Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gülle; Gullies; Gullivers Reisen; Gulo; Gült; Gültebauern; Gülten; Gulussa; Gum; Gümbel; Gumbert; Gumbinnen

924

Gülle - Gumbinnen.

höhern Ständen eröffnete und 27 Jahre lang leitete. Er starb 24. Dez. 1879 daselbst. Außer verschiedenen belehrenden Kinderschriften, z. B. "Systematische Bilderschule" (Nürnb. 1847-51, 2 Bde.), veröffentlichte er: "Kinderheimat in Liedern und Bildern" (mit Zeichnungen von Graf Pocci und Bürkner, neue Ausg., Gütersl. 1875); "Weihnachtsbilder" (Berl. 1840); "Neue Bilder für Kinder" (mit Zeichnungen von Tony Muttenthaler, Münch. 1848); "Perlen aus dem Schatz deutscher Lyrik" (das. 1850); "Leitstern auf der Lebensfahrt, ein Spruchbrevier" (Leipz. 1881) und "Rätselstübchen" (hrsg. von Lohmeyer, Glogau 1882). Gülls Kinderlieder zeichnen sich durch glückliche Auffassung des kindlichen Geistes und Gemüts aus und sind besonders durch die Kompositionen von W. Taubert weit und breit bekannt geworden.

Gülle, s. Dünger, S. 218.

Gullies, s. Kühlkrüge.

Gullivers Reisen (Travels of Gulliver), Titel eines berühmten satirischen Romans von Swift (s. d.).

Gulo, Vielfraß.

Gült (Gülte), was ein Gut jährlich erträgt; dann s. v. w. Schuld, auch Abtragung einer solchen, besonders aber der von der Nutznießung eines Gutes zu entrichtende Grundzins. Daher Gültbrief, Gültverschreibung, s. v. w. Schuldverschreibung; Gültgüter, Gültenhöfe, Güter, von denen Grundzinsen (s. d.) erhoben wurden (s. Bauerngut).

Gültebauern (Giltebauern), s. Bauerngelden.

Gülten (Gültenkauf, Gültkauf, Rentenkauf), eine Form der Grundverschuldung, bei welcher das im Eigentum des Schuldners verbleibende Grundstück mit einem Zins (Rente) belastet wurde, im Gegensatz zur modernen Kapitalbelastung durch Bestellung einer Hypothek (s. d.).

Gulussa, der zweite von den drei den Vater überlebenden legitimen Söhnen des numidischen Königs Masinissa (die beiden andern Söhne sind Micipsa und Mastanabal), ward 172 und 171 v. Chr. wegen der Streitigkeiten seines Vaters mit den Karthagern als Gesandter nach Rom geschickt, um seinen Vater gegen die Anklagen der Karthager zu verteidigen, sollte später (152) die Sache seines Vaters in Karthago selbst führen, ward aber nicht in die Stadt eingelassen und geriet auf dem Rückweg durch einen Hinterhalt, den ihm die Karthager gelegt hatten, sogar in Lebensgefahr; als sodann 150 der Krieg zwischen Masinissa und den Karthagern ausgebrochen war und die Karthager geschlagen und zur Ergebung gezwungen worden waren, überfiel er die wehrlos Abziehenden und machte den größten Teil derselben nieder. Nach Masinissas Tod (149) verlieh P. Cornelius Scipio, dem jener die Vollziehung seines Testaments übertragen hatte, G. den Oberbefehl über das Heer und die Leitung des Kriegswesens, worauf dieser den Römern im dritten Punischen Krieg nicht unwesentliche Dienste leistete. Er starb bald darauf. - Ein Sohn von ihm, Massiva, war 111 mit Jugurtha zusammen in Rom und wurde auf dessen Befehl ermordet, weil einige angesehene Römer die Absicht hatten, ihn statt des Jugurtha zum König von Numidien zu erheben.

Gum (Goum), in Algerien Name der Abteilungen der eingebornen irregulären Reiterei. Das Wort, aus dem arabischen hukm entstanden, bedeutet s. v. w. Aufgebot etc. der streitbaren Mannschaft eines Stammes. Diese Reiter, obwohl ohne die geringste Mannszucht, werden wegen ihrer Bekanntschaft mit dem Lande teils als Eskorten, Gendarmen etc., teils zum Plänklerdienst und auf Vorposten benutzt. Sie stehen nicht unter französischen Offizieren, sondern unter ihren eignen, von Frankreich bestätigten Chefs und erhalten nur Sold, wenn sie Dienst thun. Das Bindeglied zwischen ihnen und der regulären Armee bildet die 1830 errichtete eingeborne reguläre Reiterei, die spätern Spahis. Im J. 1870 wurden sie bei der Loirearmee zum erstenmal in einem europäischen Krieg verwandt.

Gümbel, Karl Wilhelm, Geolog, geb. 11. Febr. 1823 zu Dannenfels in der Rheinpfalz, ward früh durch seinen ältern Bruder, den Bryologen Theodor G., für die Naturwissenschaft gewonnen, studierte seit 1842 in München Philosophie und Naturwissenschaft, dann in Heidelberg Geognosie und Bergwissenschaft, begann 1848 seine praktische Ausbildung in dem Steinkohlenbergwerk St. Ingbert, ward 1850 Markscheider und 1851 zur Beteiligung an der geognostischen Durchforschung Bayerns nach München berufen. Er leitete die Aufnahme des ostbayrischen Grenzstrichs von der Donau bis zum Fichtelgebirge, wandte sich aber seit 1855 der geognostischen Durchforschung der Alpen zu und um so erfolgreicher, als gleichzeitig viele österreichische Geologen und Escher v. d. Linth sich derselben Aufgabe widmeten. Die Frucht dieser Arbeiten war "Die geognostische Beschreibung des bayrischen Alpengebirges und seines Vorlandes" (Gotha 1861), das erste Werk, welches einen bedeutenden Teil der nördlichen Kalkalpen bis ins kleinste Detail darstellt und geognostisch beschreibt. 1861 begann er in ähnlicher Weise die Ausarbeitung des ostbayrischen Gebirges, welche 1868 in Gotha erschien. Ein dritter Band (1879) behandelt das Fichtelgebirge mit dem Frankenwald. Neben derselben lieferte G. eine Übersicht der böhmischen Kreide zur Vergleichung mit der in Niederbayern und eine Arbeit über Foraminiferen des südbayrischen Nummulitenkalks, auch bearbeitete er die geologische Abteilung der "Bavaria". Er wurde 1861 Professor an der Münchener Universität, 1868 auch Professor der Geognosie an der technischen Hochschule daselbst, trat 1869 in das Kollegium des neuerrichteten Oberbergamtes und wurde 1879 mit dem Titel Oberbergdirektor Vorstand dieser obersten Bergbehörde in Bayern. 1882 wurde er in den Adelstand erhoben. Noch veröffentlichte er: "Anleitung zu geologischen Beobachtungen in den Alpen" (Münch. 1879) und "Geologie von Bayern" (Kassel 1884 ff.).

Gumbert, Ferdinand, Liederkomponist, geb. 21. April 1818 zu Berlin, war 1839-42 als Sänger auf verschiedenen Bühnen thätig, widmete sich aber dann zu Berlin ausschließlich der Komposition und dem Gesangunterricht. Außer zahlreichen ebenso melodiösen und sangbaren wie ausdrucksvoll deklamierten und infolgedessen ungemein populär gewordenen Liedern schrieb er einige Liederspiele, von denen das 1848 erschienene: "Die Kunst, geliebt zu werden", besondere Anerkennung gefunden hat. Auch als Schriftsteller hat sich G. vorteilhaft bekannt gemacht, teils durch eine Sammlung von Aussprüchen etc. über die Tonkunst: "Musik. Gelesenes und Gesammeltes" (Berl. 1860), teils durch seine seit 1861 der "Neuen Berliner Musikzeitung" gelieferten geistvollen Berichte über die Oper.

Gumbinnen, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Kreises in der Provinz Ostpreußen, 57 m ü. M., an der Pissa (einem Quellfluß des Pregel), die hier die Rominte aufnimmt, und an der Linie Seepothen-Insterburg-Eydtkuhnen der Preußischen Staatsbahn, freundlich und regelmäßig gebaut, hat 3 evang. Kirchen, eine Synagoge, ein gro-^[folgende Seite]