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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gyllenborg; Gymnadenia; Gymnase; Gymnasiarchen; Gymnasium

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Gyllenborg - Gymnasium.

tene Geschick, eine gewöhnliche und alltägliche Begebenheit auf so poetische Weise zu behandeln, daß überall Schönheiten zu Tage treten und unser Interesse stets gefesselt wird. Ihre Schriften erschienen gesammelt 1849-51 zu Kopenhagen in 12 Bänden (3. Aufl. 1883); eine deutsche Übersetzung besorgte Edm. Zoller ("Novellen der Verfasserin der Alltagsgeschichten", Stuttg. 1852-53, 3 Bde.). Vgl. Luise Heiberg, P. A. Heiberg und Thomasine G. (Kopenh. 1882), worin die Ehescheidungsgeschichte behandelt ist.

Gyllenborg, Karl, Graf von, schwed. Staatsmann, geb. 7. März 1679, folgte Karl XII. auf seinen ersten Feldzügen, nahm als schwedischer Gesandter in London 1717 Anteil an der Verschwörung gegen König Georg I. und wurde deshalb verhaftet. Nach drei Monaten wieder freigelassen, ward er 1718 Staatssekretär und verhandelte den Frieden auf Åland mit Rußland. Nach Karls XII. Tod ward er das Haupt der sogen. Partei der Hüte, die sich an Frankreich verkaufte und die dem Grafen Horn und der Mützenpartei gegenüberstand, trug über letztere den Sieg davon und ward 1739 Kanzleipräsident. Er trieb zu dem Krieg mit Rußland 1741-43. Die Volkswut, die sich nach dem schimpflichen Frieden von Abo 1743 gegen ihn erhob, wußte er durch die Hinrichtung mehrerer Generale zu stillen. Er starb 6. Dez. 1746 als Reichsrat und Kanzler der Universität zu Upsala. Auch als Dichter versuchte er sich und verfaßte die erste schwedische Komödie: "Den svensk spratthöken" (1740). - Sein Neffe Gustav Friedrich, Graf von G., geb. 1731, war Kanzleirat, widmete sich aber mit Vorliebe der Poesie und ward eins der ersten Mitglieder der schwedischen Akademie; starb 30. März 1809. Er schrieb das Heldengedicht "Tåget öfver Bält" ("Der Zug über den Belt"), eine steife Nachahmung von Voltaires "Henriade", welche Karls X. berühmten Zug über das Eis von Jütland nach Seeland schildert; ferner das didaktische Gedicht "Årstidern" ("Die Jahreszeiten"); Satiren, Fabeln und Oden, die bei seinen Zeitgenossen Beifall fanden, jetzt aber vergessen sind.

Gymnadenia R. Brown (Nacktdrüse, Gymnadenie), Gattung aus der Familie der Orchideen, ausdauernde Pflanzen in Europa, Asien und Amerika. G. conopsea R. Brown (Orchis conopsea L.), häufig auf Waldwiesen wachsend, hat einen bis 60 cm hohen Stengel mit linien-lanzettförmigen Blättern und rosenrote oder weiße, in einer cylindrischen Ähre stehende Blüten mit gebogenem, langem Sporn. Die handförmigen Knollen dieser Pflanze geben zum Teil diejenige Sorte des Salep, welche unter dem Namen Glückshand (Radix Palmae Christi majoris) bekannt ist. G. odoratissima Rich., aus Waldwiesen, wird 10-22 cm hoch und hat linienförmige Blätter und blaßrote, sehr wohlriechende Blüten mit kurzem Sporn. Die Wurzel, früher Palma Christi minor genannt, ward für arzneikräftig bei Ruhren gehalten; auch wurde damit beim Schatzgraben viel Aberglaube getrieben.

Gymnase (franz., spr. schimnas), s. v. w. Gymnasium (in Deutschland und der Schweiz; vgl. Collège); G.-Dramatique, Name eines Lustspieltheaters in Paris, gegründet 1820; G. musical, Musikschule in Paris, in welcher die Zöglinge für die Kavallerie ausgebildet werden.

Gymnasiarchen (griech.), in Athen und andern griechischen Staaten die oberste Aufsichtsbehörde in den Gymnasien und Palästren bei den gymnastischen Übungen. Dieselben mußten auch auf ihre Kosten die Wettkämpfer stellen, welche in den gymnischen Wettspielen auftreten sollten, sowie die Einrichtung des Festplatzes besorgen.

Gymnasium (griech. gymnásion), bei den allen Griechen das Lokal, in dem die gymnastischen Übungen stattfanden (s. Gymnastik), also s. v. w. Turnhalle; in der heutigen amtlichen Sprache eine höhere Lehranstalt, in der die alten klassischen Sprachen gelehrt und die Schüler für die Universität vorgebildet werden. Die Gymnasien der alten Griechen, luftige und schattige Plätze mit Vorrichtungen für Spiel, Lauf, Ringkampf etc., später meist auch mit Säulenhallen, Bädern und Räumen für gelehrte Unterhaltung (exedrae), hatten ihr Urbild in dem Dromos zu Sparta, fanden aber ihre höchste Ausbildung nach den Perserkriegen in Athen, wo damals drei große Gymnasien, die Akademie, das Lykeion und das Kynosarges, bestanden. Sie waren Lieblingsaufenthalt und Bildungsstätte der Jünglinge (Epheben), welche die Ringschule (Palästra) bereits hinter sich hatten und hier von Gymnasien und Pädotriben (Turnlehrern) unter Leitung eines Gymnasiarchen und Oberaufsicht des Sophronisten (Sittenmeisters) unterwiesen wurden. Die Gymnasien verbreiteten sich mit der griechischen Bildung in den Mittelmeerländern und galten als Merkmal derselben. In Rom fanden sie keinen rechten Eingang. Von dem geistigen Leben, das sich in ihnen neben dem Turnwesen entwickelte, gibt die Wirksamkeit des Sokrates, wie sie Platon und Xenophon schildern, und ebenso Lukian im "Anacharsis" eine lebendige Anschauung. Auch Platon lehrte in der Akademie, Aristoteles im Lykeion.

An diese Verwendung der Gymnasien für die geistige Ausbildung der Jugend anknüpfend, nannten einzelne Städte und einzelne Privatunternehmer im Mittelalter, namentlich aber die Humanisten des 15. und 16. Jahrh., ihre in erster Reihe der Pflege der alten Sprachen gewidmeten Schulen gern Gymnasien; so wurde allmählich diese Bezeichnung der gelehrten Schulen in Deutschland gebräuchlich und verdrängte schließlich die gleichbedeutenden Namen, die nun den bestimmten Begriff von halbakademischen Anstalten (Lyceum), von Anstalten mit Kosthäusern (Pädagogium) oder von Bildungsstätten für Lehrer (Seminarium) annahmen, während die Bezeichnung als lateinische oder gelehrte Schulen fast ganz abkam. Diesem sprachlichen Vorgang drückte für Preußen der Erlaß des Ministers v. Schuckmann vom 12. Nov. 1812 das Siegel auf, der für alle unmittelbar zur Universität entlassenden Schulen die Bezeichnung als G. amtlich einführte. Im Ausland ist diese minder gebräuchlich. Bei den Völkern romanischer Zunge ist statt derselben meist der mittelalterige Name Kollegium (span. Colegio, ital. Collegio, franz. Collège etc.) durch die Schulsprache der Jesuiten allgemein geworden; doch heißen in Frankreich die vollständigen staatlichen Gymnasien Lycées, in Belgien Athénées; in Großbritannien findet sich neben der allgemeinern Benennung Grammar Schools oder Public Schools ebenfalls der Name Colleges.

Die Gymnasien der Humanisten waren nur selten ganz neue Anstalten, die meisten entstanden durch Umbildung aus den Dom- und Klosterschulen oder aus den städtischen lateinischen Parochial- und Ratsschulen, den Heimstätten der sieben freien Künste. Bei dieser Umbildung waren in Deutschland die niederländischen Hieronymianer oder Brüder des gemeinsamen Lebens besonders thätig, unter denen wieder Alexander Hegius (gest. 1498) und seine Schüler hervorragen. Man kehrte zu den bessern lateinischen Schriftstellern des goldenen Zeitalters zu-^[folgende Seite]