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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gy; Gya; Gyaros; Gyergyó-Szent-Miklós; Gyes; Gyges; Gyl.; Gyldén; Gylippos; Gyllembourg-Ehrensvärd

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Gy - Gyllembourg-Ehrensvärd.

demie Hohenheim, trat 1841 als Kreisforstrat zu Ellwangen in die württembergische Staatsforstverwaltung über und wurde 1850 in die Zentralforstbehörde nach Stuttgart berufen. Er war Mitglied der Kammer der Abgeordneten, trat 1858 als Geheimer Finanzrat in den Dienst des Fürsten von Sigmaringen, dessen böhmische Herrschaften er verwaltete, und starb 19. Jan. 1866 zu Bistritz in Böhmen. G. schrieb: "Der Waldbau" (Stuttg. 1834; 4. Aufl. von Dengler, 1858); "Anleitung zur Holzzucht außerhalb des Waldes" (Ellwangen 1849); "Der Schwarzwald in forstwissenschaftlicher Beziehung" (Stuttg. 1833); "Forstliche Mitteilungen" (das. 1836-47) u. a. 1857 begründete er die "Monatsschrift für Forst- und Jagdwesen" (Stuttg., fortgesetzt von Dengler).

Gy (spr. schi), kleine Stadt im franz. Departement Obersaône, Arrondissement Gray, an der Eisenbahn Gray-Bucey lès Gy, mit einem ehemaligen Schloß des Erzbischofs von Sens, Weinkultur, Eisenbergbau, Steinbrüchen, Baumwoll- und Leinweberei und (1881) 2047 Einw.

Gya, ind. Stadt, s. Gaya 2).

Gyaros (jetzt Giura), eine der griech. Kykladen, zwischen Keos und Andros im Ägeischen Meer, öde und arm, 13 qkm groß, diente in römischer Zeit als Verbannungsort.

Gyergyó-Szent-Miklós (spr. djérdjoh-ssent-miklosch), Markt im ungar. Komitat Csik (Siebenbürgen), liegt im reizenden Gyergyóthal, mit (1881) 5503 meist ungar. Einwohnern, bedeutendem Vieh- und Holzwarenhandel und Bezirksgericht.

Gyes (früher fälschlich Gyges genannt), einer der Hekatoncheiren (s. d.).

Gyges, erster König von Lydien aus der Dynastie der Mermnaden, ursprünglich Leibwächter und Günstling des Königs Kandaules aus der assyrischen Dynastie der Sandoniden. Letzterer rühmte gegen G. die Reize seiner Gemahlin und verbarg ihn in deren Schlafgemach, damit er Gelegenheit erhalte, sich von der Schönheit der Königin zu überzeugen. Diese bemerkte aber den Eindringling und stellte ihm andern Tags die Wahl, entweder den König zu töten und sie zu heiraten, oder selbst ermordet zu werden. G. wählte das erstere und bestieg nach Kandaules' Tode den Thron. Die Lydier wollten anfangs zwar den Usurpator nicht anerkennen, gaben sich indes zufrieden, als das delphische Orakel denselben in seiner Würde bestätigte. Aus Dankbarkeit sandte G. ungemein reiche Weihgeschenke nach Delphi, unter andern sechs goldene Mischkrüge, deren Gewicht 30 Talente betrug. G. regierte darauf 35 Jahre (689-654 v. Chr.), dehnte sein Reich aus, machte einen Angriff auf Milet und Smyrna und eroberte Kolophon. So erzählt Herodot; nach Plutarch verschaffte sich G. die Herrschaft durch Empörung und mit Heeresmacht. Platon ("De republ.") dagegen erzählt, G. habe einst als Hirt einen Ring in einer unterirdischen Höhle gefunden, welcher die Kraft gehabt habe, seinen Besitzer unsichtbar zu machen, sobald man den Stein einwärts kehrte. Mit Hilfe dieses Ringes habe er die Königin gewonnen und seinen Herrn ermordet. Fr. Hebbel behandelte den Stoff dramatisch unter dem Titel: "Der Ring des G."

Gyl., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Leonhard Gyllenhall, geb. 1754, gest. 1842 als schwedischer Major zu Hölberg bei Skara in Schweden (Entomolog).

Gyldén, Hugo, Astronom, geb. 29. Mai 1841 zu Helsingfors, ging bald nach 1860 auf die Sternwarte zu Pulkowa und wurde 1871 als Direktor der Sternwarte nach Stockholm berufen. Er schrieb: "Untersuchungen über die Konstitution der Atmosphäre" (Petersb. 1866-68); "Studien auf dem Gebiet der Störungstheorie" (das. 1871); "Recueil de tables contenant les développements numériques à employer dans le calcul des perturbations des comètes" (1877); "Die Grundlehren der Astronomie nach ihrer geschichtlichen Entwickelung" (Leipz. 1877); "Versuch einer mathematischen Theorie zur Erklärung des Lichtwechsels der veränderlichen Sterne" (Helsingfors 1879); "Undersökning of theorien för himlakropparnes rörelser" (1881); "Astronomiska akstagelser och undersökningar anställda på Stockholms observatorium" (4 Hefte).

Gylippos, spartan. Feldherr, Sohn des Kleandridas und einer Helotin, also Mothake, wurde 414 v. Chr. dem von den Athenern bedrängten Syrakus zu Hilfe geschickt und landete mit vier Schiffen in Himera, von wo er, von Nikias aus Nachlässigkeit nicht gehindert und durch Hilfstruppen verstärkt, nach Syrakus zog. Er verschaffte diesem sodann nicht nur beträchtliche materielle Streitkräfte aus den sizilischen Städten, die er zum Anschluß an Syrakus bewog, sondern gab seinen Bürgern auch die moralische Tüchtigkeit zurück. Ein kühner Angriff auf die Verschanzungen der Belagerer brachte diesen beträchtliche Verluste und setzte ihn in den Besitz von Labdalon. 413 eroberte er die athenischen Befestigungen auf dem Vorgebirge Plemmyrion und schlug einen neuen Sturm der Athener auf die Stadt zurück. Am Assinaros vernichtete G. darauf das abziehende athenische Heer. Auf der Rückfahrt nach Sparta wurde G. bei Leukadia von einer überlegenen athenischen Flotte überrascht, erlitt aber nur unbedeutenden Verlust. Später befleckte er seinen Ruhm durch Entwendung eines Teils der in Athen erbeuteten Schätze, weshalb er zum Tod verurteilt wurde; doch gelang es ihm, zu entfliehen.

Gyllembourg-Ehrensvärd, Thomasine Christine, geborne Buntzen, hervorragende dän. Novellistin, geb. 9. Nov. 1773 zu Kopenhagen, heiratete 1790 den Translateur P. A. Heiberg, dem sie den bekannten Dichter Joh. Ludwig Heiberg (s. d.) gebar. Nachdem Heiberg 1799 verbannt worden, was ihre Ehescheidung zur Folge hatte, heiratete sie 1801 den schwedischen Baron Ehrensvärd, der als Teilnehmer an der Verschwörung gegen Gustav III. aus Schweden verbannt war und in Kopenhagen unter seinem mütterlichen Namen Gyllembourg lebte (gest. 1815). Sie selbst starb. 2. Juli 1856 in dem Haus ihres Sohns. Sie war bereits 53 Jahre alt, als sie anonym in der von letzterm herausgegebenen Wochenschrift "Flyvende Post" (1827) halb im Scherz mit einer Novelle: "Familien Polonius", auftrat, die großen Anklang fand. 1828 folgten: "Den magiske Nögle" und "Én Hverdagshistorie" ("Eine Alltagsgeschichte"), welch letztere solches Aufsehen machte, daß sie sich fortan als "Verfasserin einer Alltagsgeschichte" bezeichnete. Eine große Reihe Novellen begründete ihren Ruf fest und fester, ihre Anonymität wurde aber erst nach ihrem Tod gelüftet. Zu den vorzüglichsten ihrer Erzählungen gehören noch: "Dröm og Virkelighed" ("Traum und Wirklichkeit"), "To Tidsaldre" ("Zwei Zeitalter"), "Extremerne" (mit der klassischen Schilderung des Lebens im Rahbekschen "Hügelhaus", s. Rahbek), "Jöden", "Marie". Minder glücklich war sie im Schauspiel. Was ihre Novellen auszeichnet, ist neben der feinen und treffenden Charakterzeichnung, der scharfen Beobachtungsgabe und humanen Weltanschauung das sel-^[folgende Seite]