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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Großbritannien

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Großbritannien (Geschichte: Georg III.).

neue Streitpunkte auf. Während Napoleon sich eigenmächtige Eingriffe in die Verhältnisse Italiens, der Schweiz und Hollands erlaubte, glaubte auch die britische Regierung sich mit der Erfüllung der Friedensbedingungen nicht beeilen zu sollen, ließ weder das Kap der Guten Hoffnung den Holländern noch Gorée den Franzosen übergeben, räumte auch vorläufig weder Malta noch Ägypten. Nach scharfen diplomatischen Erörterungen hüben und drüben, infolge deren G. das Kap und Ägypten räumte, dagegen Malta fortdauernd besetzt hielt, kam es endlich zum Bruch: am 18. Mai 1803 erklärte die britische Regierung den Krieg. Die Lage des Ministeriums Addington war dadurch unhaltbar geworden; Pitt trat 15. Mai 1804 wieder an die Spitze der Geschäfte, brachte 1805 eine dritte Koalition gegen Frankreich zu stande, deren Mitglieder G., Rußland, Österreich und Schweden waren, und teilte mit vollen Händen Subsidiengelder aus, um seine Verbündeten zur nachdrücklichsten Kriegführung in den Stand zu setzen. Dennoch nahm dieser dritte Koalitionskrieg einen ähnlichen Verlauf wie die beiden vorhergehenden. Während die Verbündeten auf dem Festland abermals den kürzern zogen, erfochten die Engländer zur See die glänzendsten Siege. Sie nahmen den Franzosen Ste.-Lucie, Tobago, St.-Pierre und Miquelon in Amerika sowie Gorée an der afrikanischen Küste weg und vernichteten die zu Eroberung von San Domingo bestimmte Flotte. Von den holländischen Kolonien eroberten sie Demerara, Essequibo, Berbice und Surinam, später auch das Kap der Guten Hoffnung und Curassao. Die Versuche französischer Anführer, die Hindu gegen die Engländer aufzuwiegeln, führten nur zur Vergrößerung der Herrschaft der letztern. Bevor Österreich nach der Schlacht von Austerlitz zum Preßburger Frieden genötigt wurde, schlug Nelson die französische Flotte bei Trafalgar (21. Okt. 1805), und Duckworth und Warren vernichteten im folgenden Jahr die letzten Überreste der neugeschaffenen französischen Marine. Schon 1803 hatte Napoleon Hannover als Besitztum des Königs von G. besetzt und dasselbe 1805 an Preußen überlassen, was 1806 G. auch in einen Krieg mit letzterm verwickelte. Pitts Tod (23. Jan. 1806) brachte Fox und Addington wiederum ins Kabinett, und dies knüpfte nun Friedensverhandlungen mit Frankreich an; doch scheiterten dieselben nach Fox' Tod (13. Sept.) wieder. Napoleon hatte in diesen Unterhandlungen G. Hannover wieder angeboten, und Preußen, ohnehin vielfach verletzt, ließ sich deshalb um so leichter zu einer Allianz mit Rußland und G. bestimmen.

Infolge des Tilsiter Friedens (9. Juli 1807) stand G. jedoch wieder allein gegen Frankreich auf dem Kampfplatz. Aber obgleich eine Unternehmung Duckworths gegen die Pforte in der Hauptsache mißglückte und Alexandria, welches kurz vorher von englischen Truppen besetzt war, nach dem gegen die Türken verlornen Gefecht von Rosette geräumt werden mußte, so dachten doch die Briten jetzt weniger als je an Frieden. Das Ministerium Grenville-Addington-Fox machte dem Kabinett Portland Platz, dessen Seele der Staatssekretär George Canning (s. d.) war, der, ein Schüler Pitts, ganz den politischen Grundsätzen dieses großen Staatsmannes huldigte. Napoleon hatte schon 21. Nov. 1806 von Berlin aus gegen England ein Blockadedekret erlassen, worin er allen Handel und Verkehr mit den Britischen Inseln streng untersagte und alle aus G. und seinen Kolonien stammenden Waren oder aus denselben kommenden Schiffe für gute Prise erklärte. Als G. mit Repressalien antwortete, verschärfte er diese Maßregeln mehr und mehr und bildete sie zu einem förmlichen System, der sogen. Kontinentalsperre, aus, durch welches er dem Handel von G. einen tödlichen Schlag zu versetzen wähnte. Indessen traf Napoleon, obgleich er auch Preußen und Rußland zur Anerkennung seiner Dekrete, die 1810 noch mehr verschärft wurden, bewog, weniger G. als die von ihm abhängigen Kontinentalländer. G. entschädigte sich durch einen großartigen Schmuggelhandel und durch die Wegnahme aller Schiffe, die den Mächten gehörten, welche dem Napoleonischen System beigetreten waren. Als Dänemark das Ansinnen zurückwies, mit G. ein Bündnis zu schließen und seine ansehnliche Flotte, um sie nicht in Frankreichs Hände fallen zu lassen, in einen der englischen Häfen zu führen, erschien 1807 ohne vorhergegangene Kriegserklärung eine englische Flotte vor Kopenhagen und zwang die Stadt durch ein viertägiges Bombardement zur Kapitulation, der zufolge die ganze dänische Flotte (18 Linienschiffe, 15 Fregatten, 6 Briggs und 25 Kanonenboote) den Engländern ausgeliefert wurde. Dieses völkerrechtswidrige Verfahren (der dänische König war bis jetzt neutral geblieben) bewog Dänemark, sogleich an England den Krieg zu erklären und sich aufs engste an Frankreich anzuschließen; dasselbe that Rußland. Die Briten beantworteten die doppelte Kriegserklärung mit der Wegnahme der dänischen Kolonien St. Thomas und Ste.-Croix (Dezember 1807) und einer im Hafen von Lissabon liegenden russischen Flotte, sandten auch den Spaniern und Portugiesen, welche 1808 gegen die französische Zwingherrschaft aufgestanden waren, eine ansehnliche Macht unter Arthur Wellesley, dem nachherigen Herzog von Wellington, und Moore zu Hilfe. Obgleich sich die englischen Heere im folgenden Jahr nach Portugal zurückziehen mußten, so hatten sie doch durch die Siege von Coruña und Talavera dargethan, daß sie auch zu Lande im stande seien, den Franzosen die Spitze zu bieten. Die britischen Schiffe beherrschten alle Meere und versorgten nicht nur alle Weltteile mit Kolonialwaren, sondern nahmen auch ihren Feinden die letzten überseeischen Besitzungen ab: 1809 Cayenne, Martinique, San Domingo und einen Teil der Ionischen Inseln, 1810 Guadeloupe, St.-Martin, St.-Eustache, Bourbon und Ile de France und 1811 Batavia.

Das Ministerium ging nach Portlands Tode (Dezember 1809) auf Perceval und nach dessen Ermordung (Mai 1812) auf Lord Liverpool über. Aber die Prinzipien der britischen Politik erlitten keine Veränderung, selbst dann nicht, als, nachdem Georg III. 1810 in unheilbare Geisteskrankheit verfallen war, vom Parlament 10. Jan. 1811 die Regentschaft und 5. Febr. 1812 die volle königliche Gewalt an den Prinzen von Wales übertragen wurde. Um dieselbe Zeit, in welcher Napoleon den Feldzug nach Rußland vorbereitete, geriet G. mit den nordamerikanischen Freistaaten in einen Krieg, weil diese ihm das Durchsuchungsrecht neutraler Schiffe nicht zugestehen wollten. Die Briten blieben überall siegreich, schlugen die amerikanischen Milizen in zahlreichen Gefechten, zerstörten Washington 24. Aug. 1813 und behaupteten auch zur See durchaus die Oberhand. So sahen sich die Vereinigten Staaten zum Abschluß des Friedens von Gent (24. Dez. 1814) genötigt, in welchem sie den Briten das bisher geübte Recht gegen die neutralen Schiffe zugestanden und auf die Teilnahme am ostindischen Handel verzichteten.

Währenddessen waren in Europa die wichtigsten Entscheidungen gefallen. Sobald G. die zwischen