Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

951

Gutschein - Guttapercha.

Gutschein, ein vom Verkäufer nicht sofort lieferbarer Effekten dem Käufer vorläufig übergebener Schein, welcher bei Empfangnahme der Papiere dem erstern quittiert zurückzugeben ist.

Gutschen, chines. Stadt, s. Kutschân.

Gutschmid, Alfred von, Historiker, geb. 1. Juli 1835 zu Loschwitz bei Dresden, studierte in Leipzig und Bonn Philologie und Geschichte und promovierte 1854 an der Leipziger Universität mit einer Dissertation: "De rerum aegyptiacarum scriptoribus graecis ante Alexandrum Magnum" (abgedr. im "Philologus", Bd. 10). 1863 ward er als außerordentlicher Professor der Geschichte an die Universität Kiel berufen und 1866 zum ordentlichen Professor ernannt. 1873 folgte er einem Ruf nach Königsberg, 1876 nach Jena und 1877 nach Tübingen; auch ist er Mitglied der sächsischen Akademie der Wissenschaften. G. hat sich namentlich der Geschichte des vorgriechischen und des hellenistischen Orients sowie der alten Chronologie und Annalistik zugewendet; in seinen zahlreichen Arbeiten überwiegt die kritische Richtung. Er schrieb unter anderm: "Kritik der polnischen Urgeschichte des Vincentius Kadlubek" ("Archiv für österreichische Geschichtsquellen", Bd. 17); "Über die Fragmente des Pompejus Trogus und die Glaubwürdigkeit ihrer Gewährsmänner" (Supplementband der "Jahrbücher für klassische Philologie" 1857); "Die makedonische Anagraphe" ("Symbola philologorum Bonnensium in honorem Fr. Ritschelii collecta", 1864); "Die Apokalypse des Esra und ihre spätern Bearbeitungen" ("Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie", Bd. 3); "Beiträge zur Geschichte des alten Orients" (Leipz. 1858); "Die nabatäische Landwirtschaft und ihre Geschwister" ("Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", Bd. 15); "Neue Beiträge zur Geschichte des alten Orients", Bd. 1: "Die Assyriologie" (Leipz. 1876).

Gutschreiben, eine Summe im Konto eines Geschäftsfreundes unter Haben eintragen, im Gegensatz zu "belasten".

Gutsherrliche Polizei, die in manchen Gegenden, namentlich in den östlichen Provinzen Preußens, mit dem Besitz eines Gutes verbundene Polizeigewalt; durch die Kreisordnung vom 13. Dez. 1872, welche die Ortspolizei den Amtsvorstehern überträgt, beseitigt.

Guts Muths, Johann Christoph Friedrich, namhafter Pädagog und Mitbegründer der Turnkunst, geb. 9. Aug. 1759 zu Quedlinburg, studierte in Halle Theologie und wurde dann wieder, wie schon als Schüler, Erzieher im Elternhaus des nachmals berühmten Geographen Karl Ritter. Letztern brachte er 1785 in die von Salzmann eben gegründete Erziehungsanstalt Schnepfenthal, an der er von da ab selbst als Lehrer, besonders des Turnens und der Geographie, bis 1837 wirkte, seit 1797 in dem nahen Dorf Ibenhain wohnend. Hier starb er 21. Mai 1839. G. hat nicht nur die Notwendigkeit geregelter Körperausbildung zumal der Jugend energisch verfochten, sondern dieser Ausbildung auch, anknüpfend an die von Salzmann nach Schnepfenthal gebrachten Anfänge des Basedowschen Philanthropins zu Dessau, ein reichhaltiges Übungsgebiet erschlossen und diesem über seine Anstalt und Deutschland hinaus Verbreitung verschafft durch seine "Gymnastik für die Jugend", das erste Lehrbuch der Turnkunst (zuerst Schnepfenth. 1793; erweitert 1804 und hrsg. von Klumpp, 1847). Eine Neubearbeitung für den Zweck der Erziehung zur Wehrhaftigkeit ist sein nach Jahns "Deutscher Turnkunst" erschienenes "Turnbuch für die Söhne des Vaterlandes" (Frankf. 1817), ein Auszug daraus sein "Katechismus der Turnkunst". Ergänzungen zu diesen Werken sind G.' "Spiele für die Jugend" (Schnepfenth. 1796; 7. Aufl. von Schettler, Hof 1884), sein "Kleines Lehrbuch der Schwimmkunst" (Weim. 1798, 2. Aufl. 1833) u. a. Auch schrieb er: "Mechanische Nebenbeschäftigungen für Jünglinge und Männer" (Altenb. 1801), ferner ein "Elementarbuch für Stadt- und Landschulen" (Frankf. 1813, 3. Aufl. 1831) und gab 1800-1820 die "Bibliothek für Pädagogik, Schulwesen und die gesamte pädagogische Litteratur Deutschlands" (unter verschiedenen Titeln) heraus. Durch sein "Handbuch der Geographie" (Leipz. 1810, 2 Bde.; 4. Aufl. 1826), von dem ein Auszug als beliebtes Schulbuch erschien, wie durch seinen "Versuch einer Methodik des geographischen Unterrichts" (das. 1835) hat er viel zu einer zweckmäßigern Methode des geographischen Unterrichts beigetragen. Mit Gaspari, Hassel u. a. verband er sich zur Bearbeitung des "Vollständigen Handbuchs der neuesten Erdbeschreibung", für welches er die Beschreibung der südamerikanischen Staaten (Bd. 19 u. 20, Weim. 1827-30) lieferte. Für das von ihm und Jakobi herausgegebene Werk "Deutsches Land und deutsches Volk" verfaßte er den 1. Teil, der auch unter dem besondern Titel: "Deutsches Land" (Leipz. 1820-32, 4 Bde.) erschien. Bemerkenswert ist der Einfluß, welchen der Geograph G. auf seinen ihm innig zugethanen Schüler Karl Ritter ausgeübt hat. Vgl. Waßmannsdorf, Joh. Chr. Friedr. G. (Heidelb. 1884).

Gutsüberlassungsvertrag (Gutsabtretungs-, Gutsübergabs-, Güterüberlassungs-, Abfindungs-, Altenteilsvertrag), derjenige Vertrag, vermöge dessen der alt gewordene Hofbesitzer bei Lebzeiten einem jüngern Verwandten, meist einem Kind (Anerben), das Gut zum Eigentum abtritt und übergibt. Das in der Natur der Bauernwirtschaft begründete Erfordernis körperlicher Rüstigkeit des Besitzers ist in der Regel die Veranlassung dazu, daß der alternde Landwirt sein Besitztum an die jüngere Generation abgibt, sich selbst und seiner Ehefrau den Altenteil (s. d.) vorbehaltend und für die übrigen Kinder eine Abfindung (s. d.) festsetzend.

Gutta (lat.), Tropfen; in der Pathologie ehedem s. v. w. tropfenähnlicher Fleck, daher z. B. G. rosacea, Kupferrose (s. Kupferausschlag).

Gutta, bedeutendster Markt auf der Großen Schüttinsel im ungar. Komitat Komorn, gegenüber der Mündung der Waag in den Neuhäuseler Donauarm (Waag-Donau), mit (1881) 6097 ungar. Einwohnern und reichem Fischfang.

Gutta cavat lapidem (lat.), "der Tropfen höhlt (allmählich) den Stein", Citat aus Ovids "Epistolae ex Ponto" (IV, 10).

Gutta Gambir, s. Katechu.

Guttannen, Dorf im schweizer. Kanton Bern, im Haslethal, an der Aare, 1049 m ü. M., mit 465 Einw. Hier endet die von Meiringen über Innertkirchen kommende Fahrstraße, und es beginnt der Saumpfad nach dem Grimselhospiz.

Guttapercha (Tubangummi, Gettaniagummi, Gummi plasticum, Percha), der erstarrte Milchsaft des zur Familie der Sapotaceen gehörenden Baums Isonandra (Dichopsis) Gutta Hook., welcher auf Singapur und nördlich bis Pinang, südlich bis auf der Ostküste von Sumatra und Java und östlich bis Borneo vorkommt. Andre Arten der Gattungen Dichopsis, Ceratophorus und Payena liefern weniger G. Man gewinnt den Milchsaft aus Einschnitten, die man in den Stamm der Bäume macht, und knetet ihn nach dem Gerinnen und vor dem völligen Erstarren mit