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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Guinea; Guineafieber; Guineakörner; Guineas; Guineawurm; Guinée; Guinegate; Guines; Guingamp

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Guinea - Guingamp.

Palmas und Taboe in Liberia; Akkra, Aida, Akuso, Kyong und Quittah an der Goldküste; Lome, Bageida, Klein-Popo, Groß-Popo, Porto Novo, Lagos und Weidah an der Sklavenküste, und weiter südlich Bimbia, Camerun, Malimba, Klein-Batanga, Batanga am Campofluß, Battabai, Benita, Klein-Eloby, Gabun, am Ogowe, Ogulawanja, Majumba, Sette Cama und Rudolfstadt. Deutsches Reichsgebiet sind: das Togoland und Camerun (s. diese Artikel), welche 1884 unter den Schutz der deutschen Flagge gestellt wurden. Aber schon unter dem Großen Kurfürsten von Brandenburg wurden deutsche Niederlassungen an dieser Küste errichtet. Nachdem 16. Mai 1681 Kapitän Blonck mit einigen Häuptlingen an der Guineaküste Verträge abgeschlossen hatte, wurde 17. März 1682 die Afrikanische Handelskompanie gegründet und, um von den erworbenen Plätzen Besitz zu nehmen, v. d. Gröben entsandt, der am 27. Dez. 1682 am Kap der Drei Spitzen vor Anker ging u. die brandenburgische Flagge auf dem Berg Manfro aufpflanzte, wo die später so berühmte Feste Groß-Friedrichsburg (s. d.) angelegt wurde. Am 24. Febr. 1684 wurde Accada (wo man die Dorotheenschanze erbaute), 4. Febr. 1685 Taccarary und später Taccrama erworben. Alle diese Punkte liegen ziemlich nahe bei einander auf jetzigem englischen Besitz; sie waren damals von englischen und holländischen Besitzungen umgeben, Taccarary auch von den drei andern getrennt. Im J. 1685 kam noch das Gebiet Arguin vom 24°. nördl. Br. bis zur Senegalmündung hinzu, das durch eine Festung auf der Insel Arguin geschützt wurde, sowie eine Handelsniederlassung auf St. Thomas in Westindien, wohin diese brandenburgische Gesellschaft einen gewinnbringenden Handel mit afrikanischen Sklaven trieb. Im J. 1686 wurde der Besitz der Afrikanischen Kompanie vom Staat übernommen, aber schon 1687 begannen die offenen Feindseligkeiten der Holländer und Engländer in Oberguinea, und Taccarary ging verloren. Überhaupt machten die Kolonien in gleichem Maß wie die brandenburgische Kriegsflotte immer größere Rückschritte. Friedrich Wilhelm I. trat 22. Nov. 1717 seine sämtlichen afrikanischen Besitzungen an die Holländisch-Westindische Kompanie ab, aber erst 1721 gelang es dieser, sich Groß-Friedrichsburgs, dessen letzter, heldenmütiger Kommandant der Negerhäuptling Jan Cuny war, zu bemächtigen. In demselben Jahr wurde Arguin, das Kapitän Wynen ebenso wacker verteidigte, von den Franzosen erobert. Vgl. Robert, Afrika als Handelsgebiet (Wien 1883); Falkenstein, Westafrika (Leipz. 1885); "Brandenburg-Preußen an der Westküste von Afrika 1681-1721. Verfaßt vom Großen Generalstab" (Berl. 1885).

Guinea, portug. Provinz an der westafrikanischen Küste, deren Grenzen nach einem am 15. Mai 1886 mit Frankreich abgeschlossenen Vertrag durch eine Linie bestimmt werden, die, vom Kap Roxo ausgehend, zwischen den Flüssen Casamanze und São Domingo de Cacheo bis zum Schnittpunkt von 15° 10' westl. L. v. Gr. und 12° 40' nördl. Br. verläuft und dann diesem Breitengrad bis 13° 40' westl. L. folgt, der nun die Ostgrenze bis 11° 40' nördl. Br. bildet. Die Südgrenze geht von der Mündung des Rio Cajet (zwischen der portugiesischen Insel Catak und der französischen Tristão), zwischen den Flüssen Componi (Tabali) im S. und Cassini im N. bis zum Schnittpunkt von 13° 40' westl. L. und 11° 40' nördl. Br. Danach ging Zingichor an Frankreich über. Portugiesisch-G. umfaßt die Niederlassungen Bissão, Cacheo, Bolama u. a. und hatte vor dem Vertrag ein Areal von 69 qkm (1,9 QM.) mit (1873) 9282 Einw. Produkte sind: Schildkröten, kleine Rinder, Reis, Palmöl, Elfenbein, Wachs, Kolanüsse, Baumwolle, Weihrauch, Salz. Hauptort und Sitz des Gouverneurs ist Bolama auf der gleichnamigen Insel an der Mündung des Rio Grande; die Häfen von Cacheo und Bolor sind zwar gut, doch nur kleinern Schiffen zugänglich. Der Handel ist zum großen Teil in französischen und deutschen Händen; die portugiesische Regierung erhebt Zölle von der Einfuhr wie von der Ausfuhr. Die Insel Bolama mit der kleinen Insel Gallinhas war Gegenstand eines Streits zwischen Portugal und England, der am 21. April 1870 durch General Grant, den von beiden Staaten gewählten Schiedsrichter, zu gunsten Portugals entschieden wurde. S. beifolgende Karte.

Guineafieber, endemische Krankheit auf Guinea, die jedoch nur eine Modifikation des gelben Fiebers (in Amerika) zu sein scheint.

Guineakörner (Guineapfeffer), die runden, glänzend schwarzen, angenehm terpentinartig riechenden und aromatisch scharf schmeckenden Samen von Habzelia aromatica; auch s. v. w. Cayennepfeffer, gewisse Formen des spanischen Pfeffers; sonst auch s. v. w. Paradieskörner, Kardamome.

Guineas, blaues baumwollenes Zeug, welches in Senegambien und einem Teil Guineas im Handel anstatt des Geldes gebraucht wird. Dasselbe wird für den afrikanischen Handel in den französischen Kolonien Ostindiens verfertigt.

Guineawurm, s. Filariaden.

Guinée (franz., spr. ghi-, engl. Guinea, spr. ghinni), frühere engl. Goldmünze, die zuerst 1662 aus Gold von der Küste von Guinea (daher der Name) geprägt wurde. Man hat deren 5-, 2-, 1-, ½-, 1/3- und ¼fache aus 22karätigem Gold bis 1816 geprägt. Die einfache G. wiegt 8,3874 g; ihr Feingewicht ist 22/89 Troy-Unzen = 7,6885 g, ihr Wert 21,45 Mk. Die Guineen sind aus dem Verkehr verschwunden, nachdem seit 1816 an ihre Stelle der Sovereign von 20 Schilling getreten ist.

Guinegate (spr. ghīn'gát, Enguinegatte), Dorf im franz. Departement Pas de Calais, Arrondissement St.-Omer, mit 425 Einw. Hier 17. Aug. 1479 Sieg Maximilians I. über die Franzosen unter Philipp von Crevecoeur; am 16. Aug. 1513 Sieg der Engländer und Maximilians I. über die Franzosen in der sogen. Sporenschlacht (weil die letztern weniger von den Waffen als von den Sporen Gebrauch machten).

Guines, 1) (spr. ghīn) Stadt im franz. Departement Pas de Calais, Arrondissement Boulogne, in sumpfiger Gegend, mit Resten eines alten Schlosses, (1876) 3644 Einw., hat Spitzen- und Tüllfabrikation und -Bleichen. G. war früher Sitz der Grafen von G., nach deren Aussterben (1137) es an die Kastellane von Gent, später im Frieden von Bretigny (1360) an die Engländer kam, die es 1413 an Frankreich zurückgaben. 1520 und 1546 wurden hier Verträge zwischen Franz I. und Heinrich VIII. abgeschlossen. -

2) (spr. ghines) Distriktshauptstadt auf der Insel Cuba, 40 km südöstlich von Havana, mit Zucker- und Kaffeebau und 5500 Einw.

Guingamp (spr. ghänggāng, Guimgamp), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Côtes du Nord, im Mittelpunkt eines großen und fruchtbaren Thals, am Trieux, Station der Westbahn, mit schöner Kirche aus dem 13.-16. Jahrh. (besuchter Wallfahrtsort), schöner Fontäne, Resten ehemaliger Befestigungswerke, Collège und (1881) 8365 Einw., welche Zwirnfabrikation, Töpferei etc. treiben. G.