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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Großhartmannsdorf - Großliebenthal.

auch früher bei den Einwohnern selbst gebräuchliche Benennung der Gesamtheit griechischer Kolonien in Unteritalien (also kein territorialer Name); bezeichnete zuerst nur die griechischen Städte der südlichsten Halbinsel, des ältesten "Italia", später ganz Unteritalien bis hinaus nach Tarent, ja vielleicht bis Kyme. An der Kolonisation beteiligten sich Ionier, Dorier und besonders Achäer. Als älteste Gründung, von Kyme abgesehen, gilt Sybaris (um 720) oder Rhegion (725). Die heutigen sogen. griechischen Ortschaften in Apulien, Kalabrien und Sizilien sind nicht, wie man glaubte, Reste der altgriechischen Kolonien, sondern moderne Ansiedelungen geflüchteter christlicher Albanesen, welche die in ihrer Heimat erlernte neugriechische Sprache bewahrt haben. Vgl. Lenormant, La Grande-Grèce, paysage et histoire (Par. 1881 bis 1884, 3 Bde.).

Großhartmannsdorf, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Freiberg, hat bedeutende Leinweberei und (1885) 2270 evang. Einwohner. In der Nähe liegen drei tiefe und sehr fischreiche Bergteiche mit bedeutender Karpfenfischerei.

Groß-Hennersdorf, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Löbau, hat eine evang. Pfarrkirche, eine Erziehungs- und Besserungsanstalt für Knaben, ein der Brüdergemeinde gehöriges, ehemals Zinzendorfsches Schloß mit Rittergut und (1885) 1492 Einw.

Großheringen, Dorf im weimar. Verwaltungsbezirk Apolda, am Einfluß der Ilm in die Saale und an der Linie Neudietendorf-Weißenfels der Preußischen Staatsbahn, in die hier die Eisenbahnen G.-Saalfeld u. Straußfurt-G. einmünden, hat eine große Kunst- u. Handelsmühle und (1885) 454 evang. Einw.

Großherr, s. Padischah.

Großherzog (franz. Grand-duc, engl. Grand-duke, ital. Grandúca), Titel für Fürsten im Rang zwischen König und Herzog. Papst Pius V. erteilte 1569 dem Herzog Cosimo I. von Florenz zuerst diesen Titel, mit welchem 1699 das Prädikat "Königliche Hoheit" verbunden ward, nachdem er von Florenz auf Toscana übergegangen war. Napoleon I. erteilte (1805) seinem Schwager Murat die großherzogliche Würde als Beherrscher des Großherzogtums Berg, worauf auch der Landgraf von Hessen-Darmstadt (1806), der Kurfürst von Baden und der Kurfürst von Würzburg infolge ihres Beitritts zum Rheinbund als souveräne Fürsten diesen Titel annahmen. Nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses führen gegenwärtig, außer Hessen-Darmstadt und Baden, auch die Regenten von Sachsen-Weimar, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und Oldenburg (letzterer erst seit 1829) sowie, neben ihren andern Titeln, der Kaiser von Österreich als G. von Toscana und Krakau, der König von Preußen als G. vom Niederrhein und von Posen und der König der Niederlande als G. von Luxemburg diesen Titel. Die depossedierte Linie des Hauses Habsburg-Lothringen von Toscana hat denselben gleichfalls beibehalten. Der präsumtive Regierungsnachfolger des Großherzogs führt den Titel Erbgroßherzog.

Großhundert, s. v. w. 120 Stück.

Grossi, Tommaso, ital. Dichter, geb. 30. Jan. 1791 zu Bellano am Comersee, studierte die Rechte zu Pavia und begab sich 1810 nach Mailand, wo er sich zuerst durch ein im Mailänder Dialekt geschriebenes politisch-satirisches Gedicht gegen die neue österreichische Herrschaft bemerklich machte. Später ließ er eine Novelle in Versen: "La fuggitiva" (1817), eine tragische Liebesepisode aus den Franzosenkriegen, und die Dichtung "Ildegonda" (1820) folgen, womit er sich auf das Gebiet des mittelalterlichen Lebens begab, welches die damals auch in Italien auftauchende "romantische Schule" als die Blütezeit der christlichen Ära und als Fundgrube der echtesten poetischen Stoffe feierte. Das Gedicht gewann insbesondere das weibliche Publikum für sich durch das Rührende der Begebenheiten und erlebte zahlreiche Auflagen. 1826 veröffentlichte G. ein episches Gedicht: "I Lombardi alla prima crociata" (in 15 Gesängen), worin er der "heidnisch" gefärbten Epopöe des Tasso eine wahrhaft katholische Kreuzfahrerdichtung gegenüberstellen wollte; allein obgleich das Werk namentlich in Beziehung auf die Sprache und die betreibenden Bestandteile wertvoll erschien, bot es doch kein hinlängliches Interesse der Handlung und der Charakteristik. Angeregt durch das bekannte Hauptwerk Manzonis, warf sich G. nun auf den historischen Roman und lieferte seinen "Marco Visconti" (1834; deutsch von Fink, Schaffh. 1859), dessen Bedeutung aber noch weit mehr als die der "Promessi sposi" Manzonis durch die Bezeichnung einer "historischen Studie" erschöpft wird. Unter den lyrischen Versuchen Grossis ist das empfindsame Lied "La rondinella" (deutsch, Prag 1869) allbekannt und wie wenige populär geworden. Mit der poetischem Erzählung "Ulrico e Lida" (1830) schloß G. seine poetische Laufbahn. Er lebte von 1838 an dem Beruf eines Notars und starb 10. Okt. 1853 in Mailand. Seine Marmorbüste wurde im Hof der Brera aufgestellt. Eine Sammlung seiner einzeln noch fortwährend neu aufgelegten Werke erschien Mailand 1862 in 2 Bänden. Vgl. Cantù, Vita ed opere di T. G. (Mail. 1854); Curti, T. G. (das. 1862).

Großindustrie, s. Gewerbebetrieb.

Großinquisitor, s. Inquisition.

Grossist (ital., Grossierer), Großhändler; vgl. En gros.

Groß-Jägersdorf, s. Jägersdorf.

Großjährigkeit (Mündigkeit, Volljährigkeit, Majorennität, Aetas major oder legitima), die Altersstufe, mit welcher der Mensch die volle rechtliche Handlungsfähigkeit erlangt (s. Alter, S. 419 f.).

Großkanzler, unter Friedrich d. Gr. Titel des Justizministers.

Großkophta, der Vorsitzende des von Cagliostro 1782 gestifteten theosophisch-mystischen Maurervereins, der den Namen "Ägyptische Maurerei" führte. Goethe behandelte den Stoff 1791 in einem gleichnamigen Lustspiel.

Großkreuz, in der Regel die höchste Klasse der Ritterorden, zunächst von den Johannitern herrührend, bei denen die Großwürdenträger, wie die Zungenhäupter, Prioren, Baillis und späterhin der Bischof von Malta, ein größeres Kreuz als die Ritter trugen. S. Orden.

Groß-Krotzenburg, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hanau, am Main, mit katholischer Pfarrkirche, Weinbau und Torfstich und (1885) 1150 kath. Einwohnern; Hauptpunkt der römischen Befestigungen am Main. Vgl. Wolff, Das Römerkastell und das Mithrasheiligtum in G. (Darmst. 1882).

Großliebenthal, deutsche Kolonie im russ. Gouvernement Cherson, Kreis Odessa, an einem Liman, mit 3367 evang. Einwohnern, Sitz der Kolonistenverwaltung von zehn Dörfern. Gegenüber Kleinliebenthal mit 2034 römisch-kath. Bewohnern, beliebter Sommeraufenthalt der Odessaer, mit heilsamen Schlammbädern im Liman.