mit Register), die europäische Halbinsel, welche im N., wo sie mit dem Festland zusammenhängt, von Makedonien und Illyrien, im O. und SO. vom Ägeischen und Myrtoischen, im W. und SW. vom Ionischen Meer umgeben ist, und deren größte Länge von N. nach S., von der makedonischen Grenze bis zum Tänarischen Vorgebirge (Kap Matapan), 415 km beträgt, während die Breite zwischen 237 u. 111 km wechselt, ja beim Korinthischen Isthmus auf 6 km herabsinkt. Der Flächenraum der Halbinsel umfaßt nach der alten Begrenzung etwa 88,000 qkm (1600 QM.). Eine genaue Zahl läßt sich nicht angeben, da die nördlichen Grenzen von Epirus zu unbestimmt sind, dasselbe sogar den meisten Griechen für halb barbarisch und darum als nicht zu Hellas gehörig galt. Das Ganze zerfiel in drei Hauptteile: das nördliche G. oder Epirus und Thessalien, welche die kompakteste Masse Landes bilden, während die beiden andern Teile durch Golfe und weit vorspringende Landspitzen vielfach gespalten sind; Mittelgriechenland, nach römischem Sprachgebrauch vorzugsweise Hellas genannt, und der Peloponnes, die südliche Halbinsel, die nur durch den schmalen Korinthischen Isthmus mit Mittelgriechenland zusammenhängt. Dazu kommen zahlreiche größere und kleinere Inseln, welche G. auf allen Seiten umgeben, deren größere Menge jedoch im Ägeischen Meer zerstreut liegt. Die Griechen selbst nannten sich Hellenen und ihr Land Hellas, ursprünglich der Name einer später verschollenen Stadt und ihres Gebiets im südlichen Thessalien, später mehr eine ethnographische als eine geographische Bezeichnung für alle Länder griechischer Zunge in G. selbst, Italien, Asien und Afrika, Die Benennung Graekoi (Graeci), welche die Römer für dieses Volk in Unteritalien vorfanden und annahmen, und woraus das heutige "Griechen" entstanden, ist wahrscheinlich die illyrische Bezeichnung für die Hellenen.

Übersicht des Inhalts (Altgriechenland):

Bodenbeschaffenheit S. 672

Gewässer 674

Küstengliederung 674

Landesteile 675

Bodenerzeugnisse 676

Bevölkerung 676

Religion und Kultus 677

Geistiges Leben 680

Staatswesen 680

Kriegswesen 680

Gewerbe 681

Häusliches Leben 681

Geschichte von Altgriechenland 682

Physische Verhältnisse.

[Bodenbeschaffenheit.] G. zeigt die größte Entwickelung und Gliederung von Land und Meer; es übertrifft darin ebensosehr alle andern großen Halbinseln Europas wie dieses die andern Kontinente. Diese Auflösung des Festlandes und gegenseitige Durchdringung von Land und Meer nimmt mit wachsender südlicher Breite zu und ist auf der Ostküste ausgeprägter als im W. Diese schon von Eratosthenes gerühmte Vielgestaltigkeit Griechenlands kehrt in den Richtungen der Gebirge wieder. Während in Kleinasien und Spanien die ostwestliche, in Italien die nordsüdliche die ausschließlich herrschende ist, laufen hier die Kalkgebirge Illyriens von NW. nach SO., die Pindoskette von N. nach S., der Hämos, der Othrys, die Gebirge Mittelgriechenlands und Achaias von O. nach W. Ganz Epirus und Illyrien ist vorherrschend ein Bergland von geringer durchschnittlicher Erhebung und mit kleinen, vorgelagerten Küstenebenen. Seine größte Höhe erreicht es mit 3050 m im Skardos (Schar Dagh). Gegen S. schließt sich mittels des