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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Guingette; Guinicelli; Guion-Linie; Guipavas; Guipüre; Guipuzcoa; Guiraud; Guiria; Guirlande

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Guingette - Guirlande.

war vom 14. bis 17. Jahrh. Hauptstadt des Herzogtums Penthièvre.

Guingette (franz., spr. ghänggett), ein französisches Kartenspiel; speziell die Karodame in diesem Spiel.

Guinicelli (spr. ghinitschelli), Guido, ital. Dichter, geboren um 1240 zu Bologna aus einer altadligen Familie, studierte Rechtswissenschaft und bekleidete in seiner Vaterstadt das Amt eines Richters, bis er 1274 mit der Partei der Lambertozzi ^[richtig: Lambertazzi] aus Bologna verbannt wurde. Er starb 1276 im Exil. Als Dichter ist G. die hervorragendste Erscheinung der Zeit vor Dante, der ihn sehr hoch schätzte, ja ihn den Vater der italienischen Dichtkunst nennt. Erhalten haben sich von ihm nur sieben Kanzonen und fünf Sonette (abgedruckt unter anderm bei Manucci, Manuale della letteratura del primo secolo della lingua Italiana, 2. Aufl., Flor. 1856). Sie behandeln ausschließlich die Liebe und zeichnen sich durch ebenso anmutige Bilder wie geistreiche und tiefe Gedanken aus. G. war das Haupt der bolognesischen Dichterschule, zu welcher Lapo Gianni, Cino da Pistoja, Guido Cavalcanti u. a. gehörten. Vgl. Grion, Guido G. e Dino Compagni (Bologna 1870).

Guion-Linie, Dampfschiffahrtslinie von Liverpool nach New York, benannt nach deren Unternehmer Guion (gest. 1885).

Guipavas (spr. ghipawá), Flecken im franz. Departement Finistère, Arrondissement Brest, mit alter Kirche, (1881) 1171 Einw., Getreidemühlen, Lohgerberei und Handel mit Getreide. G. hat mehrere Denkmäler aus der Druidenzeit.

Guipüre (franz., spr. ghi-), ein dicker Faden oder ein Streifen aus Pergament, aus welchem bei der Anfertigung der Guipürespitzen (s. Spitzen) die Zeichnung auf dem Grund hergestellt wird. Indem die G. ganz mit dem Faden umwunden wird, entsteht ein stärkeres Relief als bei den gewöhnlichen genähten Spitzen. Guipürespitzen werden nicht in Netzgrund gearbeitet, sondern die einzelnen Figuren werden durch Fäden (brides) miteinander verbunden.

Guipuzcoa (spr. ghpiukŏa ^[richtig: gihpudskŏa]), die östlichste der drei baskischen Provinzen in Spanien, grenzt gegen N. an den Meerbusen von Viscaya, im NO. durch den Grenzfluß Bidassoa an Frankreich, im O. an Navarra, im S. an Alava, im W. an Viscaya, hat einen Flächenraum von 1885 qkm (34,23 QM.) und ist somit die kleinste Provinz Spaniens. G. ist gebirgig und wird von den die Pyrenäen fortsetzenden Kantabrischen Bergen erfüllt, welche mit ihrer Hauptkette an der Südgrenze hinziehen, sehr steil abfallen und nur durch beschwerliche Pässe zugänglich sind. Die Berge sind bewaldet und wasserreich, die Küste ist gut gegliedert und enthält gute Häfen; die dem Meer zuströmenden Flüsse sind durchweg von kurzem Lauf. Das Klima ist mild und gesund. Die Bevölkerung, 1878: 167,207 Seelen (Ende 1883 auf 176,476 berechnet), ist sehr dicht, indem 88 Bewohner auf das Quadratkilometer kommen; doch hat sie sich wegen starker Auswanderung in den letzten Jahren wenig vermehrt. Die Bewohner sind sehr betriebsam. Der Boden wird äußerst sorgsam angebaut, doch liefert der Ackerbau wegen geringer natürlicher Fruchtbarkeit nicht genügende Produkte. Von Bedeutung ist der Obstbau, welcher namentlich Äpfel (hauptsächlich zur Bereitung von Apfelwein verwendet) liefert. Die Haupterwerbsquellen sind Bergbau, welcher Eisen, Zink, Blei und Braunkohle ergibt, und Industrie, welche hier einen ihrer Hauptsitze von ganz Spanien hat und Eisen- und Stahlwaren, Waffen, Baumwoll- und Schafwollgewebe, Spitzen, Papier, Seife, Kerzen und Wachszündkerzchen, Marmorwaren, Zement, Glas, Klaviere und Wagen produziert. Ein hervorragender Industriezweig ist auch der Schiffbau. Der ehemals außerordentlich lohnende Walfischfang hat seine frühere Bedeutung verloren, dagegen wird sonstige Seefischerei ziemlich lebhaft betrieben. An der Küste befinden sich besuchte Seebäder, im Innern auch Mineralbäder. Durch G. führt nach Frankreich die Spanische Nordbahn. Die Provinz zerfällt in vier Gerichtsbezirke (darunter San Sebastian, Tolosa, Vergara). Hauptstadt ist San Sebastian. Vgl. Basken.

Guiraud (spr. ghiro), 1) Pierre Marie Thérèse Alexandre, franz. Dichter, geb. 25. Dez. 1788 zu Limoux, war zuerst Kaufmann, wurde dann durch einen Sieg in den Jeux floraux für die Dichtkunst gewonnen, kam 1813 nach Paris und zog die allgemeine Aufmerksamkeit durch seine Tragödie "Les Macchabées" (1822) auf sich. 1826 wurde er in die Akademie gewählt und 1828 zum Baron ernannt; er starb 24. Febr. 1847. Seine längst vergessenen Tragödien entzückten die Zeitgenossen durch ihre klangvollen Verse und wirkungsvollen Rührszenen, während Komposition und Charakterschilderung äußerst mangelhaft sind. Bekannt sind noch die Tragödien: "Le comte Julien, ou l'expiation" (1823) und "Virginie" (1827). Höher stehen seine Gedichte: "Élégies savoyardes" (1823) und "Poèmes et chants élégiaques" (1824); "Le petit Savoyard" findet sich in den meisten Sammlungen. Außerdem schrieb er die christlichen Romane: "Césaire" (1830) und "Flavien ou Rome au désert" (1835, 3 Bde.) sowie "Philosophie catholique de l'histoire" (1839-41, 2 Bde.) u. a. Gesammelt erschien "Théâtre et poésies" 1845.

2) Ernest, franz. Komponist, geb. 23. Juni 1837 zu New Orleans, wo sein Vater Jean Baptiste G. als Musiklehrer lebte, ward mit 15 Jahren Schüler des Pariser Konservatoriums und erhielt 1859 den Römerpreis für die Kantate. "Bajazet und der Flötenspieler". Nach der Rückkehr aus Italien brachte er 1864 in der Komischen Oper seine "Sylvie" zur Aufführung; 1869 folgte im Théâtre lyrique "En prison" und 1870 wieder in der Komischen Oper "Le kobold". Nachdem er den deutsch-französischen Krieg freiwillig mitgemacht, brachte er 1872 "Madame Turlupin", 1873 ein Ballett: "Gretna-Green", und 1876 "Piccolino" zur Ausführung. Außerdem sind von ihm bekannt geworden eine Orchestersuite, eine Konzertouvertüre und einige kleinere Sachen. G. wurde 1876 Harmonieprofessor am Pariser Konservatorium und 1880 Kompositionsprofessor.

Guiria (spr. ghirria), Hafenstadt an der Südküste der Pariahalbinsel, in der Sektion Cumana des Staates Bermudez in der Republik Venezuela, hat 3115 Einw., die Kakaobau und lebhaften Handel betreiben. Einfuhr 1882-83: 345,176 Bolivares, Ausfuhr 1,125,566 Bol., ohne den 631,708 Bol. betragenden Küstenhandel.

Guirlande (franz., spr. ghir-, v. ital. ghirlanda "Kranz"), Blumen- oder Laubgewinde, als festlicher Schmuck an etwas befestigt oder um etwas herumgewunden. Der italienische Maler Ghirlandajo erhielt nach Vasari diesen Beinamen von seiner Geschicklichkeit im Herstellen goldener Laubkränze als Goldschmiedslehrling. Unter dem Namen Guirlande der Julie wird häufig das prächtige Hochzeitsgeschenk citiert, welches der Herzog von Montausier der schönen Julie von Rambouillet, seiner Braut, brachte, bestehend aus einer Folge von Blumenmalereien auf Pergament, zu denen die ersten Dichter der Zeit (z. B. Corneille und Racine) Verse gemacht hatten.