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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haberlandt; Häberlin; Habern; Haberstich; Habesch; Habicht

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Haberlandt - Habicht.

H. in Italien, woselbst er die Bibliotheken nach den Schätzen älterer Kirchenmusik, namentlich des 16. Jahrh., durchforschte und dies mit solchem Erfolg, daß er bald als Autorität auf dem Gebiet des katholischen Kirchengesangs anerkannt wurde. 1871 übernahm er den wichtigen Posten eines Domkapellmeisters in Regensburg, und gleichzeitig wurde er von der Ritualkongregation zu Rom mit der Redaktion der in ersterer Stadt im Pustetschen Verlag erscheinenden Choralbücher wie auch von der Firma Breitkopf u. Härtel mit der Herausgabe der Werke Palestrinas betraut. Vor allem aber widmete er seine Kräfte dem unter seiner Leitung stehenden Kirchenchor sowie der 1875 von ihm begründeten Regensburger Musikschule, welche beiden Institute er im Verlauf weniger Jahre derart zu heben gewußt hat, daß Regensburg gegenwärtig mit Recht als eine der wichtigsten Pflegestätten der katholischen Kirchenmusik gelten darf. Ein weiteres Verdienst hat sich H. durch Fortsetzung von Proskes Sammlung "Musica divina" und durch Herausgabe des "Cäcilienkalenders" erworben. Von seinen zahlreichen, gediegenen Kompositionen ist bisher nichts gedruckt. Neuerlich veröffentlichte er: "Bausteine für Musikgeschichte" (Bd. 1: Wilhelm du Fay, Leipz. 1886).

Haberlandt, Friedrich, Agrikulturchemiker, geb. 21. Febr. 1826 zu Preßburg, widmete sich der Landwirtschaft, besuchte 1845-46 die Rechtsakademie in Preßburg, lernte dann auf einem ungarischen Gute die Praxis des landwirtschaftlichen Betriebs, bezog 1848 die landwirtschaftliche Lehranstalt zu Ungarisch-Altenburg und ward daselbst 1850 Lehrer und 1854 ordentlicher Professor. Als 1869 die Lehranstalt der ungarischen Regierung übergeben wurde, übernahm H. die Leitung der auf seine Anregung gegründeten Seidenbau-Versuchsstation zu Görz. 1876 wurde er Professor des landwirtschaftlichen Pflanzenbaues in Wien, wo er 2. Mai 1878 starb. Er schrieb: "Beiträge zur Frage über die Akklimatisation der Pflanzen und den Samenwechsel" (Wien 1864); "Die seuchenartige Krankheit der Seidenraupe" (das. 1866, Beiträge 1868, neue Beiträge 1869); "Aufgaben und Hilfsmittel der Samenprüfungsanstalten zur Gewinnung verläßlicher Eier des Maulbeerspinners" (das. 1869); "Studien über die Körperchen der Cornalia" (mit Verson, das. 1869); "Aufzucht des Eichenspinners" (das. 1870); "Der Seidenspinner des Maulbeerbaums, seine Aufzucht und seine Krankheiten" (das. 1871); "Wissenschaftlich-praktische Untersuchungen auf dem Gebiet des Pflanzenbaues" (das. 1875-77, 2 Bde.); "Die Sojabohne" (das. 1878); "Der allgemeine landwirtschaftliche Pflanzenbau" (das. 1878).

Häberlin, 1) Franz Dominikus, Historiker und Publizist, geb. 31. Jan. 1720 zu Grimmelfingen bei Ulm, studierte in Göttingen, ward 1742 Privatdozent der Geschichte daselbst, 1746 Professor der Geschichte zu Helmstedt, 1751 Professor des Staatsrechts und Assessor der Juristenfakultät, 1771 Geheimer Justizrat; starb 20. April 1787. Er schrieb: "Auszug aus der allgemeinen Welthistorie" (Halle 1767-73, 12 Bde.), eine deutsche Reichsgeschichte bis zum Schmalkaldischen Krieg, und als Fortsetzung dazu: "Neueste deutsche Reichshistorie" (bis 1600, das. 1774-86, 20 Bde.), außerordentlich gründliche, auf reichem urkundlichen Material beruhende, noch jetzt nicht veraltete Werke.

2) Karl Friedrich, Staatsrechtslehrer, Sohn des vorigen, geb. 5. Aug. 1756 zu Helmstedt, ward 1782 Professor des deutschen Staatsrechts in Erlangen, 1786 in Helmstedt, wohnte als braunschweigischer Geschäftsträger dem Rastatter Kongreß bei und war nach Errichtung des Königreichs Westfalen hier Mitglied der Reichsstände und der Gesetzkommission; starb 16. Aug. 1808. Er schrieb: "Handbuch des deutschen Staatsrechts" (Berl. 1794-97; 2. Aufl. 1797, 3 Bde.) und "Deutsches Staatsarchiv" (Helmst. 1796-1808, 16 Bde.).

3) Karl, Maler, geb. 16. Dez. 1832 zu Obereßlingen in Württemberg, erhielt seine erste Ausbildung in Stuttgart und studierte von 1852 bis 1856 auf der Akademie zu Düsseldorf unter Hildebrand und Schadow. Seine ersten Bilder waren: württembergische Rekrutierung, Szene aus dem Bauernkrieg und aus dem schleswig-holsteinischen Krieg. 1860 begab er sich nach München zu Piloty. Daselbst entstanden: Aufhebung des Klosters Alpirsbach durch die Schweden (Stuttgarter Galerie), die Weiber von Schorndorf (Galerie zu Barmen) sowie das Fresko: Szene aus dem sizilischen Aufstand, im bayrischen Nationalmuseum. Nachdem er 1864 Italien besucht hatte, ließ er sich 1866 in Stuttgart nieder, malte daselbst die Bilder: Tezel, Savonarola, Diebesbande vor Gericht und entwickelte eine große Produktivität als Illustrator. Von 1869 bis 1885 war er Professor der Genremalerei an der Kunstschule zu Stuttgart. Seine Bilder zeichnen sich durch große Lebendigkeit und energische, charakteristische Darstellung aus.

Habern, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Tschaslau, an der Kleinen Sazawa, mit Pfarrkirche, Schloß, (1880) 1926 Einw., Bierbrauerei und einem Bezirksgericht.

Haberstich, Samuel, unter dem Pseudonym Arthur Bitter bekannter schweizer. Schriftsteller und Journalist, geb. 21. Okt. 1821 zu Ried im Kanton Bern, arbeitete zuerst als Sekretär bei einem Rechtsagenten und erhielt später eine Anstellung bei der Kanzlei des bernischen Finanzdepartements. Nebenher hörte er die juristischen und philosophischen Vorlesungen der Universität Bern, widmete sich seit 1846 der Publizistik, indem er mehrfach radikale, namentlich humoristische, Blätter ("Schweizerischer Charivari", "Emmenthaler Joggeli") redigierte und daneben eine Reihe von Novellen schrieb (darunter die "Geschichten aus dem Emmenthal"), gesammelt in "Erzählungen, Novellen und Gedichte von A. Bitter" (Bern 1865, 4 Bde.). H. starb 20. Febr. 1872 in Bern.

Habesch, Land, s. v. w. Abessinien.

Habicht (Astur Bechst.), Gattung aus der Ordnung der Raubvögel, der Familie der Falken (Falconidae) und der Unterfamilie der Habichte (Accipitrinae), Vögel mit gedrungenem Leib, kleinem Kopf, längerm, stark gekrümmtem Schnabel mit stumpfem Zahn, bis zur Schwanzmitte reichenden Flügeln, in denen die dritte und vierte Schwinge am längsten sind, ziemlich kurzem, abgerundetem Schwanz und hohen, stärkern Läufen mit relativ längern Zehen. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Der gemeine H. (Stockfalke, Tauben-, Hühner-, Sperberfalke, Doppelsperber, Stößer, Stoßvogel, A. palumbarius Bechst.; s. Tafel "Raubvögel"), 70 cm lang und 1,3 m breit (das Weibchen), ist am Oberkörper schwärzlich graubraun, aschblau überlaufen, am Unterkörper weiß, jede Feder mit braunschwarzen Schaftstrichen und Wellenlinien gezeichnet. Der Schnabel ist hornschwarz, die Wachshaut blaßgelb; die Augen sind hochgelb, die Füße gelb. Der H. findet sich als Standvogel in fast ganz Europa und Mittelasien, seltener Südeuropa, höchst selten in England. Im Winter streicht er umher, und einzelne